Travel Tech

Tourlane (1).jpeg
Die beiden Gründer von Tourlane, Julian Stiefel (l.) und Julian Weselek, beide 32, haben schon Millionen an Investmentgeld hereinholen können. Bild: SMS

Tourlane wirft ein Auge auf die Schweiz

Das Berliner Cyber-Reisebüro versucht mit ausgeklügelter Technologie und hoher Servicequalität das Buchen individueller Reisen deutlich zu vereinfachen. Grosse Investoren sind bereits eingestiegen. Im Schweizer Markt sehen die Gründer derweil viel Potenzial.

Sagt ihnen der Name «Tourlane» etwas? Möglicherweise nicht, denn das Reiseunternehmen hat seinen Sitz in Berlin, ist noch jung und in der Schweiz bislang nicht aktiv. Das dürfte sich aber bald ändern - und den Namen sollten Sie sich spätestens jetzt definitiv merken.

Gegründet wurde Tourlane 2015 von Julian Stiefel und Julian Weselek, zwei langjährigen Studienfreunden. Diese waren der Ansicht, dass das Online-Erlebnis hinsichtlich Buchungen von Individualreisen noch lange nicht da ist, wo es sein könnte. Nach harzigem Anfang ging es plötzlich Schlag auf Schlag: 2018 erhielt das Unternehmen zunächst eine Serie-A-Finanzierung über 7 Millionen Euro, später nochmals Venture-Capital-Geld in Höhe von 21 Millionen Euro. In diesem Jahr folgte eine Series-C-Runde mit 43 Millionen Euro. Somit haben die beiden heute 32-jährigen Unternehmer insgesamt 70 Millionen Euro gesammelt. Nicht schlecht.

Und was wird mit dem vielen Geld gemacht? Julian Weselek hat Travelnews in den Tourlane-Büros an der Köpenickerstrasse 126 in Berlin-Mitte anfangs dieser Woche empfangen. Unser erster Eindruck: Grosse und moderne Büros, viele vorwiegend junge und offensichtlich motivierte Mitarbeitende an der Arbeit. Verzicht auf Schnickschnack, Konzentration auf Leistung. Schon zuvor hatten wir im Selbsttest gemerkt, wie der Laden funktioniert: Auf eine Buchungsanfrage folgte innerhalb einer Minute ein Telefonat von Tourlane.

Denn so wird vorgegangen: Zunächst werden online vorgängig einige Angaben zur gewünschten Reise eingegeben - Weltregion bzw. Land, Anzahl Personen, Dauer der Reise, primäre Interessen. Absenden, und gleich folgt der Anruf, wo bereits mögliche Angebote diskutiert und verfeinert werden, um den individuellen Touch zu gewährleisten. Simpel? Vielleicht. Aber genau dies ist ja auch die Idee von Tourlane: Es den Kunden möglichst einfach und angenehm zu machen.

Eine App ist in Planung

Für die Ausarbeitung der Reiseangebote arbeitet Tourlane direkt mit Partnern in den diversen Zielländern zusammen und erhält Nettoraten von diesen. Dort wird ein (nicht genannter) Prozentsatz draufgeschlagen, wie etwa bei Booking.com. Komplettiert wird dies alles durch internes Know-how der Mitarbeitenden. So hat es denn im Angebot auch einige Lücken, z.B. findet man keine Angebote zu Norwegen. Dafür soll das Gebotene um so besser sein.

«Das Kundenerlebnis steht im Zentrum all unserer Bemühungen», erklärt Weselek beim Rundgang. Er hatte sich gemeinsam mit Stiefel daran gestört, dass man als Individualreisender alles aus x verschiedenen Seiten zusammentragen muss. Also sollte alles aus einer Hand kommen. Das Unternehmen bzw. dessen Mischung aus Technologie und Mensch sollte dem Buchungswilligen die Arbeit abnehmen. Das 40-köpfige Team in Berlin garantiert eine schnelle Rückantwort auf Individualreise-Anfragen.

«Nur weil man mit jemandem spricht, heisst dies nicht, dass die Reise am Schluss teuer sein wird», führt Weselek weiter aus. Durchschnittlich buchen die Tourlane-Kunden Reisen à 15 Tagen, mit Flug, Hotel, Transfers, Aktivitäten. Bei Booking.com seien es lediglich zwei Nächte im Schnitt.

Die eigene Website ist gut, aber auch noch verbesserungsfähig. Wozu wird das viele von Venture-Capital-Firmen eingenommene Geld denn nun gebraucht? «Das meiste Geld wird in die IT investiert», sagt Weselek. Eine App sei in Planung. Darüber hinaus sei es nicht das Ziel, die Firma zu verkaufen, sondern eine Firma aufzubauen, die einen neuartigen Weg für Individualreisen erfolgreich aufzeigt. Die beiden Julians selber – Stiefel gesellt sich im Rahmen des Travelnews-Besuchs auch noch dazu – halten übrigens je noch 14 Prozent an der Firma.

Die Schweiz lockt

Und was ist mit der Schweiz? Dort haben die beiden gebürtigen Heidelberger noch keinen Geschäftsbezug geschaffen – mit Betonung auf «noch», denn es gebe durchaus Pläne. «Die Schweizer mögen Individualreisen», weiss Weselek, «darum könnte Tourlane in der Schweiz erfolgreich sein.» Wie, wo und wann ein grösserer Einstieg in den Schweizer Markt erfolgt, steht aber noch in den Sternen. Natürlich können Schweizer schon jetzt über die Tourlane-Website buchen...

In Deutschland zumindest existieren auch bereits Partnerschaften mit Reisebüros. Da die Investoren sehr langfristig mit Tourlane planen, kann man sich für einen soliden Aufbau des Geschäfts – B2C wie auch B2B – Zeit lassen. «Wir wollen lieber was verändern und sicherstellen, dass die Kunden glücklich sind», schliesst Weselek.

(JCR/SMS)