Tourismuswelt

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Für die Körperoptimierung ins Ausland reisen? Klar - aber auf einige Dinge sollte man achten. Bild: AdobeStock

Das sollten Sie vor Ihrer Beauty-Reise beherzigen

Immer mehr Menschen verreisen ins Ausland, um kosmetische Eingriffe vorzunehmen. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, doch gilt es, vorher ein paar Abklärungen zu treffen.

Medizinaltourismus ist so alt wie das Reisen selbst. Schon in der Antike unternahmen Menschen Reisen hin zu bekannten Thermalquellen oder «Kraftorten». In moderneren Zeiten wurde oft von ärmeren in modernere Länder gereist, weil es im Heimatland die notwendige Infrastruktur für die benötigten Behandlungen nicht gab. Oder aber es gab klimatisch bedingte Reisen, etwa zu Kurorten in den Alpen. Gemeinsam war diesen Reisen stets ein medizinischer Zweck und in der Regel auch die Verschreibung der Reise durch einen Arzt. In der Regel werden also Patienten von ihren Ärzten/Versicherern zur Behandlung ins Ausland geschickt.

Doch seit einigen Jahren wird eine besondere Sparte des Medizintourismus immer wichtiger: Reisen für «kosmetische Zwecke», also medizinisch eigentlich nicht notwendige «Schönheitsreisen», welche medizinische Eingriffe erfordern. Wir leben eben in einem Zeitalter der permanenten Optimierung, auch der Körperoptimierung, gerade wegen der Selbstdarstellung in Sozialen Medien. Für solche Reisen gelten andere Prämissen. Die Patienten werden durch kosmetische Verfahren, die es in anderen Ländern gibt und die meist deutlich günstiger sind, angelockt. So lassen sich vielleicht lange Wartezeiten für den Eingriff umgehen, dazu hat man den zusätzlichen Bonus von Ferien im Ausland, was darüber hinaus auch etwas Diskretion bietet. Eine medizinische Verschreibung gibt es selten: Solche «Medizintouristen» und insbesondere jene, die kosmetische Eingriffe vornehmen, reisen auf eigene Faust und bezahlen die Gesundheitsleistungen aus eigener Tasche.

Der Kostenaspekt ist also wichtig: Weil Körperoptimierung teuer ist, wird vielfach ins Ausland gereist. Dort erhält man aber nicht selten eben auch Billig-Eingriffe. Beispiele von missratenen Brustvergrösserungen, zahnärztlichen Eingriffen oder Haartransplantationen gibt es zuhauf. Doch man darf auch nicht an simplen Vorurteilen festhalten: Der ungarische Zahnarzt ist in der Regel auch gut ausgebildet und kann sicherlich vernünftige Eingriffe vornehmen. «Schönheitsfarmen» im Ausland sind nicht weniger seröser als unsere, nur weil die Angebote günstiger sind. Und: Kosmetische Behandlungen sind stets mit Risiken verbunden, ob Sie nun reisen oder nicht. Es gilt in jedem Fall, ein paar Abklärungen zu treffen, bevor man sich für einen Eingriff entscheidet - aber erst recht, wenn man diesen im Ausland vornimmt.

1. Gründliche Recherche vornehmen

Wie bei jedem herkömmlichen kosmetischen oder medizinischen Eingriff sollte man sich im Vorfeld ausreichend informieren, um die richtige Entscheidung zu treffen und mit dem Eingriff verbundene Risiken zu kennen. Die eigene Gesundheit sollte stets an erster Stelle stehen. Den Arzt im Heimatland traut man sich vielleicht nicht zu fragen, weil man ja anschliessend nicht auf dessen OP-Tisch liegen will... Natürlich kann man sich im Internet schon gut über Sicherheitsbestimmungen und -protokolle des Landes, in dem man den Eingriff vornehmen will, informieren, es braucht jedoch eine gründliche Recherche und idealerweise auch aus verschiedenen Seiten vorliegende Rückmeldungen von Personen, die eine Prozedur am besagten Ort vorgenommen haben.

