Tourismuswelt

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Sunday Press Easyjet baut in Zürich aus

Die britische Airline profitiert vom Ende der Air Berlin. Dazu kommen bald selbstfahrende Taxis in die Schweiz, Skiferien in der Schweiz sind wieder konkurrenzfähig und der Konsumentenschutz wird vielleicht abgeschafft. Dies und mehr aus den aktuellen Sonntagstiteln der Schweiz.

Zum Jahresende hin dreht sich in den grossen Sonntagstitel vieles um die bevorstehende Weihnachtssaison, welche vor wenigen Tagen mit dem seit etwa zwei Jahren auch in der Schweiz existierenden «Black Friday» losgetreten wurde. Auch zwei Beilagen sind Weihnachten gewidmet. Obwohl Reisen gewiss beliebte Weihnachtsgeschenke sind, gibt es aber relativ wenige Reisethemen – der bevorstehende Eintritt des Versandhändlers Amazon in die Schweiz (in Zusammenarbeit mit der Post) schlägt da schon höhere Wellen. Dadurch kann man künftig Reisebücher und Reise-Utensilien einfacher und schneller und billiger bestellen, aber Reisen selber natürlich nicht.

Wie dem auch sei, wir haben das Wichtigste aus der Reisewelt wie jeden Sonntag zusammengetragen.

Easyjet baut in Zürich aus

Der Untergang von Air Berlin wirft weiterhin hohe Wellen. Innerdeutsch ist das Kartellamt gegen Lufthansa aktiv, derweil Easyjet etwas im Schatten davon ihr Europanetz massiv ausbaut. Dass Easyjet in Berlin aktiv wird, war bereits bekannt. Doch die NZZ am Sonntag weiss, dass Easyjet in diesem Zusammenhang auch konkret prüft, ihr Engagement in bzw. ab Zürich deutlich auszubauen. Ist Easyjet in Genf und Basel schon lange klar die Nummer 1, ist sie in Zürich noch ein vergleichsweise kleiner Fisch, mit nur einer Handvoll angeflogenen Destinationen. Nach Berlin etwa wird von Zürich aus nur ein- bis zweimal täglich, und zwar zum Flughafen Schönefeld, geflogen. Schon ab Januar könnte Easyjet aber insgesamt sechs Flüge pro Tag anbieten, was von der Slot Coordination Switzerland bestätigt wird: Easyjet habe kürzlich je vier neue Start- und Landeslots beantragt und erhalten. Im Grossen und Ganzen handelt es sich um die gleichen Zeitfenster, die Air Berlin nutzte.

Easyjet hält sich zu den Ausbauplänen in Zürich bedeckt. Ob die Briten tatsächlich im Januar den Kampf um die Strecke Zürich–Berlin aufnehmen, hängt auch von Entscheiden in Brüssel ab. Die Low-Cost-Gesellschaft verhandelt (wie auch Lufthansa) noch immer mit der Europäischen Wettbewerbskommission über die Bedingungen zur Übernahme von Teilen von Air Berlin. Insgesamt wollen sie für rund 40 Mio. Euro Betriebsanteile ­kaufen. 25 Flugzeuge, rund 1000 ehemalige Air-Berlin-Angestellte sowie eine gute Zahl an Slots am Flughafen Berlin Tegel beinhaltet das Paket. Die Verhandlungen sollen Ende Jahr abgeschlossen sein.

Kurven in fünf Jahren selbstfahrende Taxis durch Zürich?

«Die Zukunft ist näher, als viele glauben», weiss der SonntagsBlick. Denn der Fahrdienst Uber hat letzte Woche mit dem Autobauer Volvo einen Vertrag abgeschlossen, demzufolge Volvo bis 2021 rund 24‘000 selbstfahrende Autos an Uber liefert. Diese basieren auf dem Volvo-Modell XC90 und sind selbstfahrend der Stufe 4, d.h. das Fahrzeug kann auf definierten Strecken das Fahren komplett übernehmen. Uber – in der Schweiz in Zürich, Basel, Genf und Lausanne präsent – geht davon aus, dass in rund fünf Jahren selbstfahrende Taxis in der Schweiz unterwegs sein werden. Zwar fehlen die Gesetzgebungen noch, welche unbemannte Autofahrten legal machen, doch bei Volvo und Uber ist man überzeugt, dass diese kommen werden. Das selbstfahrende Auto ist für den Weltmarkt – also auch für die Schweiz – ausgelegt. Uber gibt vor allem in Märkten wie dem unseren Gas, weil hier die in den USA starken Konkurrenten Lift oder Waymo noch gar nicht präsent sind.

Doch noch ein Trump-Effekt im US-Reisegeschäft?

