Tourismuswelt

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Landschaften in TV-Serien bilden ein wunderbares Marketingtool, das noch wenig aktiv ausgeschöpft wird. Bild: Fotolia

Liegt die Zukunft der Tourismusvermarktung in TV-Serien?

Nicht selten wird die Feriendestination anhand dessen gewählt, was am TV geschaut wird. Die «Set-Jetter» sind nicht nur ein wachsendes Reisesegment, sie könnten gar die Destinationsvermarktung nachhaltig verändern.

Bestimmt haben Sie das auch schon in Reiseveranstalter-Katalogen gesehen: Ausflüge nach «Hobbiton», dem Drehort für das Auenland aus der Filmtrilogie «Herr der Ringe». Oder geführte Bustouren zu Filmsets in Los Angeles, Chicago, New York oder anderen Städten. Es gibt zahllose andere Beispiele, die belegen, dass Reisende gerne Orte besuchen, welche sie vom TV her bereits kennen.

War das Phänomen früher eher auf Kinofilme beschränkt, hat sich seit einigen Jahren, mit dem Aufkommen der Serien und der sich verändernden Sehgewohnheiten infolge Netflix und weiterer Privatanbieter, der Einfluss des TVs auf Reiseentscheidungen noch verstärkt. Laut einer Tripadvisor-Studie hat gar einer von fünf Reisenden weltweit einen bestimmten Ort aufgesucht, weil er oder sie diesen am Fernsehen entdeckt hatte - manchmal über Reisesendungen, meist aber in Serien. Die Zeitschrift «Vogue» spricht von einem «Goldenen TV-Zeitalter» - was auch entsprechenden Einfluss auf die Reisebranche hat.

So hat beispielsweise Visit Scotland festgehalten, dass früher viele Touristen angaben, wegen Filmen wie «Braveheart» oder «Harry Potter» nach Schottland gereist zu sein - heute werde meist die Serie «Outlander» genannt. Island, welches seine Touristenzahlen zwischen 2010 und 2018 fast vervierfacht hat, profitiert zumindest teilweise von der HBO-Erfolgsserie «Game of Thrones» - welche übrigens auch anderen Drehorten wie Nordirland oder Dubrovnik zu viel Aufmerksamkeit und somit mehr Touristen verholfen hat. Es gibt diverse weitere Beispiele.

Aktive Vermarktung in Serien?

Vermehrt versuchen nun Destinationsvermarktungs-Organisationen, von diesem Trend zu profitieren. Natürlich ist es schwierig oder extrem kostspielig, den Produzenten in Los Angeles oder London Serien vorzuschlagen - schliesslich geht es primär um spannende Inhalte und nicht um Landschaften oder Städte. Diese entfalten Wirkung, wenn sie wesentlich zum Stimmungsbild beitragen - und vielleicht auch parallel vermarktet werden. Visit Berlin zum Beispiel hat das Potenzial erkannt und zu den Produktionskosten der Netflix-Serie «Babylon Berlin» beigetragen. Dadurch erhofft man sich in Berlin zahlreiche neue Besucher.

Und die Schweiz? Diese profitiert vor allem davon, eine beliebte Filmlocation für Bollywood-Filme zu sein, was entsprechend viele indische Gäste anzieht. Wäre toll, wenn die Schweiz mal auch in anderen Erfolgsserien eine Rolle spielt. Zumindest in Kinofilmen hat es schon zur Kulisse gereicht, auch wenn beispielsweise die Szenen in Zürich im Film «The Bourne Identity» gar nicht in Zürich, sondern in Prag gedreht wurden, offenbar aus Kostengründen... Zürich Tourismus hat zwar ein «Film Office», aber recht bescheidene Mittel.

Wer keinen direkten Draht in die Produktionszentren von HBO, Netflix und Konsorten hat, kann also eigentlich nur hoffen, dass die eigene Destination in einer Erfolgsserie eine eigene Rolle spielt, und davon indirekt profitieren. Oder aber man folgt dem Beispiel von Visit Berlin und geht die ganze Sache proaktiv an. Der Impact bei Besucherzahlen, sofern es klappt, scheint jedenfalls mindestens genau so gross zu sein wie jener des Mikro-Marketing in Dutzenden Messen weltweit.

(JCR)