Tourismuswelt

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ESport wird immer öfters als öffentliches Turnier ausgetragen und bietet auch für Tourismusorganisationen und Destinationen eine Chance. Bild: Fotolia.

Einwurf Wann steigt Ihre Destination auf den Zug des digitalen Sports?

Von Daniel Luther

In Asien gibt es bereits Hotels, zu deren Standard-Ausstattung diverse Spielkonsolen gehören. Weltweit sorgen sogenannte eSport-Events für zahlreiche Hotelübernachtungen. Nur in der Schweiz wird dem Thema wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Haben Sie schon einmal von eSport gehört? Der elektronische Sport erfolgt am Computer oder an der Spielekonsole. Dabei spielt man entweder in einem Team oder als Einzelkämpfer gegen andere Gamer. Die Disziplinen sind vielfältig und die Turniere werden oft in grossen Arenen vor breitem Publikum ausgetragen.

Die grössten eSport-Events ziehen in Deutschland 20‘000 bis 30‘000 Leute in die Stadien und Hallen. International war das Olympiastadion in Peking mit 40‘000 Zuschauern besucht und vor wenigen Jahren das WM-Stadion in Seoul mit knapp 50‘000 Besuchern gefüllt. Der Turnierzirkus im eSport gibt mittlerweile 20 bis 30 Mega-Events pro Jahr her. Das Zielpublikum ist Mitte Zwanzig, 20 bis 30 Prozent sind weiblich, überdurchschnittlich gebildet und vermögend. Welche Chancen erben sich hier für Tourismusorganisationen und Destinationen?

Mega-Events generieren über 20'000 Übernachtungen

Bestehende Events können durch kleinteilige eSport-Konzepte sinnvoll erweitert werden, neue Zielgruppen werden erschlossen und Events diversifiziert. Mittelgrosse eSport-Events, bspw. LAN-Events, ziehen in der Schweiz mehr als 1'337 Teilnehmer an. Solche Events sind für viele Tourismusregionen logistisch stemmbar. In der Spitze reden wir von Mega-Events. Nach Angaben der ESL hat das Dota2-Turnier in der Commerzbank-Arena in Frankfurt mehr als 20'000 Übernachtungen generiert. Das Intel Extreme Masters in Katowice lockte 173'000 Besucher in die Region und generierte etwa 22 Millionen Euro an Werbewert.

Tourismusorganisationen könnten sich über die einflussreichen eSPort-Influencern in Szene setzen: Die eSport-Influencer sind Stars ihrer Zielgruppe. Mehrere Millionen Follower auf den Social-Media-Kanälen machen sie zu idealen Verkäufern und Markenbotschaftern.

Der eSport kann zudem neue spannende und vor allem internationale Zielgruppen erschliessen, die Events leben vom Publikum und der Stimmung. Viele Faktoren sind von der Destination nicht massgeblich abhängig, weshalb es schwierig ist, einen Place-to-go Status zu erreichen. Die bisherigen eSport-Events haben aber enorm viel Luft nach oben, wenn es um die Aktivierung des Publikums geht. Hier haben Destinationen, die ein passendes Rahmenprogramm anbieten, gute Chancen.

«Gamer Hotels» bergen viel Potenzial

Zudem kann Gaming eine enorme Aufwertung für die Hotelindustrie werden. Wer kennt es nicht, dass man abends auf einer Geschäftsreise alleine auf dem Zimmer sitzt und vom Tag geschlaucht ist. Sich dann nicht vor den Fernseher zu setzen, sondern sich mit den Freunden daheim per Internet zum gemeinsamen Game verabreden, ist beliebt. In Asien gibt es solche Hotels bereits.

Es gibt auch schon eine holländische Version: The Arcade Hotel in Amsterdam. Es ist das erste «Gamer Hotel» und stellt seinen Gästen nicht nur die Standard-Hotelausstattung bereit, sondern erweitert diese mit diversen Spielekonsolen. In verschiedenen «Motto-Räumen» bietet es alles, was das Gamer-Herz begehrt: In der Retro Lobby vier Retro-Konsolen und vier Retro-Fernseher, in der Comic Library einen «Einplatinencomputer» mit über 15.000 eingebauten Spielen, der wie ein münzbetriebenes Armaturenbrett aussieht und im Game-Room sechs Topmodelle der MSI Gaming-PCs, eine PS 3 und 4, eine Xbox 360 und Xbox one sowie ein Nintendo Switch. Ein gelungenes Beispiel, um Tourismus und Sport zu verbinden.

70 Prozent der jungen Schweizer sind Gamer

In der Schweiz hat das Thema allerdings noch lange nicht den Stellenwert. Viele Entscheider und Destinationen haben noch keinen Bezug zu den Communities, ihnen fehlt der Zugang zu Gaming und eSport. Dabei würden die neuen Sportarten gerade bei Familien punkten. Denn 70 Prozent der 11- bis 19-jährigen Schweizer spielen laut einer Studie regelmässig Computerspiele. Das sind 470'000 Gamer allein in der Schweiz.

Eine berechtigte Frage zum Schluss: Wann steigt Ihre Destination auf den Zug des digitalen Sports?