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Professor Dr. Guido Sommer äussert sich in einem Referat im Rahmen des «Sport.Tourismus.Forum» zur Wichtigkeit der Digitalisierung im Tourismus. Bild: Gabriele Griessenböck

«Wer braucht Tourismusbüros, wenn es Google gibt?»

Im Rahmen des St. Galler «Sport.Tourismus.Forum» diskutierten die Teilnehmenden gemeinsam mit Professor Dr. Guido Sommer die zunehmende Wichtigkeit von Daten in der Tourismusbranche.

Wo informieren sich die Reisenden heutzutage über die Zieldestination? Die meisten zücken sicherlich das Smartphone und googeln einfach wild darauf los. Das ist praktisch und das World Wide Web hat zahlreiche Informationen zu Übernachtungsmöglichkeiten, Restaurants oder Aktivitäten bereit. Meist ploppen die Ergebnisse gleich auf, sodass User nicht einmal die Google-Hauptseite verlassen müssen. Diese Entwicklung macht deutlich, dass Daten immer wichtiger und die Websits der einzelnen Tourismusdestinationen im Gegenzug immer unwichtiger werden.

«Um mit dem Tempo der Digitalisierung mitzuhalten, reichen klassische Marketingaufgaben heute nicht mehr aus», sagt Dr. Guido Sommer, Professor an der Hochschule Kempten während seines Vortrages beim «Sport.Tourismus.Forum» in St. Gallen. Die grossen Player wie beispielsweise Google schaffen neue Lösungen, die es ermöglichen, die ganze Customer Journey mit den Reisenden zu kommunizieren. «Die eigene Webseite verliert zunehmend an Bedeutung», so Sommer. Das stelle auch die Bedeutung von Destinationswebsites zunehmend in Frage.

Dies obwohl die benötigten Technologien eigentlich schon zur Verfügung stünden. Zum Beispiel im Bereich von Outdoortouren könnte man den Kundenservice enorm erhöhen, wenn denn Echtzeit-Daten integriert würden. «Wenn Tourenportale wie Outdooractive oder Komoot auf solche Daten offen zugreifen und integrieren können, dann würden auch ihre Nutzer und Gäste zeitnah sehen, welche Wege gesperrt wurden», erklärt Sommer. Das Problem sieht er aber darin, dass diese Geodaten oftmals nicht offen zugänglich sind. Sommer führt aus: «Das ist umso unverständlicher, da diese Daten meist bei Landesämtern liegen, daher aus Steuergeldern finanziert werden und somit uns allen gehören.»

Um diese Daten-Zugänglichkeit zu verbessern gibt es bereits verschiedene Porjekte. Eines davon nennt sich «BayernCloud». In einem ersten Schritt werden die relevanten Daten in eine Cloud übertragen und anschliessend von künstlicher Intelligenz weiterverarbeitet. Zukünftig soll auf diese Weise ein einfacher Datenaustausch für unterschiedliche Akteure ermöglicht werden und möglichst alle relevanten touristischen Informationen in Bayern aktuell und zentral zur weiteren Nutzung bereitstehen. So sollen alle Partner auf jeden der Inhalte zugreifen können. Strukturierte Daten sind dabei die Basis von digitalen Assistenten und künstlicher Intelligenz. «Deshalb wird das nachhaltige Modellprojekt richtungsweisend für die digitale Transformation im Tourismus sein», so Sommer.

(NWI)