Laut Zentralschweiz am Sonntag mache er sich offenbar doch noch bemerkbar: der so genannte «Trump-Effekt». Dies führt die Zeitung auf Aussagen von Hotelplan-Suisse-CEO Kurt Eberhard zurück, welcher bei Hotelplan Suisse „ein deutlich nachlassendes Interesse an Reisen in die USA“ feststelle. Dies, obwohl man eigentlich 2017 weiter zugelegt habe. Der abrupte Stimmungswandel im USA-Geschäft wird auch von anderen Reiseveranstaltern konstatiert. Ob allerdings der Trump-Effekt allein dafür verantwortlich ist, bleibt umstritten.

Skiferien: In der Schweiz oft billiger als in Österreich

Die Schweiz ist wieder im Rennen. Sieht es die SonntagsZeitung, zumindest in Bezug auf die Preise von Skiferien im eigenen Land. Hat Österreich dank gutem Image und tiefem Euro in den letzten Jahren bei Übernachtungen von Schweizern stets zugelegt, wird dieses Jahr eine Wende erwartet: «Diesen Winter können wir preislich mit den Österreichern mithalten», sagt Hotelleriesuisse-Präsident Andreas Züllig. Mehrere Faktoren spielen zusammen: Der stärkere Euro, der die Kaufkraft der Schweizer in der Eurozone schwächt - er allein verteuert die Ferien im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 6 Prozent. Hinzu kommt, dass die Österreicher - weitgehend unbemerkt - über die letzten Jahre die Preise erhöht haben. Die Aufschläge für den Gast zeigen sich in der Statistik: Die Hotel- und Restaurantpreise stiegen zwischen 2010 und 2016 um 20 Prozent, wie der Verbraucherpreisindex zeigt. Anders verlief die Preisentwicklung in der Schweiz: In der Beherbergung stagnierten die Preise weitgehend, in den vergangenen zwei Jahren gingen sie laut Bundesamt für Statistik gar um 1,9 beziehungsweise 2,3 Prozent zurück. Im Index schlagen sich günstige Paketangebote und Preissenkungen nieder, mit denen die Hotellerie die Rückgänge bei den Buchungen aus dem Euroraum zu kompensieren versuchte. Züllig ist froh über die wiedergewonnene Konkurrenzfähigkeit der Branche, sagt aber auch, die Preisspirale müsse nun ein Ende finden, da zu viele Investitionen aufgeschoben wurden. «Mittelfristig brauchen wir wieder mehr Mut, die Preise müssen wieder steigen.»

Auch die Schweizer Bergbahnen können bei den Skiticketpreisen mithalten. Einzig in der Gastronomie bleiben Unterschiede bestehen: Der Kaffee für 5 Franken in der Schweizer Skihütte, der günstige Kaiserschmarrn im Vorarlberg, diese bleiben den Gästen in Erinnerung. Insofern will man sich auch bei Schweiz Tourismus noch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Schweiz Tourismus erwartet basierend auf Prognosen der Konjunkturforschungsstelle der ETH-Zürich ein Logiernächteplus von 3,7 Prozent für diesen Winter. Bei den Schweizern erhofft sich die Marketingorganisation ein Plus von 2,8 Prozent. Hoffnungsvolle Anzeichen gibt es auch bei Hotelplan Suisse, die mit den Marken Hotelplan und Migros Ferien Pakete inklusive Skipauschalen anbietet. Gegenüber dem Vorjahr liegen die Buchungen für Skiferien in der Schweiz rund 20 Prozent im Plus. Die Buchungen für Österreich hingegen sind knapp zweistellig unter Vorjahr.

Als ob man diesem Artikel noch Nachdruck verleihen wolle, wird weiter hinten noch ein weiterer Artikel zu den attraktiven Preisen der Schweizer Wintersportorte mit dem vielsagenden Titel «Schneien Sie doch mal herein» nachgetragen. Darin werden etwa Top-Angebote aus Zermatt, Splügen, Reusch, Engelberg, Schönried oder Mürren präsentiert.

Derweil macht die Zentralschweiz am Sonntag in einem eigenen Artikel auf etwas andere und mehr regional geprägte Art Lust auf Skiferien: Sie präsentiert diverse Bergbahnen der Zentralschweiz. Dort gibt es nämlich eine ganze Reihe von aussergewöhnlichen Bergbahnen, sogar weltweit einzigartige. Etwa die neue Stoosbahn, welche demnächst ihren Betrieb aufnimmt und dann die steilste Standseilbahn der Welt sein wird. Das 52-Millionen-Franken-Projekt verbindet das Bergdorf Stoos mit Ried (Muotathal).

Konsumentenschutz vor dem Aus?