Hat man die richtige Klinik oder den richtigen Chirurgen gefunden, sollte man sich mit den Qualifikationen des Arztes vertraut machen, auch hier Patientenbewertungen lesen und sich, sofern verfügbar, Vorher-Nachher-Fotos ansehen, welche die Qualität der Arbeit belegen. Im Normalfall müsste es möglich sein, detaillierte Fragen zu stellen (telefonisch oder per Mail), etwa im Hinblick darauf, was man vom Verfahren und der Genesung erwarten kann. Ein seriöser Fachmann wird kein Problem damit haben, wenn Sie solche Fragen stellen, und wird sein Bestes tun, um Sie zu beruhigen. Sie sollten sich niemals einem chirurgischen Eingriff unterziehen, ohne sich vorher beraten zu lassen.

2. Sprachliche Barrieren verhindern

Eine Auslandreise kann mit Kommunikationsschwierigkeiten verbunden sein. Wenn solche vorliegen, ist es nicht ratsam, medizinische Verfahren an sich selber vornehmen zu lassen. Natürlich muss man nicht Ungarisch können für die Zahnbehandlung in Budapest, aber dortige Zahnärzte sprechen meist gutes Englisch. Beidseitig gute Sprachverständigung muss sein! Sie müssen wissen, was Sie erwartet, was die Ärzte und Krankenschwestern tun werden, und Sie müssen Ihre Bedenken mitteilen und die Antworten darauf verstehen. Jegliche Kommunikationsbarrieren zwischen Ihnen und den Fachleuten, die Ihre Behandlung durchführen, könnten Verwirrung stiften und dazu führen, dass Ihre Behandlung nicht nach Plan verläuft.

3. Kosten genau prüfen

Kosmetische Behandlungen im Ausland sind oft verlockend, da sie in der Regel zu niedrigeren Kosten angeboten werden - erst recht für Schweizer. Die Türkei, Mexiko, Thailand und die Tschechische Republik (und in etwas gereingerem Masse auch Kanada, Ungarn und Israel) sind für ihre niedrigen Preise in der Schönheitschirurgie bekannt, was die Aussicht auf eine Behandlung für den Patienten erschwinglich und realistisch macht. Dieser niedrige Preis darf jedoch nicht zu Lasten der Qualität der Behandlung gehen. Auch wenn es auf den ersten Blick billiger erscheint, könnten Sie am Ende mehr Geld ausgeben, um eventuelle Fehler zu beheben, wenn die Behandlung mangelhaft ist. Wenn Sie weit reisen, müssen Sie auch die Kosten für das Hotel während Ihrer Genesung und die Flüge nach Hause einkalkulieren, was bedeuten könnte, dass eine Behandlung in der Schweiz doch günstiger ist. Darüber hinaus sollte genau abgeklärt werden, wofür eine Versicherung aufkommt und wofür nicht; Letzteres ist besonders im Fall, dass etwas nicht nach Plan läuft, von grosser Wichtigkeit.

4. Erholungszeit einplanen

Die Erholungszeiten sind von Verfahren zu Verfahren unterschiedlich. Klar ist. Nach chirurgischen Eingriffen braucht man viel Ruhe und sollte nichts tun, was den Heilungsprozess verzögert. Die Heimreise sollte also nicht am Tag nach dem Eingriff stattfinden. Dazu sind hoher Alkoholkonsum, lange Sonnenbäder oder anstrengende Aktivitäten natürlich auch nie von Vorteil. Sie träumen vielleicht davon, nach der Behandlung am Pool zu liegen oder die Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, aber das ist nicht sinnvoll. Wenn Für die Heimreise sollte man bis fünf bis zehn Tage nach dem Eingriff warten, da je nach Eingriff das Risiko von Blutgerinnseln besteht.


Es gibt übrigens in der Schweiz bereits Firmen, welche darauf spezialisiert sind, Gästen kosmetische Aufenthalte im Ausland mit allem Drum und Dran zu ermöglichen. Zum Beispiel Travel Beauty, wo mit renommierten Ärzten und Kliniken in den Ländern Serbien, Bulgarien und der Türkei zusammengearbeitet wird, oder auch Novacorpus in Genf, die seit 2008 aktiv ist.

Diese Firmen haben übrigens zur Entstehung dieses Artikels weder redaktionell noch kommerziell etwas beigetragen.

(JCR)