Travel Tech

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Panel-Diskussion am DRV Distribution Day mit (v.l.) (v.l.): Marcel van de Wal (Travelport Germany), Stephan Bingemer (ISM Frankfurt), Uta Martens (Amadeus Germany), Tom Fecke (Sabre Travel Networks), Johannes Walter (Lufthansa Group), Florian Storp (Gesprächsleiter/American Express GBT/DRV-Vorstandsmitglied). Bild: © DRV

Die Suche nach dem Mehrwert des NDC

Von Christoph Kuntz

Am «Distribution Day» des Deutschen Reise-Verbands wurde der Frage nachgegangen, welchen Nutzen NDC im Vertriebs-Alltag hat. Travelnews war vor Ort und hat sich umgehört.

Welchen Mehrwert bringt NDC der Branche? Diese Frage dominierte den Distribution Day des Deutschen Reiseverbands am 18. Juni in Frankfurt. Rund 100 Touristiker aus dem Vertrieb, von Technikanbietern, Fluggesellschaften, dem Verband und den GDS diskutierten über das Technologieformat, das die IATA 2012 startete und das jetzt die Vertriebs- und Produktpolitik der Airlines bestimmt.

Nach einer längeren Vorlaufzeit geht die Integration in die GDS schneller voran, aber Nutzen und Mehrwert für die Reisebüros sind für viele Vertriebler nicht klar ersichtlich und bedürfen Erläuterungen und Fragerunden. Sie tun sich noch schwer und sehen bislang nur einen geringen Nutzen für das tägliche Geschäft.

So präsentierten die Vertreter der drei GDS Amadeus, Sabre und Travelport auf der Veranstaltung den aktuellen Stand der Umsetzung von NDC und erklärten den anwesenden Vertriebspartnern den Nutzen und die Vorteile der neuen Technologie. Dabei blieb aber die Frage nach dem Mehrwert für die Reisebüros ein Dauerbrenner, eine abschliessende Antwort konnte schliesslich keiner der anwesenden Teilnehmer auf Seiten der GDS, des Vertriebs und der Lufthansa geben. Wobei die Technologieanbieter auch immer wieder betonten, dass das NDC aus dem Hause der IATA komme und nicht von den GDS entwickelt wurde.

«NDC ist für die GDS eine Blackbox, denn die Daten liegen im Verantwortungsbereich der Airlines, sie stellen alles zusammen. Wir müssen uns fragen, was wir wert sind und uns in dieser Welt neu finden», erklärt Marcel van de Wal, Commercial Director Central Europe bei Travelport. Für Tom Fecke, Director Strategic Sales EMEA von Sabre, ist es keine Frage, dass die Umsetzung des Standards nur zusammen mit den Airlines und dem Vertrieb realisierbar ist: «NDC kann ein Game Changer sein.»

«Der Kunde will ein leicht verständliches Produkt und der Agent muss es vermitteln können.»  Tom Fecke (Sabre)

« NDC ist wichtig, um die neuen Wege zum Kunden, die wir benötigen, auch umzusetzen. Im alten System taucht es auf, aber das Web 3.0 ist nicht schnittstellenfähig. Wir sehen die Möglichkeiten kommen, aber sie sind noch nicht da», stellt Professor Stephan Bingemer von der ISM International School of Management in Frankfurt klar. Mit dem NDC könne dem Kunden das Reisepaket so geboten und geschnürt werden, wie er es haben wolle - und das sei entscheidend. NDC werde kommen, nun müssten es alle umsetzen, es gehe um das Kombinieren des digitalen Workflows mit dem persönlichen Kontakt der Reisebüro-Agenten. «Der Kunde will ein leicht verständliches Produkt und der Agent muss es vermitteln können», ergänzt Fecke. NDC sei dafür passend, um Produkte besser zu differenzieren. Dies bringe mehr Umsatzpotenzial.

