Tourismuswelt

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Sunday Press Türkei-Tourismus leidet unter Erdogan

Griechenland und Spanien profitieren von den massiven Einbrüchen. – Turkish Airlines ist «brutal geschwächt». – Die Minibar im Hotelzimmer hat ausgedient.

Vor allem Touristen aus Russland, der Schweiz und Frankreich verzichten auf Ferien in der Türkei. Dies zeigen die provisorischen Daten von Turkstat, auf die sich die «NZZ am Sonntag» bezieht. Demnach gingen die Einreisen von russischen Touristen um mehr als drei Viertel zurück (- 76%). Aus Frankreich kamen 34,5% weniger Touristen und aus der Schweiz gar 43,5%. Trotzdem vertraut die Welttourismusorganisation auf eine baldige Wende, da die Türkei nach den Worten von Generalsekretär Taleb Rifai «eine reife und konsolidierte Destination» sei.

Dieser Optimismus kontrastiert allerdings mit den aktuellen Zahlen der Schweizer Veranstalter. Bei Hotelplan liegen sie für die kommende Sommersaison 31% unter Vorjahr, bei Kuoni Schweiz gar um 60%. Bei Tui Suisse dagegen sind sie «nur leicht tiefer», schreibt die Zeitung, die in ihrer heutigen Ausgabe das 15-jährige Bestehen feiert.

Mit einem Anteil von 15% sind die deutschen Touristen die wichtigste Gästegruppe in der Türkei. Nach der Zuspitzung der innenpolitischen Lage und dem zunehmend diktatorischen Gebaren von Staatspräsident Erdogan meiden die Deutschen das Land am Bosporus. Um 58% tiefer lagen die Buchungen für die Sommersaison Ende Januar. Der Tourismus steuert 5% zum türkischen Bruttoinlandprodukt bei und ist damit doppelt so wichtig wie für die Volkswirtschaft der Schweiz.

Doch es bleiben nicht nur die Touristen weg, sondern auch fremdes Kapital. Die Direktinvestitionen haben sich in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres halbiert. Firmen ziehen sich gemäss «NZZ a/S» ganz oder teilweise aus dem Land zurück, wie der österreichische Erdöl- und Erdgaskonzern OMV, die Modekette C&A oder die Parfümeriekette Douglas. Und da es auch Gewinner gibt, titelt das Blatt «Erdogan befeuert griechischen Tourismus». Neben Griechenland zieht es die Schweizer Feriengäste dieses Jahr vor allem wieder nach Spanien mit den Evergreens Mallorca, Ibiza und den Kanaren.

Lufthansa, Swiss & Co. «freuen sich diebisch»

Mit den Folgen für die türkische Tourismusindustrie beschäftigt sich auch der «SonntagsBlick», verhaut sich dabei aber mit dem Titel: «Erdogan schiesst eigene Airline ab». Während sich die europäischen Politiker über das Verhalten des türkischen Präsidenten «die Haare raufen», gebe es eine Branche, die «sich diebisch freut», nämlich «Swiss & Co.». Solange in der Türkei Krise herrscht, werde Turkish Airlines, «das potenziell mächtigste Luftfahrunternehmen auf dem Kontinent», zurückgebunden.

Gegenüber den Golf-Airlines hat Istanbul, wo nächstes Jahr ein neuer Mega-Flughafen eröffnet werden soll, den Vorteil, dass die europäischen Destinationen mit Kurzstreckenmaschinen angeflogen werden können. Mit 117 Ländern fliegt Turkish mehr Destinationen an als jede andere Airline. Lange galt die Gesellschaft als Konkurrenz und grosse Herausforderung für Lufthansa oder Swiss. «Jetzt aber ist Turkish brutal geschwächt», schreibt der «SoBli». Operativ habe sie im letzten Jahr einen Verlust von 238 Millionen Franken eingeflogen. Der CEO wurde entlassen, die Flotte verkleinert.

Die Minibar, das Auslaufmodell

Das Ende der Minibar im Hotelzimmer sieht die „SonntagsZeitung“ in ihrem Reiseteil für gekommen. Die Tage der Minibars seien gezählt, weil zu teuer, zu aufwendig und zu unrentabel. Dabei gehört die Minibar zu den Top Ten der Kundenwünsche. Laut einer Umfrage möchten 88 Prozent der Reisenden nicht darauf verzichten.

Nach Ansicht von Esther Dysli, Geschäftsführerin der Private Selection Hotels, ist die Minibar aber trotzdem ein Auslaufmodell. Sie plädiert stattdessen für lokale Getränke, die aber im Zimmerpreis inbegriffen sind. Bereits vor zehn Jahren hat das Hotel Hof Weissbad die Minibar abgeschafft, «eine der besten Entscheidungen», wie Gastgeberin Damaris Lienhard findet. Für den «Durst und den Gluscht» zwischendurch offeriert sie auf jeder Etage Tee, Wasser, Früchte und ein «Chuecheblech». Die Minibar macht nicht nur viel Arbeit, sondern sorgt auch für Ärger. So werden Wein und Prosecco ausgetrunken, die leeren Flaschen aber mit Wasser aufgefüllt und zurück gestellt. Oder der Konsum kurz vor der Abreise beim Auschecken nicht angegeben. Deutsche Hoteliers sprechen deshalb vom «Volkssport Minibar-Betrug».

Als Kontrastprogramm zu diesem informativen und lesenswerten Beitrag darf die Reportage auf der Auftaktseite zum Reiseteil verstanden werden, die uns nach Dubai führt, genauer in die Skihalle der «Mall of the Emirates», eines der grössten Einkaufszenter der Welt. Dort befindet sich «Ski Dubai», wo man sich bei 30 Grad Aussentemperatur nach Grindelwald, Davos oder Crans Monana versetzt fühlt. Allerdings ist der Gipfel nur 60 Meter hoch, die Abfahrt dauert höchstens 40 Sekunden «in der laut Eigenwerbung grössten Skihalle der Welt». Unterstützt wurde die Reise vom Luxushotel Jumeirah und Rose Travel. Die Frage sei erlaubt: Was erhoffen sich die Sponsoren wohl von einem solchen Artikel?

Im dritten Beitrag kommen Zugfans auf ihre Kosten. Fünf Tage lang fährt man im Luxuszug, «der keine Eile hat, ans Ziel zu gelangen», durch Irland. Weil das Land nicht so gross ist, wird er über Nacht auf einem Provinzbahnhof abgestellt. Pech hat die «Zentralschweiz am Sonntag» mit ihrer Planung. Sie bringt eine Reisereportage aus Peru zu einem Zeitpunkt, als schwere Regenfälle und Überschwemmungen das Land heimsuchen. Das Wetterphänomen «El Nino» setzt dem Andenstaat derart zu, dass die Regierung für die Hälfte des Landes den Notstand ausgerufen hat. Ein Ende der Regenfälle ist nicht abzusehen.

(HPB)