Travel Tech

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Alain Chisari (Vice President Sales Lufthansa Group Airlines Asia Pacific), Gleb Tritus (Managing Director Lufthansa Innovation Hub) und Dr. Christian Langer (Vice President Digital Strategy Lufthansa Group) bei der Eröffnung des Innovation Hub in Singapur. Bilder: HeyThereSingapore2019

Lufthansa Group eröffnet Innovation Hub in Singapur

Am Montag eröffnete die Lufthansa Group den Lufthansa Innovation Hub in Singapur. Damit will sie die eigene Digitalisierung sowohl in der Reisebranche als auch in der Flugzeugindustrie im asiatischen Raum vorantreiben und stärken. Alain Chisari, Vice President Sales Lufthansa Group Airlines Asia Pacific, erklärt im Interview, warum der Innovation Hub ein Erfolgsmodell ist.


2014 startete die Lufthansa Group, zu der auch die Swiss gehört, den ersten Innovation Hub in Berlin. Fünf Jahre später folgt nun der zweite in Singapur, im Verlaufe des Jahres sogar ein dritter in Shanghai. Hinter dem Innovation Hub steckt ein mehrköpfiges Team aus Start-up-Experten und lokalen Mitarbeitern.

Das Team agiert dabei unabhängig von der Lufthansa Group. Ziel ist, neue Business-Modelle in der asiatischen Start-up-Szene aufzuspüren, Kooperationen mit Tech-Playern einzugehen sowie ein Netzwerk mit relevanten Partnern aufzubauen. Damit reagiert die Lufthansa Group auf den rapiden Wandel in der Reise- und Luftfahrtindustrie, in der Asien vor allem im Bereich der Urban Mobility eine Vorreiterrolle inne hat. Unterstützung vor Ort findet der Innovation Hub Singapur durch die regionale Abteilung von Lufthansa Group Airlines Asia-Pacific, deren Verkaufsleitung der Zürcher Alain Chisari inne hat.

Herr Chisari, warum eröffnet die Lufthansa Group den zweiten Innovation Hub in Singapur?

Alain Chisari: Singapur – sowie der gesamte asiatische Raum – gehört momentan zu den dynamischsten und am schnellsten wachsenden Tech-Ökosystemen der Welt. Zudem bietet Singapur die nötige Infrastruktur und weist eine hohe Dichte an Start-up-Unternehmen auf.

Was erhoffen Sie sich davon?

Wir möchten in der Gestaltung von digitalen Lösungen in der Reisebranche an erster Stelle stehen. Gerade Singapur bietet sich als hervorragender Standort an, denn hier werden bereits diverse Pilotprojekte in dieser Richtung getestet, wie etwa autonom-fahrende Taxen, Busse sowie Lastwagen oder unbemannte Flugsysteme. Wichtig für uns ist auch, dass wir von Anfang an bei solchen Projekten dabei sind. Wir sehen im urbanen Mobilitätssektor zahlreiche Chancen, beispielsweise in der Entstehung von end-to-end Reiseplattformen. Ziel ist dabei innovative Mobilitätslösungen nahtlos mit der Flugerfahrung unserer Lufthansa-Kunden zu verknüpfen.

Gibt es sonst schon konkrete Projektideen, die Sie sich vorstellen können?

In der Tat gibt es schon zwei Kollaborationen mit Partnern: INSEAD und WeWork. Mit INSEAD, eine der weltweit führenden Business-Schulen, verfolgen wir das Projekt ‘The Future of Work’, bei dem der Wandel von Geschäftsreisen untersucht werden soll. Mit WeWork, dem grössten Anbieter von Co-Working-Räumen, soll die Zukunft von Geschäftsreisen analysiert werden. Bei beiden Projekten stehen wir aber noch am Anfang.

In Singapur waren bei der gestrigen Präsentation sowohl lokale als auch Journalisten aus der DACH-Region anwesend.

Können Sie Partner in Singapur nennen, mit denen Sie zusammenarbeiten?

Das sind konkret die vorgenannten Kollaborationen, bei denen wir uns derzeit in den finalen Zügen der Abstimmung befinden. Darüber hinaus sind wir mit einigen anderen, sehr spannenden Akteuren im Travel- & Mobility-Kontext im Austausch, so unter anderem im Bereich Ride-Hailing (Mobilitätslösungen wie Uber & Co., Anm. d. Red). Im Weiteren macht es mich besonders stolz, dass wir mit den Forschern der ETH Zürich hier in Singapur diskutieren. Ich hoffe, dass sich daraus auch Anknüpfungspunkte rund um den Innovation Hub ergeben.

Wie viel lässt sich die Lufthansa Group die Unterstützung des Innovation Hubs kosten?

Konkrete Zahlen können wir keine nennen. Aber weil wir im Start-up-Modus unterwegs sind, sind die Investitionen überschaubar, gerade was die Kosten für Büros und Angestellte anbelangt.

«Die Swiss überlegt sich, den in Genf erfolgreich getesteten Flightpass langfristig anzubieten»

Kann auch die Schweiz von Innovationen aus Singapur profitieren?

Absolut. Singapur hat wie die Schweiz mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen wie beispielsweise knappem Wohnraum oder limitiertem Platz für neue Verkehrswege. Da müssen also Lösungen her. Es würde mich natürlich sehr freuen, wenn gerade in Singapur digitale Lösungen entwickelt würden, die dann auch in der Schweiz zum Tragen kommen und zum Beispiel bei Swiss oder den anderen Group Airlines eingesetzt werden.

Welche Innovationen sind bereits hervorgegangen, die der Schweizer Konsument nutzen kann?

Die Swiss hat 2017 den vom Innovation Hub entwickelten Flightpass getestet. Der Konsument kaufte dabei online ein Abo mit zehn One-Way-Flügen, die er innerhalb von 12 Monaten flexibel aufbrauchen konnte. Dadurch war man zeitlich flexibler und kostenunabhängiger. Der Test am Standort Genf lief so erfolgreich, dass Swiss dieses Jahr überlegt, den Flightpass langfristig anzubieten.

Ist der Innovation Hub ein Erfolgsmodell?

Wir glauben an dieses Modell. Denn es hat sich in Europa bereits bewährt, wie unter anderem zahlreiche Auszeichnungen und Erfolgsprojekte belegen. Für Singapur haben wir die gleichen Erwartungen. Zudem werden wir im Verlauf dieses Jahres in Shanghai einen dritten Innovation Hub eröffnen.

(ADK)