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Das Gäste-Tracing stellt die Gastro- und Veranstalterbranche vor neue Herausforderungen. Dank neuen Tech-Lösungen können diese gemeistert werden. Bild: feratel / shutterstock

Herausforderung Gäste-Tracing

Um den Überblick über mögliche Ansteckungen mit dem Coronavirus festzustellen, wird das Erfassen von Personendaten in Restaurants, Bars oder bei Veranstaltungen immer wichtiger. Dies stellt die Betriebe vor grosse Herausforderungen. Wir stellen zwei Unternehmen vor, welche mit ihren Lösungen Licht in das Datenwirrwarr bringen.

Ganz egal, ob im Restaurant, Nachtklub oder bei einem gemütlichen Abend in einer Bar: Die Gäste kommen nicht mehr darum herum, ihre Kontaktdaten anzugeben. Dies, weil so nachvollziehbar ist, wer sich zu welchem Zeitpunkt im Lokal aufgehalten hat. Wird zu einem späteren Zeitpunkt bei einem der Besucher das Coronavirus diagnostiziert, müssen Personen, die sich möglicherweise angesteckt haben in Quarantäne gehen. Dieses Gäste-Tracing bedeutet einen riesigen Mehraufwand für die Unternehmen, weil Unmengen an Daten gesammelt und verarbeitet werden müssen. Um den Aufwand für die Betriebe zu erleichtern, wurden von verschiedenen Firmen Gäste-Tracing-Lösungen lanciert. Travelnews stellt zwei davon vor.

Der touristische Gesamtlösungsanbieter feratel media technologies AG mit Hauptsitz in Innsbruck und Standorten in der Schweiz hat vor Kurzem den feratel's Gastro-Pass ins Leben gerufen, um vor allem den Gastronomiebetrieben bei der Registrierung unter die Arme zu greifen. Ziel war es, die Handhabung sowohl für Gäste, als auch für Gastgeber, möglichst einfach, schnell und unter Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung zu gestalten. Die Erfassung sollte entweder mit oder ohne Handy, mit oder ohne E-Mail-Adresse, physisch oder digital möglich sein - und nicht zuletzt kostengünstig für das Unternehmen. Unterschiede gibt es aber auch bei den Gästen selbst zu beachten. Ist er ein Einheimischer, Tagesgast oder verbringt er die Ferien in der Region?

Im Falle eines Feriengastes funktioniert die Registration wie folgt: Der Reisende erhält seine persönliche Gastro ID automatisch per Mail im Rahmen der elektronischen Gästemeldung - somit entsteht kein Zusatzaufwand für den Gastgeber. In dieser Nachricht finden sich Informationen zum Tracing, sowie ein QR-Code zum Ausdrucken sowie einen Weblink mit derselben für die mobile Verwendung. Bei der Ankunft im Gastrobetrieb wird der Gast registriert. In der zentralen Datenbank der Behörde wird die jeweilige Gastro-ID mit einem Datums- und Zeitstempel versehen. Wenn der Gast bei der Ankunft noch keinen Gastro-Pass hat, fordert er diesen direkt vor Ort über ein Webformular an und dieser wird eingescannt. Gäste, bei denen eine digitale Abwicklung nicht möglich oder einfach nicht gewünscht ist, werden vom Betrieb mit minimalem Aufwand erfasst und per Check-In ausgelöst. Ist eine Live Personenzählung gewünscht, kann diese entweder dadurch erzielt werden, dass auch beim Austritt der Gäste gescannt wird oder Kameras zum Einsatz kommen. Diese Daten können in weiterer Folge auf Anzeigesysteme gebracht werden - einfache Ampelsysteme, LED-Anzeigen oder auch LCD Screens von Digital Signage Systemen, je nach Verfügbarkeit, Anwendung und dahinterliegenden Informationskonzepten.

