Tourismuswelt

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Kommentar Brexit und die Folgen für den Tourismus

Von Gregor Waser

Grossbritannien kehrt der EU den Rücken. Das dürfte den Airlines, der Tourismusindustrie und den Touristen nun blühen.

So wirklich an einen Ausstieg Grossbritanniens aus der EU haben nur wenige geglaubt. Doch nun ist der Brexit Tatsache, 51,9 Prozent der Briten haben sich für einen Ausstieg ausgesprochen, in den nächsten zwei Jahren vollzieht Grossbritannien schrittweise den Rückzug aus der Europäischen Union. Die Auswirkungen auf den Tourismus sind dabei zahlreich und vielschichtig:

Die Währung

Der Absturz des britischen Pfunds könnte grosse  Auswirkungen auf den Tourismus haben. Natürlich dürften nun Städte-Trips nach London deutlich attraktiver werden, die Übernachtung in Londons feinen Hoteltempeln wird zahlbarer. Umgekehrt wird die Schweiz für Briten deutlich teurer. Und die Flucht in den Schweizer Franken könnte der Schweiz ähnliche Auswirkungen bescheren, wie schon im letzten Jahr. Ein Euro kostete heute Morgen nur noch 1,06  Franken. Damit dürfte der Gang in deutsche Reisebüros für Schweizer Reisende wieder stärker zum Thema werden.

Flugverkehr

Schon im Vorfeld haben die Low-Cost-Carrier alles Erdenkliche getan, um einen Brexit zu verhindern. Ryanair liess zum Schnäppchenpreis von 19,99 Pfund Expats einfliegen, um an der Urne ein „Remain“ zu hinterlegen. Easyjet-Chefin Carolyn McCall überlegte sich bereits, eine neue Tochtergesellschaft in einem EU-Land zu gründen oder die Tochter Easyjet Switzerland auszubauen, um vom Schweizer Luftfahrtabkommen mit der EU zu profitieren, denn über ein solches verfügt Grossbritannien in baldiger Zukunft noch nicht. Für britische Carrier dürfte es in Sachen Verkehrsrechte künftig jedenfalls deutlich komplizierter werden. Das Bündnis gewährte ihnen bisher mehr Wettbewerb in der Luft. 

Bettenengpässe

In diesem Jahr zeichnet sich auf den Spanischen Ferieninseln und auf dem Festland ein neuerlicher Rekord ab, insbesondere wegen einem Grossandrang aus Grossbritannien. Mit dem schwächeren Pfund dürfte auf die Sommersaison 2017 hin die Nachfrage aus Grossbritannien sinken. Bereits ist auch die Rede von einer baldigen Rezession in Grossbritannien, die die Reisetätigkeit ebenfalls dämpfen dürfte. Gerade für Touroperators aus anderen Ländern, etwa der Schweiz, könnte der Zugriff auf Bettenkontingente damit wieder einfacher werden.

Die Mühlen in Brüssel

Die nächsten Monate wird die EU vom Brexit-Entscheid vereinnahmt sein und vom Prozess der Ablösung dominiert. Das dürfte viele pendente EU-Dossiers auf die lange Bank schieben. Hängig ist derzeit zum Beispiel die Klage der ECTAA und des SRV wegen der Einführung der DCC-Gebühren der Lufthansa-Gruppe. Generell dürfte die Schweiz in den kommenden Monaten für pendente Anliegen kaum auf offene oder verfügbare Ohren in Brüssel treffen.

Doch viele weitere Fragen sind noch offen. Was passiert zum Beispiel mit den 200'000 britischen Rentnern, die in Spanien leben? Ihnen droht, dass sie den Zugang zum Sozial- und Gesundheitssystem verlieren.