Tourismuswelt

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Hoher Besuch an der ITB-Eröffnungsgala (v.l.): Zurab Pololikashvili (Generalsekretär UNWTO); Michael Frenzel (Präsident Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft), Manuela Schwesig (Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommern), Angela Merkel (Deutsche Bundeskanzlerin), Christian Göke (Geschäftsführer Messe Berlin GmbH), Michael Müller (Bürgermeister von Berlin), Wolf-Dieter Wolf (VRP Messe Berlin GmbH) und Norbert Fiebig (Präsident DRV). Bild: ITB

Eine ITB im Zeichen von Nachhaltigkeit und Digitalisierung

Die mit Abstand grösste Tourismusmesse der Welt ist in Gang. Bereits im Vorfeld der offiziellen Eröffnung heute Mittwoch diskutierte Prominenz aus aller Welt über wichtige Tourismus-Themen, denen ein Grossteil der ITB gewidmet ist.

Es ist wieder die Zeit, in welcher der eigene Facebook-Feed überschwemmt wird von Meldungen, wonach sich Person X gerade nach Berlin begibt oder bereits dort ist und Currywurst isst oder das Hotel geniesst. Es ist ITB-Zeit. Die Internationale Tourismus-Börse Berlin, kurz ITB, ist das alljährliche Stelldichein der globalen Reisebranche, immer im März.

Die Zahlen sind eindrücklich: Über 10‘000 Aussteller sind dabei, verteilt auf fast 50 Hallen (wenn man die verschiedenen Stockwerke einzelner Hallen einzeln zählt) mit über 160‘000 Quadratmetern Fläche, und treffen allein an den Fachbesuchertagen von Mittwoch bis Freitag auf über 100‘000 Teilnehmende – und am Wochenende nochmals auf mehrere Zehntausend Privatbesucher. Insgesamt sind 186 Länder präsent - nicht dabei sind höchstens Kleinststaaten wie Tuvalu oder Grenada oder der Vatikan, oder in Krisen befindliche Länder wie der Syrien und Irak, dazu ein paar «schwierige» Ziele wie Nordkorea oder Nigeria. Doch es ist nicht übertrieben, wenn die Messe von sich selber sagt, dass sich hier die Welt treffe. Überraschend in diesem Jahr ist allerdings, dass nicht ein Land, sondern eine Region als offizielles Partnerland fungiert, und dann erst noch ein deutsches Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern.

Warum ist die ITB auch in ihrem 52. Jahr eine absolut unverzichtbare Messe? Zum einen gibt es natürlich kaum eine andere Veranstaltung, wo man in dermassen kurzer Zeit dermassen viele Branchenpartner aus der ganzen Welt treffen kann. Hier werden Netzwerke geschaffen, Geschäfte aufgegleist oder abgeschlossen, hier erfährt man alles von neuen Produkten bis zum letzten Branchen-Tratsch. Das Wichtigste jedoch ist, dass die ITB es geschafft hat, eine wichtige Plattform für die innovativen und zukunftsweisenden Trends der Reiseindustrie zu werden. Hier erfährt man das Neuste zu akuten Schwerpunkten wie Overtourism, revolutionäre Reiseformen und Digitalisierung, sowie natürlichen zu «kontinuierlichen Trendthemen» wie Luxus, Technologie und Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit ist ein Kernthema

Letzteres war Kern der Auftaktrede von Zurab Pololikashvili, dem neuen Generalsekretär der Welttourismusorganisation UNWTO. Er sagte anlässlich der Eröffnungsgala vor versammelter Tourismus- und Politikprominenz, dass die Tourismusbranche «in der Entwicklung nachhaltiger wirtschaftlicher Modelle führend sein kann und muss». Pololikashvili erinnerte daran, dass globale international Touristenzahlen um 7 Prozent wuchsen, und im letzten Jahr insgesamt 1,3 Milliarden Personen eine Auslandreise unternahmen. Dieses Wachstum wolle man weiter fördern, es sei aber wichtig, «besser zu wachsen». Dazu müsse auch grenzübergreifend kooperiert werden.

Und wenn dies der Fall ist, ist die Politik nicht weit. Umso bemerkenswerter, dass die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ebenfalls präsent war. Sie erklärte: «Tourismus ist ein Beispielfall für die Chancen, welche die Globalisierung bietet. Tourismus bringt die Menschen zusammen und legt ein Fundament für Wachstum.» In Bezug auf Nachhaltigkeit erinnerte die Kanzlerin daran, dass Deutschland den Zielen der «Agenda 2030» - ein UNO-Programm für nachhaltige Entwicklung – verpflichtet sei, und sich damit auch stark für nachhaltigen Tourismus engagieren werde. Die ITB selber ging übrigens mit gutem Beispiel voran: Erstmals seit Bestehen der ITB Berlin wird die Messe dieses Jahr gänzlich CO2-neutral gestaltet.

Aktuelles Expertenwissen aus erster Hand

Als wichtiger Impulsgeber und Think Tank der globalen Reiseindustrie widmet sich der ITB Berlin Kongress in mehreren Sessions unter anderem den Schwerpunktthemen Overtourism, revolutionäre Verkehrsmittel für Privat- und Geschäftsreisende sowie den Herausforderungen und Potenzialen Künstlicher Intelligenz für die Reisebranche.

Auf dem ITB Marketing & Distribution Day (Donnerstag, 8. März) diskutieren hochkarätige Vertreter der internationalen Tourismusindustrie Zukunftstrends wie Sharing Economy und Big Data. In der Keynote «Die Evolution von Airbnb und wie sich globales Reisen verändert», wird Nathan Blecharczyk (Mitgründer & Chief Strategy Officer von Airbnb) aktuelle Neuigkeiten zu den Entwicklungen bei Airbnb verkünden und einen Einblick in den sich wandelnden Reisemarkt geben. Mit dem Thema Overtourism, welches eigentlich auch ein Nachhaltigkeits-Thema ist, befasst sich auch der ITB Destination Day 1 am heutigen Mittwoch, 7. März. Ebenso ein Kernthema werden Luxusreisen sein, da sich das allgemeine Verständnis zu diesem Reisesegment verändert hat. Zum gigantischen ITB-Programm gehören weiter die erstmals durchgeführte «ITB MICE Night», aber auch Präsentationen und Vorträge zum wichtigen Thema Medizintourismus, zu Ausbildungsthemen, zu Start-Ups und zu Sonderthemen wie LGBTQ-Reisen oder Abenteuerreisen.

Zunehmend im Fokus sind natürlich auch die Travel-Technology-Hallen und die «eTravel World». Diverse Aussteller haben dort ihre Flächen vergrössert, was die wachsende Wichtigkeit des Segments IT/Digital in der Tourismusbranche unterstreicht.

(JCR)