Tourismuswelt

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Interesse am Reisen allein reicht nicht für den Job in der Reisebranche. Bild: Fotolia

Interesse an einem Reisebranchen-Job? Darauf müssen Sie achten!

Von Jean-Claude Raemy

Travelnews.ch hat wichtige Infos für Quereinsteiger bei den führenden Jobvermittlungsprofis Adova und Travel Job Market eingeholt.

Wird eine Stelle in der Reisebranche ausgeschrieben, gibt es immer viele Bewerber, welche als Quereinsteiger den Einstieg suchen, also keine Ausbildung innerhalb der Reisebranche haben. Lässt sich der Anteil solcher branchenexterner Bewerbungen beziffern?

Bernard Tewlin: Tatsächlich erfreut sich die Reisebranche grosser Beliebtheit. Wir haben fast täglich Anrufe von Quereinsteigern. 2016 hatten 47 Prozent der Bewerber noch keine Berufserfahrung im Tourismus. Aus dieser grossen Gruppe können wir aber nur selten Kandidaten an die Unternehmen vermitteln. Unsere Kunden erwarten von uns in der Regel Top-Dossiers, welche sämtliche Anforderungen erfüllen und Berufserfahrung im Tourismus mitbringen.

Andrea Kälin: Auch heute sind Quereinsteiger noch gefragt, jedoch ist das Anforderungsprofil gestiegen und ohne «Grundkurs» an einer Tourismusschule wird es schwierig. Früher war das anders, da die Tourismusunternehmen für jeden reisebewanderten Quereinsteiger dankbar waren.

Welches sind die grössten «falschen Erwartungen», welche externe Bewerber von der Reisebranche haben?

Andrea Kälin: Der grösste Irrtum liegt wohl in der Vorstellung, dass die Interessenten das Reisen zu stark in den Vordergrund stellen, und dass sie das Gefühl haben, es sei ganz locker und nicht so stressig, wie in anderen Branchen. Im Alltag zeigt sich aber genau das Gegenteil. Es ist häufig noch anspruchsvoller und wer Karriere machen will, muss ganz schön Gas geben – und das meist für ein geringeres Gehalt.

Bernard Tewlin: Oft haben sie das Gefühl, eine grosse Reiseerfahrung  und Begeisterung genügen, um im Tourismus Fuss zu fassen. Klar sind diese Faktoren wichtig. Die Quereinsteiger könnten sich aber noch spezifischer mit der Branche auseinandersetzen. Wie ist die Branche organisiert? Was gibt es für Positionen und Aufgaben? Mit welcher Aus- und Weiterbildung habe ich die grösseren Chancen für einen Einstieg.  Ein schwieriges Thema ist selbstverständlich auch das Salär. Wenn sich beispielsweise Kandidaten aus der Banken- oder Versicherungs-Welt bewerben, erschrecken sie im ersten Moment über die tieferen Gehälter.

Worin liegen diese Bewerber denn richtig in ihren Vorstellungen?

Bernard Tewlin: Die positive Ausstrahlung und Stimmung der Branche ist bekannt. Im Gegensatz zu vielen anderen Branchen verkauft man ein schönes Produkt. Fast jeder ist gerne in den Ferien oder auf Geschäftsreisen.

Andrea Kälin: Dass sie auf ein offenes, kollegiales und motiviertes Umfeld treffen. Das Thema Reisen vermittelt positive Gefühle und entsprechend bereitet das Verkaufen dieser Produkte Freude bereitet. Wo sonst kann man Reisen zur Weiterbildung zählen?

«47 Prozent der Bewerber haben noch keine Berufserfahrung im Tourismus»

Bernard Tewlin ist stv. Geschäftsführer bei Travel Job Market, einem auf die Reisebranche spezialisierten Arbeitsvermittler in Zürich.

Andrea Kälin ist Leiterin HR-Projekte und Strategie beim Personalberatungs-Dienstleister Adova, ebenfalls in Zürich.

«Es muss klar rüberkommen, dass man service- und verkaufsorientiert ist. Reise-Leidenschaft allein reicht nicht»

Was sollte ein Quereinsteiger bei einem Bewerbungsgespräch mit einem Reisebranchen-Unternehmen beherzigen?

Andrea Kälin: Es soll klar rüberkommen, dass man sehr service- und verkaufsorientiert ist und den Kundenkontakt schätzt. Ebenso muss man spüren, dass die Bewerber eine grosse Begeisterung und Einsatzbereitschaft mitbringen. Nur das Argument «gerne Reisen» oder das beliebte Wort «Leidenschaft» reichen nicht. Ebenfalls nicht vorteilhaft ist, wenn Fragen zu Lohn und Studienreisen im Vordergrund stehen.

