Tourismuswelt

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Das VanVan fungiert aktuell auf Rang 3 von 790 bei TripAdvisor. Bild: Daniel Gerber.

Schweizer Restaurant gehört zu Havannas Top-Adressen

Von Daniel Gerber

Am 18. Dezember hat das Restaurant VanVan in Havanna sein einjähriges Bestehen gefeiert. Innert eines Jahres hat sich das Lokal dank kubanischem Essen und schweizerischer Perfektion zu einer der besten Adressen in Kubas Hauptstadt gemausert.

Bereits seit 20 Jahren lebt der Entlebucher Kurt Bieri gemeinsam mit seiner kubanischen Partnerin Yoanis Linares in Havanna. Dank der wirtschaftlichen Reformen können Einheimische seit dem Jahr 2011 privat Immobilien erwerben. Die ehemalige Fussball-Nationalspielerin Linares nutzte die Gunst der Stunde und kaufte ein Restaurant in der Altstadt von Havanna.

An bester Lage, nur wenige hundert Meter vom Präsidenten-Palast entfernt, trägt das Lokal heute den Namen «VanVan». Dies zu Ehren von «Los Van Van», einer 1969 gegründeten Musikformation, die alles, was Salsa und kubanische Musik ausmacht, in Perfektion vereint. Dem Band-Gründer, Juan Formell, ist dann auch einer der vier Restaurant-Räume gewidmet. Bieri und Linares haben das «VanVan» innert einem Jahr zu beachtlichem Erfolg geführt: Auf TripAdvisor wird das Restaurant aktuell auf Rang 3 von 790 gelistet.

Spitzenkoch Fabian Fuchs und Hauseigentümerin Yoanis Linares kontrollieren die Speisen.

Unterstützung von Schweizer Spitzenkoch

Das schweizerisch-kubanische Ehepaar erhält in Sachen «VanVan» prominente Unterstützung: Auf einem Heimurlaub im Entlebuch tafelte Kurt Bieri vor Jahren im Restaurant «Krone» in Blatten. Dort wirkte der von Gault-Millau mit 16 Punkten bedachte Fabian Fuchs. Vor drei Jahren tauschte der begnadete Koch den Druck von Punkten, Sternen und Gabeln gegen mehr Freiheit und Lebensfreude ein: Er ging auf grosse Reise.

Als er in Kuba Station machte, trafen sich die beiden Entlebucher wieder. Sie beschlossen, schweizerische Kochtugenden mit kubanischen Lebensmitteln zu paaren. Im «VanVan» berät, unterstützt und kontrolliert Fuchs die Küchencrew. Aber es sind keine extravaganten Kombinationen der teuersten Lebensmittel, die die Gäste verzücken, sondern perfekt zubereitete und angerichtete kubanische Spezialitäten zu moderaten Preisen.

Bieri setzt auf den Kolonialstil.

Teigwaren? Müssen von Barilla sein!

Linares, Bieri und Fuchs setzen auf einheimische Produkte. Nur eine Ausnahme machen sie: Die Teigwaren müssen von Barilla sein. Um alle Lebensmittel und benötigten Küchenutensilien zu besorgen, ist täglich ein Mitarbeiter während acht bis neun Stunden unterwegs. Von gesuchten vierzig Produkten findet sich jeweils gut die Hälfte. Das erfordert Flexibilität bei der Zusammenstellung der sechs Tagesmenus und Vorspeisen, die dem Gast auf einer Schiefertafel vorgeschlagen werden.

Fingerspitzengefühl braucht Bieri für seine Küchenmannschaft: Begeisterungsfähig, fröhlich und stolz seien seine zwanzig kubanischen Mitarbeiter, aber sie bräuchten auch viel Kontrolle, weil der Hang zur berühmten Schweizer Perfektion nicht sehr ausgeprägt sei. Mit einem väterlichen Schmunzeln meint der Patron: «Die Mitarbeiter brauchen viel Lob, sie müssen dich gern haben, um gute Leistungen zu erzielen» und fügt an, dass seine Partnerin viel strenger sei.

Auch die Helden der Revolution werden im VanVan gewürdigt.

Die schönste Toilette von Kuba

Mit dem vor einem Jahr eröffneten «VanVan» hat sich das Paar einen Traum erfüllt. In einem zweiten Haus, das in Sichtweite vom neuen Kempinski Hotel liegt, hat Bieri ausserdem einige Gästezimmer im Kolonialstil eingerichtet. Vom Frühstückszimmer im ersten Stock der «Casa Cuba» oder von der darüberliegenden Terrasse bietet sich ein herrlicher Blick hinunter ins kubanische Leben.

Kubanisches Lebensgefühl vermitteln die Gästezimmer.

Fünf Familienmitglieder sind mittlerweile in die Unternehmungen eingebunden. Bieri ist glücklich, wie viel der Familienbetrieb innert kürzester Zeit erreichen konnte. Wenn der ehemalige Autospengler und spätere Versicherungsfachmann interessierte Gäste durch sein kleines Paradies führt, dann strahlen seine Augen. Mit eindrücklicher Liebe zum Detail hat er die verschiedenen Räume des Restaurants gestaltet. «Wir wollen Kuba verkörpern, arbeiten mit dem, was es hat. Und es hat nun mal nicht alles, darum muss man improvisieren und aus dem, was es hat, etwas Gutes erschaffen! », erklärt der Schweizer.

Manch gestandener Innenarchitekt würde im «VanVan» nachahmungswürdige Einrichtungsideen finden. Dass Bieri besonders stolz darauf verweist, dass das Lokal über die schönsten Toiletten von Kuba verfüge, lässt schmunzeln, zumal auf dem Klo die Klobrille fehlt. Aber gerade das ist authentisches Kuba!

Die Klobrille fehlt, aber trotzdem ist Bieri stolz auf «das schönste WC Kubas».

Und so sieht es aus, wenn im «VanVan» gefeiert wird: