Tourismuswelt

Michael Grütter prägte Express Travel International (ETI) in der Schweiz fast zwei Jahrzehnte. Nun ist der Schweizer Ableger Knall auf Fall führungslos. Bilder: ETI Schweiz

Ist der Schweizer Standort von ETI am Ende?

Vom Einzug ins neue Büro zum Führungs-Vakuum: Bei ETI Schweiz ging alles erstaunlich schnell. Jetzt stellt sich die Frage, ob der Ägypten-Spezialist hierzulande überhaupt noch eine Zukunft hat.

Noch im vergangenen Sommer war Express Travel International (ETI) in Feierlaune. Der Schweizer Ableger des auf Ägypten spezialisierten Reiseveranstalters zelebrierte im Juni 2025 den Einzug in neue Büroräumlichkeiten in Opfikon.

Zuvor war das Team in Zürich-Oerlikon zuhause gewesen, musste dort jedoch weichen, weil der Vermieter andere Pläne verfolgte. Entsprechend gut gelaunt präsentierte sich Geschäftsführer Michael Grütter bei der Büroeinweihung gemeinsam mit seinen Mitarbeiterinnen Gökce Parlar und Jennifer Köther.

Rund ein halbes Jahr später ist von dieser Euphorie wenig übrig. Am letzten Tag des Jahres 2025 verschickte Michael Grütter persönlich eine Medienmitteilung mit bemerkenswertem Inhalt: ETI Schweiz steht per sofort ohne Chef da. Im Zuge einer beruflichen Neuorientierung und der Reduktion seines Arbeitspensums trete Grütter per Ende Dezember aus dem Unternehmen zurück, hiess es im Schreiben

Üblicherweise werden Personalentscheide dieser Tragweite von oberster Stelle kommuniziert – vom CEO oder dem Verwaltungsrat. In diesem Fall jedoch blieb die ETI-Zentrale in Frankfurt still. So kam es zur eher ungewöhnlichen Pointe, dass sich Grütter in seiner eigenen Mitteilung gleich selbst für sein Engagement und die geleistete Arbeit bedankte.

Wobei die Worte durchaus gerechtfertigt waren: Michael Grütter war über Jahre hinweg das Gesicht und der treibende Kopf von Express Travel International in der Schweiz. Seit 2007 baute er den Schweizer Ableger des Ägypten-Spezialisten Schritt für Schritt auf, entwickelte das Unternehmen kontinuierlich weiter und führte es bis zu seinem Rückzug per Ende 2025 erfolgreich.

«Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge», sagt Grütter auf Anfrage von Travelnews. Stolz blicke er auf das zurück, was in den vergangenen 18 Jahren entstanden sei – ein etabliertes Unternehmen, das erfolgreich im Spezialistenmarkt verankert ist.

Ungewisse Zukunft in der Schweiz

Der Abgang wirkte mit der Mitteilung vom 31. Dezember 2025, Grütters letztem Arbeitstag, auf den ersten Blick abrupt. Für den langjährigen ETI-Schweiz-Chef kam er jedoch keineswegs überraschend. «Mein Rückzug hat sich seit längerer Zeit abgezeichnet», so Grütter. Intern habe er stets offen kommuniziert und bis zum letzten Tag mit der gewohnten Professionalität für ETI gearbeitet.

Grütter begründet den Abgang einerseits mit seinem zweiten unternehmerischen Standbein: Trend Sport Travel, das er vor rund 20 Jahren gemeinsam mit zwei Partnern gegründet hat. Dieses Unternehmen sei neben seinem Engagement bei ETI zuletzt zu kurz gekommen. «Jetzt möchte ich mich voll darauf konzentrieren und meine ganze Energie einsetzen, um bei Trend Sport Travel neue Projekte anzustossen und das Unternehmen gezielt weiterzuentwickeln», erklärt er. Andererseits werde er auch nicht jünger, ergänzt er mit einem Schmunzeln.

Wie es mit ETI in der Schweiz weitergeht, bleibt vorerst im Nebel – selbst für den bisherigen Geschäftsführer Michael Grütter. Aktuell ist mit Gökce Parlar seine langjährige rechte Hand die letzte verbliebene Mitarbeiterin des Schweizer Ablegers. Jennifer Köther, die bei der Einweihung der neuen Büroräumlichkeiten im vergangenen Juni noch präsent war, ist laut dem Businessnetzwerk Linkedin bereits seit August 2025 nicht mehr bei ETI beschäftigt.

Auch für Gökce Parlar endet das Kapitel ETI Schweiz bald: Sie wird das Unternehmen per Ende Januar 2026 verlassen. Wichtig ist ihr dabei eine klare Botschaft an Kundinnen und Kunden: «Alle bestehenden Buchungen sind gewährleistet, und auch Neubuchungen sind jederzeit möglich», betont sie gegenüber Travelnews. Wie es danach weitergeht, weiss jedoch auch sie nicht. Entsprechende Informationen aus dem deutschen Hauptsitz hat sie bislang nicht erhalten.

Travelnews hat die ETI Express Travel International GmbH am Hauptsitz in Frankfurt mit zentralen Fragen zur Zukunft des Schweizer Ablegers konfrontiert: Bleibt ETI in der Schweiz aktiv? Wer übernimmt die Nachfolge von Michael Grütter? Und weshalb wurde dessen Abgang nicht von der Zentrale, sondern von ihm selbst kommuniziert? Antworten darauf gibt es bislang keine. Bis Redaktionsschluss herrschte aus Frankfurt Funkstille.

(TN)