Bernard Tewlin: Wichtig ist es, sich richtig auf das Unternehmen und die Stelle vorzubereiten. Das gilt aber nicht nur für Quereinsteiger. In der digitalen Welt stehen einem Tür und Tor offen für sämtliche Auskünfte. Diese Vorbereitung gilt auch in Bezug auf Dresscode und Auftrittskompetenz. Quereinsteiger können mit einer hohen Motivation und neuen Ideen Pluspunkte sammeln.

Gibt es ein «Lohnraster» bezüglich Mindest- und Höchstlohn, an welchem sich Quereinsteiger orientieren können?

Bernard Tewlin: Exakte Angaben sind nicht möglich. Die Einstiegslöhne sind je nach Position sehr unterschiedlich. Als Reiseberater sind diese selbstverständlich um einiges tiefer als bei einem Sales Manager. Was das Salär anbelangt, muss man aber generell flexibel sein, wenn man im Tourismus arbeiten möchte. Es ist nicht unmöglich, gutes Geld zu verdienen.

Andrea Kälin: Da die Reisebranche nicht dem kaufmännischen Verband unterliegt, gestaltet sich das Lohngefüge flexibler. Ich würde sagen, der Anfangslohn liegt bei rund 4200 Franken pro Monat, 13 Mal ausbezahlt, mit fünf Wochen Ferien. Immer beliebter sind aber auch Praktika, einen Mindestlohn gibt es auch da nicht. Der übliche Minimallohn bewegt sich dort zwischen 1500 und 2500 Franken. Ein Mitarbeiter mit Erfahrung verdient ab 4300 Franken aufwärts, bei ausgezeichneter Leistung und langjähriger Erfahrung können es bis zu 6500 sein. Da sprechen wir von Personen im Schalterverkauf. Was den Höchstlohn angeht: Auf Geschäftsleitungsstufe unterscheiden sich die Löhne kaum von denen anderer Branchen. Löhne zwischen 90‘000—130‘000 Franken sind für eine verantwortungsvolle Position im Kaderbereich wohl am häufigsten anzutreffen.

Wie stark ist das Salär von der Grösse des Unternehmens abhängig?

Andrea Kälin: Natürlich sind die Vielfalt der Stellenprofile und die Entwicklungsmöglichkeit bei grossen Reiseveranstaltern grösser, was aber nicht automatisch heisst, dass Entwicklungsmöglichkeiten garantiert sind. Wichtig ist, dass man in die Firmenphilosophie passt und im richtigen Moment am richtigen Ort ist. Bei einem KMU spielt der «Faktor Mensch» sicher eine grössere Rolle, dort sind auch «Allrounder» meist besser aufgehoben. Karrierechancen gibt es also dort, wo man die persönliche Bestleistung abrufen kann und das Umfeld die persönlichen Erwartungen erfüllt.

Bernard Tewlin: Die Unternehmensgrösse spielt eigentlich keine direkte Rolle beim Salär, wie unsere Mitarbeiterin Eliane Lenz in einer Studie darlegte.

Tourism Career Day und Youtube-Videos als Orientierungshilfe

Wo informiert man sich am besten über Reisebranchen-Jobs?

Bernard Tewlin: Am besten informiert man sich über die bekannten Onlineplattformen oder direkt bei den Unternehmen. Weiter kann man sich auf der Webseite des Schweizer Reise-Verbands (SRV) hilfreiche Tipps zur Tourismusbranche holen. Travel Job Market organisiert zudem jährlich den Tourism Career Day. Dieser findet am 11. April 2017 im Renaissance Zurich statt. Der Event setzt sich mit den neusten Trends zu Job, Weiterbildung und Karriere im Tourismus auseinander.

Andrea Kälin: Quereinsteigerjobs findet man heute am besten im Internet über Jobsuchmaschinen oder Firmenwebsites, oder auch in Fachmagazinen oder bei Travel Job Market. Bei Adova finden in erster Linie Bewerber mit Reisebüro-Erfahrung attraktive Stellenangebote. Für Quereinsteiger bieten wir unsere beliebte Standortbestimmung an, diese hilft bei der Entscheidungsfindung. Wir haben auch einige generelle Videos von «Todsünden» beim Bewerbungsgespräch erstellt.  [siehe nachfolgend].