Travel Tech

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Ein Hotel suchen und finden ist ein komplexer Prozess - den Google vor drei Wochen nochmals verfeinert hat. In Deutschland und anderswo kann man die Buchung nun auch direkt innerhalb der Google-Plattform vornehmen. Bild: Screenshot Google Keyword

Google erhöht seine Präsenz in der Reisedistribution weiter

«Book on Google» ist in 12 neuen Märkten - nicht in der Schweiz, aber in unseren grossen Nachbarländern - seit wenigen Tagen verfügbar. Es ist ein weiterer Schritt des Suchmaschinen-Giganten hin zu einem weltumspannenden «Reise-Ökosystem».

Google ist gerade mal 20 Jahre alt. In dieser Zeit hat der Suchmaschinengigant aber die Welt markant verändert - aus Sicht der Reisebranche hat Google von Anbeginn eine grosse Rolle bei der Online-Suche nach Reiseangeboten gespielt. Inzwischen geht das Fachportal «Skift» davon aus, dass 12 Prozent der gigantischen Werbeumsätze von Google mit «Travel Ads», also Werbebeiträgen aus der Reisebranche, erzielt werden.

Das hat dazu geführt, dass Google seine Dienstleistungen in der Reisewelt in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut hat. Das hat bei zahlreichen Unternehmen der Reisebranche zu Befürchtungen geführt, dass Google diese ersetzen könnte, indem es selber zum Online-Reisebüro mutiert. Diese Angst ist per se unbegründet, wie auch Google-Mitarbeitende selber immer wieder betonen: Google verdient mit den Werbeeinnahmen aus der Suchmaschine viel mehr, als dass es als Organisator bzw. Vermittler von Reisen/Flügen verdienen könnte, und das ohne Haftungsrisiken. Warum also das erfolgreiche aktuelle Modell ändern?

Trotz allem gibt muss die Reisebranche die Entwicklungen ganz genau mitverfolgen. Denn einige Player könnten durchaus verdrängt werden, etwa Metasearcher, welche im Prinzip auch «nur» Suchleistungen erbringen, den Buchungsprozess dann aber den Leistungsträgern überlassen. Und jene Player, die nicht verdrängt werden, müssen sich zumindest auf neue Tatsachen und Prozesse einstellen, welche Google in der Reisewelt schafft. Denn es ist seit längerem deutlich, dass Google ein ganzes «Ökosystem» an Leistungen aufbaut: Google Flights erlaubt eine einfache Flugsuche. Für Google Hotels wurde vor wenigen Wochen ein neues Hotelbuchungs-Erlebnis global ausgerollt; dieses ist direkt mit Googlemaps verknüpft und kombiniert so die simple Suche mit detaillierten Angaben zur Umgebung, und erlaubt nun die Integration von Fotos des Hotels von anderen Google-Usern, sowie die Integrierung von Hotelbewertungen, welche nach Keywords (z.B. «air condition») durchsucht werden können. Google Trips vereinfacht die Reiseplanung und wird bereits von Millionen Menschen genutzt. Touringbird hilft bei der Auswahl und Vermittlung von Touren und Aktivitäten. Google Translate ist dank Künstlicher Intelligenz inzwischen ein ernst zu nehmendes (und auf Reisen damit durchaus nützliches) Tool. Via Google Pay kann man bezahlen. Es gibt darüber hinaus auch Tools, welche den idealen Buchungszeitraum angeben. Was kommt als nächstes?

Alles über eine Plattform

Eine Entwicklung, «Book on Google», wurde diese Woche zwar nicht neu lanciert, aber über die bestehenden bisherigen Märkte (USA, Australien, Neuseeland, Grossbritannien) auf 12 neue Märkte (Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, Spanien, Belgien, Niederlande, Schweden, Norwegen, Dänemark, Polen und Kanada) ausgeweitet. «Book on Google» ist im Prinzip ein Interface von Google Hotel Ads: Wer über diese Plattform eine Hotelbuchung vornimmt, verlässt Google nicht, sondern erledigt alles direkt innerhalb der Google-Plattform, was besonders praktisch ist, wenn man auf dem Mobile bucht - und «Mobile» steht im Zentrum aller Google-Bemühungen. Solches so genanntes «Facilitated Booking» verhindert eben, dass man zur Webseite des Leistungsträgers weitergeleitet wird.

Insofern geht es bei «Book on Google» also um einen weiteren Baustein in diesem Reise-Ökosystem, welcher Convenience bietet, die Buchung per Mobile vereinfacht und für den Endkonsumenten natürlich auch weiterhin kostenfrei ist. Hotels bezahlen, im Prinzip wie üblich, für Zugriffe, welche via «Book on Google» auf ihr Inventar erfolgen; ihnen werden zahlreiche starke Technologietools zur Verfügung gestellt, um ebendieses Inventar zu präsentieren. Kurz: Google verändert die Online-Hoteldistributions-Welt weiter. Der Riese setzt Standards, denen andere Anbieter ähnlicher Leistungen folgen können bzw. müssen - auf dem Weg zu einem einzigen Marktplatz, worüber man einst alles finden, koordinieren und buchen kann, und wo Google dann seine SEM-Kraft voll ausspielen kann. Diese Entwicklung ist für Endkonsumenten wie für Google-Konkurrenten gleichermassen spannend zu verfolgen.

(JCR)