Tourismuswelt

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Sunday Press Brexit und die Folgen für den Schweizer Tourismus

Skiferien in der Schweiz werden für Briten massiv teurer – und ein Porträt über André Lüthi: «Diesem Mann kaufen alle eine Reise ab».

„Jeder zehnte britische Tourist fehlt“, titelt die „NZZ am Sonntag“. Seit dem Brexit-Entscheid hat das Pfund gegenüber dem Schweizer Franken um 15 Prozent an Wert verloren, was „die ohnehin schon kostspieligen Winterferien in der Schweiz verteuert“. Deshalb legten die Tourismusdirektoren der beliebtesten Schweizer Skidestinationen, „von Zermatt bis St. Moritz und von Verbier bis Davos“, ihre Stirnen in Falten. Denn die britische Klientel sei für die Schweizer Destinationen wichtig. Nach dem Deutschen und den Amerikanern ist sie nicht nur die drittgrösste ausländische Gruppe, sondern mit 190 Franken täglich gehöre sie zu den „ausgabefreudigsten Wintersportlern“.

Der Brexit verheisse für die anstehende Wintersaison deshalb „wenig Erfreuliches“, schreibt die „NZZ a/S“ weiter, und bezieht sich dabei auf die Prognose, welche die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich am Mittwoch präsentierte. Diese rechnet mit einem Minus bei den britischen Gästen von fast 10 Prozent oder einem Rückgang um 78'000 Logiernächte. Diese Einbusse ist hauptverantwortlich für die verhaltene Prognose der KOF für die Wintersaison, die von einem „marginalen Wachstum bei den Logiernächten“ von 0,6 Prozent ausgeht. Etwas zuversichtlicher beurteilt Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus, die Aussichten, weil die Tour Operators den Wertzerfall des Pfunds abgesichert hätten und die britische Währung auch gegenüber dem Euro 15 Prozent an Wert verloren habe.

Bewirtschaftete Ferienresorts statt leerer Zweitwohnungen

Die „SonntagsZeitung“ berichtet über Anstrengungen von Berggemeinden und ihren Bergbahnen mittels Ferienresorts neue Gäste anzuziehen. Erstmals wolle der Westschweizer Philippe Lathion, der sich mit seiner Firma Mountain Resort Real Estate Fund auf die Finanzierung von Feriendörfern spezialisiert hat, in der Deutschweiz investieren und zwar in Meiringen. Dort hat die Gemeindeversammlung grünes Licht für den Bau eines Resorts mit 90 Wohnungen und bis zu 400 Betten gegeben. Baubeginn soll im Frühling sein.

Der Zeitpunkt für den Bau von bewirtschafteten Ferienwohnungen ist laut „SoZ“ günstig, weil sich als Folge der Niedrigzinsphase „willige Geldgeber“ finden liessen. Selbst Pensionskassen, die verzweifelt nach Renditen suchten, „entdeckten den Ferienwohnungsmarkt für sich“. „Finanzexperte Lathion“ habe nach eigenen Angaben bereits 60 Millionen Franken eingesammelt, „vorwiegend von Schweizer Pensionskassen“. Er ist im Wallis in Morgins, Champéry, Vercorin und Zinal in den Bau von Resorts involviert. Schweizweit will er zehn Resorts errichten. Auch Disentis plant ein neues Feriendorf, das unter anderem durch die Bergbahnen finanziert werden soll.

Das Urteil von Touristikern sei grundsätzlich positiv, heisst es im Artikel weiter. Der St. Galler Touristikprofessor Christian Laesser sagt: „Der Bedarf ist da, Gäste wollen immer mehr Raum in den Ferien und hotelähnlichen Komfort.“ Allerdings befürchtet er einen „gewissen Verdrängungskampf“, bei dem die Hotellerie das Nachsehen haben könnte. Zweifel hegt Roger Seifritz, der Direktor der Reka-Feriendörfer, an der von Lathion versprochenen Rendite von 3,5 Prozent, mit der Pensionskassen geködert werden. Um ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen, muss die Reka-Genossenschaft jede Wohnung 220 Tage im Jahr vermieten können. Seifritz warnt: „Eine Kapitalrendite von 3,5 Prozent zu verdienen, ist extrem schwierig.“ Laesser verweist zudem auf das Risiko der stetig wärmeren Winter mit weniger Schnee.

Google als Konkurrent der Reisebranche

Über den Auftritt von Philipp Ries von Google Switzerland am Swiss Travel Summit vom letzten Donnerstag schreibt die „Zentralschweiz am Sonntag“. Fazit: Google dränge immer weiter in den Tourismus vor, aber wohin die Reise gehen soll, verrate der Konzern nicht. Mit „Google flights“, „Google hotels“ oder dem mobilen Reisebegleiter „Google Trips“ ist der Gigant bereits aktiv. Den Schweizer Unternehmen warf Ries eine zu grosse Zurückhaltung vor. „Die Schweizer Unternehmen müssen mehr den Mut haben“, sagte der Google-Manager, „international etwas zu bewegen, die Dinge grösser zu denken.“ Von dieser Kritik ausgenommen sei Hotelplan. Der Migros-Reisekonzern testet seit dem Sommer zusammen mit Google ein neues Buchungssystem namens Bedfinder, das vorerst ausschliesslich in Nordamerika angeboten wird (travelnews.ch berichtete). Er soll die Suche und das Buchen von Pauschalarrangements vereinfachen. Die ersten Erfahrungen hätten die Erwartungen übertroffen, sagt die Hotelplan-Sprecherin.

Globetrotter André Lüthi Superstar

Globetrotter feiert derzeit sein 40-Jahr-Jubiläum, weshalb nun auch die „SonntagsZeitung“ ein wohlwollendes Porträt über André Lüthi, dem Mitbesitzer und Aushängeschild des viertgrössten Reiseunternehmens der Schweiz, publiziert. Er trotzt der Krise in der Tourismusbranche „mit Spezialisierung auf Individualreisen und cleverer Selbstvermarktung“, heisst es im Untertitel. Zwar passe nicht allen „sein Starstatus“, dennoch sei „niemand richtig schlecht auf ihn zu sprechen“. Präsent ist er zur Zeit auf fast allen Kanälen. „Lüthi hat das Vakuum, das durch die Schwäche von Kuoni und Hotelplan entstanden ist, ausgenützt und ist zum Sprecher der Branche avanciert“, zitiert die „SoZ“ einen alten Freund. Demnächst sei er auch bei „Schawinski“ zu Gast.

Wellness, Nepal und Slowenien

Aus ihrem Reiseteil macht die „SonntagsZeitung“ ein „Wellness-Extra“ und stellt darin u.a. drei führende Hotels in der deutschen Nachbarschaft vor. Ebenfalls um Wellness geht es in der „Schweiz am Sonntag“, die in Slowenien renovierte Thermal- und Heilbäder besuchte. „Die Bäder und Spas kombinieren jahrhundertealte Tradition, modernste Einrichtungen und neueste medizinische Erkenntnisse“. „Zentralschweiz und Ostschweiz am Sonntag“ beschreiben die Erfahrungen auf einem Trekking in Nepal nach dem verheerenden Erdbeben. Das Land leide noch immer unter dem ausbleibenden Touristen. Um den Menschen zu helfen, wird ein ein Reiseführer zitiert, sollen die Touristen aber herkommen „und das Geld vor Ort ausgeben“.

(HPB)