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Reisende sind bereit, mehr pro Reise auszugeben, wenn «Pay When You Fly» von der Fluggesellschaft angeboten werden wird. Bild: AdobeStock

Würde mit «Pay when you fly» mehr geflogen?

Eine neue Amadeus-Studie unter 5000 Reisenden zeigt, wie sich die Unsicherheit über Rückerstattungen auf das Vertrauen der Reisenden und die Buchungen im Jahr 2021 auswirkt - just zu einem Zeitpunkt, an dem die Branche beginnt, sich zu erholen.

Bei Swiss bzw. der Lufthansa Group hat seit dem Frühling 2021 und im Sog der Corona-Krise und damit zusammenhängend neuen Forderungen hinsichtlich Zahlungsmodalitäten das zuvor schon existierende «Pay as you check in» flexibler gestaltet. Davon in Genuss kommen Commercial-Kunden; eine Anwendung im Leisure-Bereich ist bislang nicht vorgesehen. Aber wäre das nicht auch einmal eine Überlegung wert?

Dass es das durchaus wäre, ist die Schlussfolgerung einer neuen Studie des Reisetechnologieunternehmens Amadeus. Diese wurde im Mai 2021 mit 5000 Reisenden aus Frankreich, Deutschland, Grossbritannien, Malaysia und den USA durchgeführt und zeigt, wie sich die Unsicherheit über Rückerstattungen auf das Vertrauen der Reisenden und die Buchungen im Jahr 2021 auswirkt.

81% der Reisenden bestätigten, dass das erhöhte Risiko von Stornierungen aufgrund der Pandemie eine Hürde für die Buchung von Flügen in diesem Jahr ist, wobei die Unsicherheit bei Rückerstattungen (46%) und der problematische Rückerstattungsprozess (38%) bei Flugstornierungen am meisten genannt werden. Viele Stornierungen während der Pandemie haben zu Problemen bei der Rückerstattung von Reiseleistungen geführt, unter anderem dauerte die Bearbeitung mehrere Monate. Um den wichtigen Cashflow zu erhalten, haben Reiseunternehmen Gutscheine für zukünftige Reisen angeboten, aber die Ungewissheit über die Aufhebung der staatlichen Reisebeschränkungen hat zu Unsicherheiten bei den Reisenden geführt, die diese einlösen wollten - mal abgesehen davon, ob dieser Zwang zu Gutscheinen überhaupt rechtens ist.

Mehrere Fluggesellschaften unternehmen inzwischen aber proaktive Schritte, um die Unsicherheit bei der Rückerstattung durch innovative neue Zahlungsoptionen zu verringern. Eine grosse (aber nicht genannte) europäische Fluggesellschaft habe die Initiative ergriffen, die es Reisenden mit einer «Pay When You Fly»-Option ermöglicht, eine Flugbuchung (die auch eine Hotel- oder eine Mietwagen-Reservierung einschliesst) mit einer geringen Anzahlung in der Grössenordnung von 15% und der Begleichung des Restbetrages wenige Wochen vor der Reise vorzunehmen.

Das Modell müsste ausgebaut werden

«Wir treten in eine kritische Phase der Erholung der Reiseindustrie ein, und unsere Branche muss bei jeder sich bietenden Möglichkeit Vertrauen aufbauen», sagt Nicolas Ortiz, Head of Payment Product Incubation bei Amadeus, «wir sind überzeugt, dass ‹Pay When You Fly› das Vertrauen der Reisenden stärken und die Reiseplanung und -buchung auch in einem unsicheren Umfeld mit wechselnden staatlichen Restriktionen fördern wird. Der neue Ansatz kann auch zu höherwertigen Buchungen führen, da die Reisenden die Restzahlung erst dann leisten müssen, wenn sicher ist, dass der Flug wie geplant stattfindet.»

Laut der Amadeus Studie ist «Pay When You Fly» die attraktivste Zahlungsoption (39%) im Vergleich zur traditionellen Zahlung bei der Buchung (36%) und «Buy Now Pay Later», bei der die Reisenden einen Kreditvertrag für den gesamten Restbetrag abschliessen müssen (24%). «Pay When You Fly» schafft nicht nur Vertrauen durch die Überwindung von Rückerstattungsunsicherheiten, sondern könnte auch die Einnahmen der Branche steigern: Reisende sind bereit, durchschnittlich 36% mehr pro Reise auszugeben, und 49% der Reisenden sind eher bereit, zusätzliche Leistungen wie Mahlzeiten und Gepäck dazu zu buchen, wenn «Pay When You Fly» von der Fluggesellschaft angeboten werden wird.

Weitere Informationen, wie neue flexible Zahlungsoptionen die Erholung der Reisebranche unterstützen, sind in der neuen Studie zu finden.

(JCR)