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Eine neue Technologie könnte Airbnb wichtige Informationen über die Vertrauenswürdigkeit von Gästen und Gastgebern liefern. Bild: Pratik Gupta

Durchkämmt Airbnb künftig die Social-Media-Kanäle?

Airbnb will Mieter und Vermieter künftig noch besser unter die Lupe nehmen. Dafür hat die Vermittlungsplattform eine Software entwickelt, die Störenfriede und Betrüger anhand der Social-Media-Aktivität frühzeitig erkennen soll. Ein Patentantrag wurde bereits gestellt.

Die Wohnungs-Vermittlungsplattform Airbnb sagt betrügerischen Vermietern und Gästen schon seit längerem den Kampf an. In der Vergangenheit kam es nämlich immer wieder zu Eskalationen. An Halloween zum Beispiel endete eine Party in einer Airbnb-Unterkunft in Kalifornien in einer Schiesserei – fünf Menschen liessen dabei ihr Leben. Mit solchen Eskalationen soll künftig Schluss sein, wie die Plattform bereits ankündigte.

Aber wie kann man potenzielle Gefahren frühzeitig erkennen? Eine Möglichkeit ist, die Social Media-Aktivitäten der Gäste zu scannen, um Auffälligkeiten der Persönlichkeit festzustellen. Dazu hat das Technologieunternehmen Trooly Inc., das seit 2017 vollständig zu Airbnb gehört, vor bereits über einem Jahr einen Patentantrag in den USA eingereicht. Die neue Technologie soll fähig sein, die Vertrauenswürdigkeit eines Gastes festzustellen. Somit könnten mit der Software potenziell gefährliche Gäste, welche die Airbnb-App verwenden, überprüft und untersucht werden.

Konkret soll die Technologie laut dem Patent in der Lage sein, die verschiedenen Social Media-Aktivitäten zu scannen und darüber hinaus Informationen aus staatlichen Quellen wie Vorstrafenregistern einzuholen. Dank Algorithmen erkennt das System negative Persönlichkeitsmerkmale wie Boshaftigkeit, Narzissmus oder Tendenzen zu Psychopathie. Positiv gewertet hingegen werden Merkmale wie Offenheit oder Extrovertiertheit. Postet also jemand Fotos oder Videos, die auf Drogen- oder Alkoholkonsum hindeuten oder macht falsche Angaben in seinen Social Meida-Accounts, hat das negative Auswirkungen auf die Bewertung. Aus den gesammelten Daten wird ein Vertrauenswürdigkeits- oder Kompatibilitätsscore Mithilfe von künstlicher Intelligenz errechnet, die anschliessend beurteilt, ob die Persönlichkeit des Gastes oder Vermieter geeignet ist, eine Unterkunft über Airbnb zu mieten oder anzubieten.

Die Technologie kommt noch nicht zum Einsatz

Gegenüber «Travel Weekly» bestätigt ein Airbnb-Sprecher, dass die Plattform immer wieder nach neuen Möglichkeiten sucht, um das Vertrauen zu verbessern und so das Risiko für Gastgeber sowie Reisende zu minimieren. «Wie bei jedem anderen Unternehmen gibt es eine Reihe von Patenten, die wir anmelden, von der Suche in Listen bis zur Automatisierung der Buchungsverfügbarkeit, und das bedeutet nicht unbedingt, dass wir alles oder einen Teil von dem, was darin steht, implementieren», sagte der Sprecher. Somit ist also nicht klar, ob die Software überhaupt je zum Einsatz kommt.

Dennoch wird zu jeder getätigten Reservierung eine Risikobewertung vorgenommen. «Wir nutzen prädiktive Analysen und maschinelles Lernen, um sofort Signale auszuwerten, die uns helfen, verdächtige Aktivitäten zu erkennen und zu untersuchen», sagte das Unternehmen weiter.

Eine weitere Massnahme ist, dass bis Ende 2020 alle der sieben Millionen angebotenen Unterkünfte auf Airbnb verifiziert werden. Nur so können Fake-Unterkünfte, heftige Mängel oder die Einhaltung von Qualitätsstandards überprüft werden. «Wir glauben, dass Vertrauen im Internet mit der Überprüfung der Richtigkeit der Informationen auf Internetplattformen beginnt, und wir glauben, dass dies ein wichtiger Schritt für unsere Branche ist», sagte Airbnb Co-Gründer Brian Chesky über Twitter zu der Massnahme. Dabei arbeitet die Plattform auch eng mit lokalen Behörden zusammen und feiert bereits erste Erfolge: Für 28 Unterkünfte in Los Angeles hat Airbnb Buchungen gecancelt, weil sie von der lokalen Polizei als «Party-Häuser» identifiziert worden sind, wie der «Reisereporter» berichtet.

(NWI)