Tourismuswelt

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Sunday Press «Ohne Zeitungen verliert die Swiss ein Qualitätsmerkmal»

Tyler Brûle kritisiert die Swiss. – Ein Schweizer Hotelier trotzt dem Monster-Sturm in Miami. – Wegen möglichem Gletscherabbruch wurden 220 Menschen in Saas-Grund evakuiert.

In allen Schweizer Sonntagszeitungen prägen der drohende Gletscherabbruch im Wallis und der Monster-Sturm Irma vor Florida die heutigen Ausgaben. Im Walliser Dorf Saas-Grund sind am späteren Samstagnachmittag 220 Personen aus ihren Häusern evakuiert worden. Weil am Triftgletscher ein grösserer Abbruch droht, ordneten die Behörden an, die Bewohner des darunterliegenden Ortsteils in Sicherheit zu bringen. Sie hatten bis 17 Uhr Zeit, Kleider für die kommenden drei Tage zu packen.

Der Gletscher steht seit drei Jahren unter Beobachtung, an seiner Zunge wurden in den letzten Tagen stärkere Bewegungen registriert. Eine Eislawine könnte laut Prognose vom Samstag in den nächsten Stunden niedergehen. Die Evakuierung soll vorerst für 48 bis 72 Stunden gelten. Mehrere Gebiete in der Region des Gletschers wurden gesperrt; Fusswege und ein Teil der Kantonsstrasse in Saas-Grund wurden geschlossen. Zudem stellte die örtliche Bergbahn ihren Betrieb ein.

Update, 9.30 Uhr: Zwei Drittel des Gletschers sind in der Nacht auf Sonntag abgebrochen, trafen aber keine Siedlungen. Die Bewohner können in ihr Dorf zurückkehren.

Im Kampf gegen die verheerenden Auswirkungen von Bergstürzen und Murgängen wollen die SBB in Zukunft stärker auf Luftaufnahmen von Drohnen setzen, schreibt die «NZZ am Sonntag». Der Bund hat den SBB eine Bewilligung für den «Betrieb unbemannter Luftfahrzeuge unter einem Kilogramm ausserhalb des direkten Augenkontaktes über unbewohntem Gebiet» erteilt, was bisher noch nicht toleriert wurde. Die Bewilligung gilt für den gesamten Luftraum der Schweiz und ist für ein Jahr gültig, heisst es seitens des BAZL (Bundesamt für Zivilluftfahrt). Neben dem Beobachten von Murgängen könnten die Drohnen auch für andere Zwecke zum Einsatz kommen, etwa um SBB-Liegenschaften und Bahn-Bauwerke zu überprüfen.

Schweizer Behörden könnten laut einer Meldung der «Ostschweiz am Sonntag» und «Zentralschweiz am Sonntag» die Satellitendaten des EU-Programms Copernicus noch viel mehr nutzen. Gemäss einer Studie des Bundesamtes für Umwelt wäre es möglich, das Ausmass der Schäden bei Unwettern oder bei Naturkatastrophen rascher zu analysieren. Bei einem Ereignis wie dem Felssturz bei Bondo müssten die Behörden derzeit noch Flugzeuge für Fotoaufnahmen losschicken oder Satellitenbilder kaufen. Laut der Studie wäre es zudem möglich, dank Copernicus-Daten Gefahren wie drohende Bergstürze oder Gletscherabbrüche frühzeitig zu erkennen.

Alex Furrer: «Wir sind mitten im Geschehen»

Beim in Florida erwarteten Hurrikan Irma setzen die Sonntagsblätter auf Hintergrund und Einzelschicksale, angesichts der sich stündlich ändernden Entwicklung und unübersichtlichen Bedrohungslage. Der «Sonntagsblick» schreibt: Von der angeordneten Evakuierung mehrerer Küstenstädte sind auch ein Teil der 7000 in Florida registrierten Schweizer Staatsbürger betroffen. Die Zeitung hat etwa Schlagersängerin Marianne Cathomen ausgemacht. Sie hat ihr Hab und Gut in ihrem Haus auf Ana Maria Island im ersten Stock verstaut, das Heim mit Sandsäcken abgedeckt und ist mit Mann und Hündin Bonnie zu Freunden in eine Übergangswohnung gezogen, wo weitere zehn Leute erwartet werden.

Und Alex Furrer, der Hoteldirektor des Fünfsternehotels The Setai in Miami, sagt zum «Sonntagsblick»: «Wir sind mitten im Geschehen. In der Stadt werden die Fenster verbarrikadiert, sie wird evakuiert.» Er lasse sein Hotel jedoch nicht alleine. «Ich bleibe mit einem kleinen Team von vier bis fünf Leuten im Hotel.» Neben einem Ingenieur und einem Security darf auch ein Koch nicht fehlen: «Damit wir sicher was zu essen haben.» Kochen mit elektronischen Geräten werde jedoch kaum möglich sein. «Die Behörden haben angekündigt, dass während des Sturms nichts läuft. Es macht Sinn, die Menschen vorher zu evakuieren, weil es nachher zu einem grossen Chaos kommen würde.» Obwohl sein 118 Meter hohes Hotel mit den höchsten Sicherheitsstandards ausgestattet ist, bleiben die Angehörigen des Hoteliers nicht in Miami. «Die Familie habe ich ausgeflogen, Frau und Kinder sind sicher in New York.»