Tracing für Veranstaltungen unumgänglich

Die Krise als Chance nutzen, haben die drei Berner ITC-Unternehmen baeriswyl tschanz & partner ag, it-processing AG und PageUp AG mit der Lancierung der Web-Applikation get-entry.ch Anfang August geschafft. Die Contact-Tracing-Applikation hat bereits eine grosse Anzahl an Veranstaltern als Kunden gewonnen und nur wenige Wochen nach der Lancierung zusätzliche Funktionen freigeschaltet. So können Tickets neu von Veranstaltungen erstmalig in der Schweiz unabhängig des Ticketing-Systems mit der Entry-ID verbunden werden. Zudem steht die Anwendung nun auch vollumfänglich in französischer Sprache bereit. «Wir gehen fortlaufend auf neue Bedürfnisse ein und haben deshalb bereits eine neue Version bereitgestellt», erklären die Inhaber der drei Firmen. «In der neuen Version ist es nun möglich, dass Tickets mit Sitzplatzangabe mit der Entry-ID verheiratet werden können und dies unabhängig des Ticketingsystems.»

Zu den Vorteilen der Applikationen gehört unter Anderem, dass Bestehende Ticketingsysteme nicht angepasst und somit nach der Coronakrise auch nicht rückgebaut werden müssen. Es wird weiterhin strikt zwischen CRM- und Daten in Zusammenhang mit dem Coronavirus getrennt. Somit werden im Gegensatz zu den CRM-Daten die Covid-Daten nach 14 Tagen gelöscht. Tickets können nach wie vor unpersönlich ausgestellt und weitergegeben werden, was den flexibleren Verkaufsprozess fördert. Insbesondere wird damit die Gefahr von No-shows minimiert Tickets bleiben übertragbar und können bis unmittelbar vor Eintritt flexibel weitergegeben werden. Werden die Tickets personalisiert und die Behörden ändern vor dem Event die zwingend zu erfassten Daten, kann dies nicht mehr sichergestellt werden. Mittels Entry-ID ist dies ohne weiteres möglich. In einem weiteren Schritt wird demnächst auch eine Checkout-Möglichkeit implementiert. Dies bringt in Bezug auf eine mögliche Quarantäne der Gäste massive Vorteile: Wer vor dem Virusträger die Veranstaltung verlassen hat, muss somit nicht in Quarantäne.

Der Datenschutz hat bei den Initianten der Applikation einen hohen Stellenwert. Im Gegensatz zu anderen Anbietern müssen sich die Gäste nicht zentral registrieren oder pro Event anmelden – sie werden in keinem System zentral bleibend geführt. Die Gäste generieren lediglich vollkommen anonym eine Entry-ID, nach 15 Minuten sind die Daten wieder gelöscht. Erst bei einem allfälligen Event-Eintritt mittels QR-Code werden die Daten gespeichert – und dies nur für 14 Tage. Patrick Schocher präzisiert: «Sämtliche Daten sind ausschliesslich im QR-Code bzw. der Entry-ID gespeichert. Die Gäste sind und bleiben Datenbesitzer, sprich: es gibt kein zentrales Register. get-entry.ch stellt den Datenschutz an oberster Stelle und verhindert somit einen möglichen Missbrauch von persönlichen Daten.» Ausserdem muss sich der Gast nicht jedes Mal neu registrieren – die einmal generierte Entry-ID kann an allen Events, welche get-entry.ch einsetzen, verwendet werden. Die Korrektheit der Daten wird mit der Verifikation der Handynummer und dem Geburtsdatum sichergestellt.

Mit der Kooperation mit dem Ticketingverkäufer tipo.ch, konnte sich get-entry.ch einen wichtigen Kunden an Land ziehen. Dieser empfiehlt zukünftig allen Veranstaltern von tipo.ch, das Contact Tracing mit get-entry.ch sicherzustellen. Somit können zukünftig alle Gäste, welche bei tipo.ch ein Ticket erworben haben, mit der persönlichen Entry-ID alle Events von tipo.ch einfach und unkompliziert besuchen. Rahel Ryf, CEO und Mitgründerin von tipo.ch ergänzt: «Durch die Kooperation mit get-entry.ch können unsere Veranstalter nun auch unpersönliche Tickets ausstellen, welche einfach weitergereicht werden können. Es können so auch mehrere Tickets von einer Person ohne Personalisierung gekauft und erst später einer Person zugewiesen werden. Anstatt dass jeder Ticketverkäufer eine eigene Tracing-Lösung baut, wäre es viel kundenfreundlicher, wenn alle mit der Plattform get-entry.ch zusammenarbeiten würden, damit sich die Kunden nicht bei einer Vielzahl von unterschiedlichsten Systemen registrieren müssen. Ausserdem ist get-entry neutral und nicht im Ticketing-Umfeld tätig.»

(NWI)