Tourismuswelt

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«Wir verzeichnen eine deutliche Zunahme von Unfällen mit Motorrädern oder Rollern», blickt Angelo Eggli, CEO Allianz Global Assistance Schweiz, auf das Schadensjahr zurück. Bild: TN

«Wir haben deutlich mehr Schadenfälle mit älteren Reisenden»

Angelo Eggli, CEO der Allianz Global Assistance in der Schweiz, stellt viel Selbstüberschätzung bei Reisenden fest - und daraus entstehen mehr Schadenleistungskosten für den Versicherer.

Am vergangenen Dienstag (12.09.) präsentierte Angelo Eggli, CEO der Allianz Global Assistance in der Schweiz, vor den Medien die Studie der Allianz zum «Buchungs- und Reiseverhalten der Schweizer Bevölkerung». Die Resultate der Studie lassen sich übrigens auch unter diesem Link ansehen. Travelnews.ch hat im Anschluss an die Präsentation noch etwas nachgehakt.

Herr Eggli, was lässt sich zu den touristischen Schadenfällen im letzten Jahr sagen?

Wir führten im letzten Jahr 233 Repatriierungen durch, also Rückführungen von verletzten oder kranken Touristen aus dem Ausland heim in die Schweiz. Diese Zahl hat zwar insgesamt abgenommen. Was jedoch auffällt: Sehr viele dieser Fälle betreffen Personen in höherem Alter. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Ferien-Mobilität bei älteren Semestern zunimmt.

Woher wurde repatriiert?

Drei Viertel der Rückflüge erfolgten aus europäischen Ländern, am häufigsten aus Italien und den Balkanländern, der Rest aus Ferndestinationen. Zwar sind Italien oder Kroatien nicht die Länder mit der allergrössten Nachfrage aus der Schweiz, aber dort reisen viele Touristen selber mit dem Auto hin. Leider sind viele der Schadenfälle eben Unfälle mit dem Auto oder auch mit dem Motorrad.

Sind Schweizer Reisende in den Ferien unvorsichtiger als zuhause?

Das scheint leider so zu sein. Wir verzeichnen eine deutliche Zunahme von Unfällen mit Motorrädern oder Rollern und stellen dabei fest, dass es oftmals an mangelnder Übung liegt: Die Touristen besitzen in der Schweiz gar keinen Roller, wollen das aber in den Ferien mal ausprobieren. Leider haben auch viele das Gefühl, es brauche in wärmeren Ländern keinen Helm oder man könne in Flipflops fahren. 

Aber die Zunahme der Schadenfälle von älteren Reisenden und von Motorradunfällen korrelieren nicht.

Das stimmt. Aber auch viele Senioren haben einen gewissen Hang zur Selbstüberschätzung. Wir haben schon 87-jährige Frauen aus dem Himalaya repatriieren müssen, oder es gab Knochenbrüche bei Velounfällen in Vietnam. Es ist schön, dass auch ältere Menschen noch solche Reisen unternehmen können - es braucht dann aber auch eine adäquate Vorbereitung, wenn man nicht mehr der oder die Jüngste ist.

Was sind sonst übliche Schadenfälle?

Es gibt sehr viele Bagatellunfälle. Sie glauben gar nicht, wie oft wir mit Personen konfrontiert sind, welche wegen der Klimaanlage im Zimmer eine Mittelohrenentzündung einfangen. 

«Bei den Versicherungsprodukten ist eine Preisanpassung eigentlich überfällig»

Welche Rückschlüsse ziehen Sie, aus Sicht des Versicherers, aus der von Ihnen präsentierten Studie?

Aufgrund der generellen Zunahme an Reisenden, darunter auch der älteren Reisenden, und wegen einer erhöhten Risikobereitschaft in den Ferien müssen wir zunehmend höhere Schadenleistungen erbringen. Das hat natürlich einen Einfluss auf unser Pricing. Es ist zwar noch nichts konkret definiert, aber in der Tendenz wird es darauf hinauslaufen, dass eine längst fällige Preisanpassung der Versicherungsprodukte nach oben erfolgt. 

Welche Empfehlungen haben Sie denn an Reisende?

Wesentlich ist die gute Vorbereitung: Man muss sich informieren, man muss planen, sich auf das Reiseland einstellen, für Eventualitäten vorbereitet sein. Natürlich ist es auch gut, wenn man physisch gut vorbereitet ist, besonders wenn man anstrengende Aktivitäten unternehmen will. Man darf sich nicht überschätzen! Und natürlich ist es wichtig, eine Reiseversicherung abzuschliessen.

(JCR)