Die «Sonntagszeitung» wollte von Experte Reto Knutti vom Institut für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich wissen, was die Hurrikans mit dem Klimawandel zu tun haben und titelt: Gibt es mehr Hurrikane? Nein – Nehmen sie an Stärke zu? Definitiv! Wegen des Klimawandels erwärme sich das Wasser – mit grossen Folgen für die Regenmenge, wird Knutti zitiert. Es gebe kaum Hinweise, dass sich die Anzahl Hurrikane erhöhe. Aber es deute sich an, dass die stärksten Wirbelstürme noch stärker werden.

Tyler Brûlé: «Ein Fehltritt»

«Monocle»-Verleger Tyler Brûlé, der 2002 den Markenauftritt und das Design der Swiss kreiert hat, kritisiert in einer Gastkolumne in der «NZZ am Sonntag» die Schweizer Airline und die Abschaffung der Zeitungen an Bord. Die Swiss hielt es für modern, die Zeitungen an Bord durch Tablets zu ersetzen, stellt er fest. Dumm nur sei: «Der Trend geht genau in die andere Richtung, und die Swiss verliert ein Qualitätsmerkmal.»

Er schildert einen kürzlichen Flug mit der Swiss nach Neapel: «Natürlich erhielten die Passagiere nach wie vor eine Frey-Schokolade und in der Businessclass zudem Henniez und Erfrischungstücher. Doch dass keine Zeitungen da waren, kam mir vor wie ein Fehltritt der Airline und der Medien, ein kleiner zwar, aber einer mit Symbolcharakter. Schon seit geraumer Zeit versuchen Airlines weltweit, ihren Papierverbrauch zu senken, und ermutigen uns Passagiere dazu, Tablets mit an Bord zu bringen. Man erzählt uns, es gehe darum, Gewicht und somit Kerosinkosten einzusparen, doch in Tat und Wahrheit wiegt ein Tablet wesentlich mehr als die internationale Ausgabe der «New York Times».

Der wahre Grund liege eher darin, schreib Brûlé, dass die Finanzmenschen der Airlines sich besonders modern geben wollen. «Leider aber haben sie den Anschluss an ihre Kunden und den Markt verpasst – inzwischen gilt es als erwiesen, dass die Leserzahlen von E-Papers ihren Höhepunkt überschritten haben. In einer Zeit, in der Kurzstreckenflüge in Europa glanzlos sind, sollte es die Swiss nutzen, dass ihr Heimmarkt über eine hohe Kaufkraft verfügt und viele europäische Passagiere sich wieder würdevolles Reisen statt niveaulose Trips wünschen. Ausgerechnet jenen Kunden, die am tiefsten in die Tasche greifen, keine Qualitätsblätter mehr anzubieten, ist keine gute Idee.»

Michael Maeder: «Starke Nachfrage für Herbst»

Die Erholung des Schweizer Tourismus setzt sich im Herbst laut der «Sonntagszeitung» fort. So rechnet Switzerland Travel Centre (STC) aufgrund des aktuellen Buchungsstandes für die Monate September und Oktober mit einem Umsatzwachstum von rund 10 Prozent gegenüber dem Herbst des vergangenen Jahres. Stark sei die Nachfrage bei Schweizer Gästen sowie bei Reisenden aus China, Südkorea und Taiwan, sagt STC-Geschäftsführer Michael Maeder.  Der aktuelle Buchungsstand für den Herbst sehe gut aus, heisst es auch in Zermatt. Der Walliser Ferienort verzeichnet in diesem Jahr bei den Hotelübernachtungen ein Wachstum von 9 Prozent. Gleich hoch war der Zuwachs während der Sommersaison in St. Moritz und dem Engadin. Dort ist man deshalb zuversichtlich für den Herbst.

Auf den Reiseseiten schwimmt die «Sonntagszeitung» mit dem Trend mit, richtet den Fokus auf schöne Herbstwanderungen in der Schweiz und schildert sechs der schönsten und überraschendsten Routen: Eine Suonen-Wanderung im Wallis, rund um Moutier im Berner Jura, auf Locarnos Hausberg Cardada, auf die Zeinenfurggel im Glärnisch-Gebiet, ein Wanderung oberhalb des Berninapasses und eine auf die Alp Lauweli in Nidwalden.

Wen es eher nach Österreich lockt, sollte den Stil-Bund der heutigen «NZZ am Sonntag» lesen. Das Heft ist Österreich gewidmet – mit zahlreichen Beiträgen über Design, moderne Trachten, Food und Wein.

(GWA)