Die Finanzkommission des Nationalrats schlägt laut SonntagsBlick vor, die Aufwendungen für den Konsumentenschutz zu halbieren. Mittelfristig soll das «Büro für Konsumentenfragen» gar ganz abgeschafft werden. Noch ist der Vorschlag nicht durch, und die Stiftung für Konsumentenschutz und das Konsumentenforum wehren sich heftig gegen die Budgetkürzungen. Auf Seite der Befürworter der Budgetkürzung sagt etwa Hans Bigler, Direktor Gewerbeverband und Mitglied der Finanzkommission: «Der mündige Konsument kann sich heute sehr gut übers Internet informieren.» Zur Erinnerung: Auch in der Reisebranche kommt es immer wieder zu Diskussionen mit der Stiftung für Konsumentenschutz – in der Vergangenheit monierte Geschäftsführerin Sara Stalder etwa immer wieder, dass die Preise der Schweizer Reiseveranstalter gegenüber jenen aus dem Ausland zu hoch seien.

Singapur und das fliegende Hotelzimmer

Die SonntagsZeitung bietet ein grosses Interview mit Ranjan Jha, dem Chef von Singapore Airlines Schweiz. Darin geht es natürlich primär um das spektakuläre neue Premium-Angebot der Fluggesellschaft, doch auch um Jhas Liebe zur Schweiz und dessen Sehnsucht nach Schnee.

Zu erfahren ist unter anderem, dass das neue Kabineninterieur schon bald auch ab der Schweiz verfügbar sein wird: In den fünf neuen A-380-Flugzeugen, die bald ausgeliefert werden, sind die neuen Suiten bereits vorhanden - eines davon wird ab Sommer 2018 auch Zürich bedienen; die anderen vierzehn A 380 werden kontinuierlich nachgerüstet.

Naturschutz: Mexiko geht mit gutem Beispiel voran

In der NZZ am Sonntag ist zu lesen, dass die mexikanische Regierung ein 148‘087 Quadratkilometer grosses Meeresschutzgebiet südwestlich der Baja California geschaffen hat. Dazu gehört unter anderem der Revillagigedo-Archipel, welcher oft als «Galapagos von Nordamerika» bezeichnet wird. Das im Juli 2016 zum Unesco-Weltnaturerbe deklarierte Gebiet erhält durch das Dekret, dass weder Rohstoffe in der Region gefördert noch Hotels auf dortigen Inseln gebaut werden dürfen. Das ist zumindest aus ökologischer Sicht sehr erfreulich.

So wird Weihnachten im Ausland gefeiert

In der «Weihnachten»-Beilage des SonntagsBlick gibt es einen unterhaltsamen Blick auf die Weihnachtsfeier-Traditionen in anderen Ländern. Da erfährt man, dass in Grossbritannien zur Weihnachtszeit traditionell Gruselgeschichten gelesen werden, dass es in den Niederlanden sowohl am Nikolaustag als auch an Weihnachten Geschenke gibt, dass das überhaupt nicht christliche Japan Weihnachten nur dank dem Geburtstag von Kaiser Akihito (am 23. Dezember) und einer Aktion von Kentucky Fried Chicken überhaupt feiert, dass es in den USA am 25. Dezember Top-Basketballspiele gibt oder dass Länder wie Brasilien trotz dem tropischen Wetter gerne europäische Traditionen übernehmen und so (künstliche) schneebedeckte Tannenbäume an den Stränden für seltsame Ansichten sorgen.

Queso, Arroz y pulpo: So wird in Sevilla Advent gefeiert

Natürlich fehlt auch in der NZZ am Sonntag das Thema «Weihnachten» nicht. Unter anderem wird beleuchtet, wie die Adventszeit in Sevilla (Andalusien, Spanien) kulinarisch begangen wird. Kurz: Eine lange Folge festlicher Gelage.

Es beginne ganz harmlos mit ein paar Tapas: Käse aus der Mancha in Olivenöl, Kartoffelsalat mit Thunfisch, Tintenfisch mit Paprika und Aubergine. Dann folgt Arroz Caldoso, Reis in Brühe mit Hummer. Spätestens zu diesem Zeitpunkt – der Fleischgang ist noch nicht serviert, das Dessert nur eine Ahnung – wird klar, dass die Adventszeit in Sevilla nicht als Fastenzeit interpretiert wird. Vielmehr entlädt sich die Vorfreude aufs Fest in einer intensiven Folge von Weihnachtsessen mit der Familie, mit Freunden und Kollegen. Strömen die Menschen anderswo in die Innenstädte, um Geschenke zu kaufen, drängen sie hier in die Altstadt, um essen zu gehen.

Die NZZ am Sonntag liefert einerseits viele andalusische Rezepte zum Artikel mit, andererseits aber auch einen guten Tipp: So sei in der Vorweihnachtszeit der Alcázar, bis heute offizielle Residenz der spanischen Königsfamilie, nur wenig besucht. Im Jahr flaniert rund eine Million Menschen durch die Gemächer; an den kurzen Tagen des Dezembers seien es nur einige ­Dutzend. Dafür sei der Palast, in dem Christoph Columbus ein Büro für die Planung seiner zweiten Amerikareise besass, mit blühenden Christsternen geschmückt.

(JCR)