Tourismuswelt

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Attraktive Reisebranche – aber nicht viele mit Lohn zufrieden

Eine aktuelle Lohnstudie zeigt das Salärniveau im Outgoing-Tourismus auf und gibt Einblicke in die Arbeitszufriedenheit und die Bedeutung einer Weiterbildung.

866 Branchenleute haben sich anonym an der Umfrage beteiligt, die Eliane Lenz im Rahmen ihrer Bachelorarbeit an der Hochschule Luzern initiiert hat. Wie hoch ist das aktuelle Lohnniveau in den Reisebüros, im Touroperating, im Backoffice, auf Managementebene? Und welcher Anteil der Branchenleute macht die Faust im Sack oder ist zufrieden mit Arbeit und Lohn? Und welchen Lohnunterschied bewirkt eine zusätzliche Ausbildung?

Unterstützt wurde Eliane Lenz vom Schweizer Reise-Verband und der Personalberatung Travel Job Market. Neben der Datengrundlage einer anonymen Umfrage wurde die Aussagekraft der Studie anhand qualitativer Interviews ergänzt. Die Löhne werden in der Studie als Brutto-Jahressaläre in Schweizer Franken ausgewiesen und es wird auf die Kennzahl Median verwiesen; das heisst jenen Wert, bei dem 50 Prozent der Saläre darüber und 50 Prozent darunter zu finden sind.

Der Lohn im Reisebüro

Das Jahressalär bei Reisebüro-Mitarbeitenden mit bis zu 5 Jahren Berufserfahrung im Verkauf, in der Beratung und Kundenbetreuung beläuft sich auf 56'000 Franken, ausbezahlt in 13 Monatslöhnen sind das 4300 Franken im Monat. Wer 6 bis 10 Jahre im Job ist, erhält 62'200 Franken, wer über 11 Jahre Erfahrung mitbringt verdient im Durchschnitt 68'000 Franken. Wer eine Führungsfunktion hat verdient 62'400 Franken (bis 5 Jahre Berurfserfahrung), 75'000 Franken (6 bis 10 Jahre) und 80'000 Franken (11 und mehr Jahre).

Doch wie gross sind die Lohndifferenzen für jene, die eine Weiterbildung (HF, FH oder Uni) mitbringen? Sie sind überraschend klein: Bei Reisebüro-Profis ohne Führungsfunktion belaufen sich die Lohnunterschiede nur auf wenige Franken. Und mit Führungsfunktion im Bereich jener mit 6 bis 10 Jahren Berufserfahrung bringt die Studie sogar diesen Sachverhalt hervor: 81‘240 Franken verdienen jene ohne Weiterbildung, 68‘250 Franken jene mit Weiterbildung. Was in der Konsequenz heisst: viel mehr als der Ausbildungsgrad zählt die Arbeitserfahrung.

Der Lohn im Touroperating

Im Vergleich zum Job an der Front sind die Saläre im Touroperating leicht höher: 58'300 Franken bei 0 bis 5 Jahren Berufserfahrung, 65'000 Franken bei 6 bis 10 Jahren, 69‘550 Franken ab 11 Jahren. Im Bereich jener, die eine Führungsfunktion haben, zeigt sich, dass ein Weiterbildungs-Abschluss auf den Lohn praktisch keine Auswirkungen hat. Bei jenen, die im Produktmanagement tätig sind, ist auffällig, dass sich die Führungsfunktion deutlich im Lohn niederschlägt: 64'050 Franken (0 bis 5 Jahre) für jene ohne Führungsfunktion, 71'500 Franken für jene mit. Noch deutlicher ist der Unterschied für jene mit mehr als 11 Jahren Berufserfahrung 87'775 Franken gegenüber 71'500 Franken.

So viel gibts im Backoffice und Marketing

2000 bis 3000 Franken mehr im Jahr als in der Kundenberatung erhalten jene, die emsig im Hintergrund arbeiten. Backoffice-Jobs mit bis zu fünf Jahren Berufserfahrung bringen im Schnitt 58'212 Franken in die Lohntüte, ab 6 Jahren sind es 65'250 Franken. Bei Jobs im Marketing, in der Kommunikation und in der Medienarbeit fällt ein deutlicher Unterschied bei jenen auf, die über eine Führungsfunktion verfügen – 65'000 Franken vs. 86'100 Franken.

Einblicke gewährt die Studie auch auf das Lohnniveau im strategischen Management. Auffallend dabei: Wer weniger als 10 Jahre Berufserfahrung verfügt, verdient mehr (132'000 Franken), als jemand mit mehr als 11 Jahren Berufserfahrung (111'600 Franken). Hier dürften gut ausgebildete Neueinsteiger den Unterschied ausgemacht haben.

Lohnentwicklung

Weiter hält die Studie fest, dass bei rund 10 Prozent der Befragten sich der Lohn in den letzten fünf Jahren um 20 Prozent und mehr erhöht hat. Bei 47 Prozent hat sich der Lohn im Bereich von einem bis 19 Prozent erhöht. 32 Prozent haben den gleichen Lohn. 7 Prozent verzeichnen einen Rückgang.

Arbeits- und Lohnzufriedenheit

Wie zufrieden ist die Outgoing-Branche mit Arbeit und Lohn? Auch hier wartet die Studie mit Antworten auf: 8 Prozent der Befragten sind sehr zufrieden, 35 Prozent sind zufrieden mit dem Lohn. 37 Prozent der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sind unzufrieden oder sogar sehr unzufrieden mit dem Lohn.

Und erstaunlich: Fast 90 Prozent der Befragten sind sehr zufrieden oder zufrieden mit der Arbeit. 58 Prozent der Befragten beantworten die Aussage „Die Attraktivität der Branche ist wichtiger als die Höhe des Lohnes“ mit „trifft voll und ganz zu“ oder „trifft eher zu“. Mehr als 75 Prozent würden in Zukunft tendenziell eher wieder einen Arbeitgeber in der Tourismusbranche wählen.

«Berufserfahrung der wichtigste Faktor»

Doch was sagt Studienverfasserin Eliane Lenz selber zu den Ergebnissen, was hat sie am meisten überrascht? «Die grösste Diskrepanz besteht beim Thema Weiterbildung. Arbeitnehmende würden sich wünschen, dass ein Abschluss einer Weiterbildung mehr gewichtet wird. Arbeitgeber sehen dies klar anders», stellt sie fest. Ein Weiterbildungsabschluss werde nur honoriert, wenn die erworbenen Kenntnisse im Tätigkeitsbereich auch verlangt und eingesetzt werden können. Die Berufserfahrung im Tourismus sei bei der Bestimmung des Salärs klar der wichtigste Faktor.

Zur Quintessenz sagt Eliane Lenz: «Der Outgoing-Tourismus ist weiterhin eine attraktive Branche. Doch der Lohn bleibt nach wie vor ein vieldiskutiertes Thema. Um die hohe Arbeitszufriedenheit beibehalten zu können, muss in die Lohnzufriedenheit der Arbeitnehmenden investiert werden. Eine Möglichkeit wäre, leistungsstarke Mitarbeitende mit einer Umsatz- oder Erfolgsbeteiligung zu belohnen.»

Link/PDF zur gesamten Studie 

(GWA)