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Interessante Einsichten bot auch das Referat von Professor Stephan Bingemer (Business Administration and Tourism, International School of Management, Frankfurt), einem ex-Lufthanseaten. Bild: © DRV

Bislang 63 NDC-zertifizierte Airlines

Entscheidend für einen positiven Verlauf ist nach Ansicht von van de Wal aber auch die Integration möglichst vieler Airlines. Bislang sind 63 Fluggesellschaften NDC-zertifiziert. Dabei befinden sich die drei GDS hier jeweils auf einem anderen Niveau, doch die Ziele, welche die IATA gesetzt hat - nämlich dass bis 2020 20 Airlines 20 Prozent ihres globalen Verkaufs über NDC abwickeln - wollen alle realisieren. Die Aufnahme einer hohen Zahl an Fluggesellschaften ist nach Auffassung von Uta Martens, Geschäftsführerin von Amadeus Deutschland, ein wesentlicher Punkt: «Die Hauptfunktionen müssen für mehrere Airlines vorhanden sein. Wir können keine Technik für einzelne Airlines definieren.»

Die Technikunternehmen müssten einen Weg finden, um den Mehrwert darzustellen. «Wir haben die technischen Kapazitäten erstellt, die Frage nach dem Content beruht auf den individuellen Entscheidungen der Airlines», wiederholt Martens.

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Die Keynotes kamen von (v.l.) Jürgen Siebenrock (VP Sales Home Markets & Global Key Account Management, Lufthansa Group) und Norbert Fiebig (Präsident DRV). Bild: © DRV

Kein Vorteil für Reisebüros?

Wie erwähnt, blieb die Frage nach dem Nutzen für die Vertriebspartner nicht erschöpfend beantwortet. Es ist unklar, was die Reisebüros erwartet und was das neue Format für sie bedeutet. «Wann und wie ist es einsetzbar? Ich sehe noch keinen Vorteil für die Reisebüros», stellt Christine Kerpen, CEO von ars Flug- und Fernreisen, die entscheidende Frage von Seiten der Reisebüros. Auch Rainer Klee, Geschäftsführer von Aerticket, dämpft die Erwartungen: «Ich habe kein einziges Mehrwertangebot gesehen. Alle Sitzplätze sind auch normal buchbar, genauso wie die Essens- und Loungeangebote. Den sogenannten Rich Content findet man besser auf Webseiten wie vornesitzen.de.»

Notwendig sei ein wirklich vergleichender Überblick. «Bis heute erfolgt die Differenzierung durch NDC nur mit Hilfe des Preises», meint Klee, «die Vergleichbarkeit wird aber durch die unterschiedlichen Flugbedingungen und die Zusatzprodukte immer schwieriger.»

Genau diese schwierige Vergleichbarkeit sieht Markus Orth, Geschäftsführer der Lufthansa City Center, auch als Pro für die Reisebüros: «Wir haben eine Chance, an den Kunden ranzukommen, weil es komplexer wird. Die Reisebüros haben bessere Beratungschancen mit einem besseren technischen Standard.» Dies müsse am Counter ankommen, damit dieser den Kunden die Tarife und ihre Unterschiede klar zeigen und erklären kann.

Der Verkauf der Zusatzleistung steht für Rainer Burghardt, Geschäftsführer von ta.ts, im Mittelpunkt: «Es geht darum, wie ich dem Kunden einen Mehrwert bieten kann. Die Reisebüros müssen aufzeigen, dass sie eine Leistung anbieten, die der Kunde sonst nicht oder nur sehr schwierig bekommt. Das ist ihre Stärke.»

Interessantes kündigt am Ende noch Jürgen Siebenrock, Vice President Sales Home Markets & Global Key Account Management bei Lufthansa, in Bezug auf neue technische Lösungen an: «Wir wollen die Reisebüros stärker an den Mehrwerten teilhaben lassen. Wir entwickeln dafür derzeit kommerzielle Modelle.»

Jens Broehenhorst (Dr. Tigges) hielt einen engagierten Impulsvortrag. Bild: © DRV