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Wurden Flugticket-Konsumenten abgezockt? Die GDS-Giganten Amadeus und Sabre sehen der EU-Untersuchung gelassen entgegen. Bild: Adobe Stock

Gab es unerlaubte Absprachen im GDS-Vertrieb von Flugtickets?

Die EU-Kommission hat eine Untersuchung gegen Amadeus und Sabre angeordnet. Es geht um die Frage, ob gegen EU-Kartellvorschriften verstossen wurde. Die beiden Unternehmen haben bereits reagiert.

Am vergangenen Freitag informierte die EU-Kommission, dass sie eine formelle Untersuchung gegen die Reisetechnologie-Dienstleister Amadeus und Sabre eingeleitet habe. Hintergrund sei der Verdacht, dass Absprachen zwischen den beiden GDS («Global Distribution System») untereinander sowie mit Airlines und Reisebüros gegen geltende EU-Kartellvorschriften (Artikel 101 des TFEU) verstosse. EU-Kommissarin Margrethe Vestager äusserte den Verdacht, dass die Absprachen der GDS letztlich Ticket-Distributionskosten erhöhen könnten, weil Airlines und Vertriebsstellen zu wenige Alternativen hätten.

Travelport, das dritte globale GDS, ist allerdings nicht Gegenstand der Untersuchung.

Amadeus und Sabre haben bereits Stellung genommen

Amadeus hat bereits auf die Ankündigung der EU-Kommission reagiert und ein Statement dazu publiziert. Offenbar war die Untersuchung schon seit geraumer Zeit erwartet worden; Amadeus hat volle Kooperation zugesagt. Kernpunkt der ziemlich langen Replik war die Feststellung, dass Amadeus für Fairness und Neutralität in der Airline-Distribution einstehe und nicht-diskriminierenden und neutralen Zugang zu Ticket-Content für Airlines wie für Konsumenten ermögliche. Airlines seien frei zu entscheiden, wie sie ihren Content vertreiben, und auch den Reisebüros stehe es offen, welches GDS sie beanspruchen möchten. Mit anderen Worten: Amadeus sieht keine Wettbewerbsbeschränkung vorliegen.

Auch Sabre hat bereits mit einem Statement reagiert. Darin stellt sich Sabre als «pro-Wettbewerb» dar und unterstreicht seinen Glauben daran, dass Full-Content bzw. Paritätsklauseln im Interesse der Konsumenten sind. Auch Sabre reicht den Ball an die Airlines weiter, indem gesagt wird, dass Airlines im hochkompetitiven Umfeld sich zu differenzieren und Brand-Loyalität zu schaffen versuchen - implizit also die Neutralität und Offenheit, wie von den GDS ermöglicht, unterwandern.

Travelport hat seinerseits kein Statement zu diesen Vorgängen abgegeben. Auch die «European Travel and Technology Services Association», von welcher alle drei GDS Mitglieder sind, hat bislang kein Statement publiziert.

(JCR)