Tourismuswelt

SRV_Arbeitsgruppe.JPG
Birgit Sleegers (Rhyner Travel) präsentierte, zu welchen Schlüssen die Arbeitsgruppe "SRV 2022" kam. Bild: JCR

Die Arbeitsgruppe «SRV 2022» fordert den Gesamtverband

Im Rahmen der Generalversammlung des Schweizer Reise-Verbands wurden die Resultate der Anfang 2021 ins Leben gerufenen Projektgruppe präsentiert. Diese scheinen auf breiter Basis Zustimmung zu finden.

Am Nachmittag des Generalversammlungs-Anlasses des Schweizer Reise-Verbands (SRV) kam es zu diversen mit Spannung erwarteten Workshops - allen voran der Präsentation der Arbeitsresultate der «Taskforce SRV 2022». also einer Arbeitsgruppe, welche sich mit der Frage auseinandersetzte, wie denn die Zukunft des SRV aussehen soll (Travelnews berichtete). In dieser Taskforce waren folgende Personen vertreten: Aus dem SRV-Vorstand André Lüthi (Globetrotter Group), Birgit Sleegers (Rhyner Travel), Jacqueline Ulrich (L'Esprit du Voyage) und Dieter Zümpel (DER Touristik Suisse), sowie aus dem Mitgliederkreis Claudio Cesarano (Media Touristik), Dominic Eckert (Dreamtime Travel), Sonja Laborde (GTS Global Travel Services/TPA) und Michael Mettler (Helbling Reisen). Führend waren Birgit Sleegers und Sonja Laborde; präsentiert wurden die Resultate von Birgit Sleegers, zumal Sonja Laborde gar nicht zur SRV-GV anreiste.

Sleegers erklärte, welche Resultate bei einer Basisbefragung herausschauten, und hielt fest, dass der Wunsch nach einem Dachverband ganz klar einem Wunsch von der Basis entspreche; es gehe darum, dass die Reisebranche mit einer Stimme spreche. Gefordert wurde auch eine Intensivierung des Austausches, auch mithilfe neuer Medien. Positiv aufgenommen wurde derweil die Schaffung einer «Taskforce Reisebranche», welche genau dies bis zu einem gewissen Grad schon während der Corona-Pandemie zu realisieren vermochte. Bezugnehmend auf eine SWOT-Analyse konnte Sleegers festhalten, dass der SRV als Marke gut etabliert sei und gute Strukturen habe; bei den Schwächen wurden die Kommunikation und Digitalisierung hervorgehoben. Der Verband solle an dieser Stelle auch verstärkt auf den Input von «Pop-Up-Gruppen» (O-Ton Sleegers) eingehen. Als grösstes Risiko wurde die Konsolidierung der Branche angeschaut. Und die Herausforderungen waren, das hatte man schon zuvor gehört, die Politik (Pauschalreisegesetz, Mehrwertsteuer), die Ökonomie (Auswirkungen von Covid), das Soziale (verändertes Gesellschafts- und Kundenverhalten) sowie die Technologie/Mobilität, mit Fragen, wie künftig gebucht und auch gereist wird. Darauf muss sich ein Verband verstärkt einstellen können.

Wie soll es weitergehen?

Hervorgehoben wurde klar, dass es einen starken Verband brauche, welcher einheitlich kommuniziert. Doch wie soll das umgesetzt werden? Die Arbeitsgruppe ist der Meinung, dass die drei bestehenden Vereinigungen (SRV, STAR, TPA) in eine Gesamtstruktur zu bringen sind; dafür wurde auch bereits eine Absichtserklärung unterzeichnet. Getragen werden muss dieses Projekt von allen Involvierten.

Ein Vorschlag zur Strukturierung dieses Gesamtverbands wurde auch bereits vorgestellt. An oberster Stelle stünde eine Generalversammlung; die Spitze bildet ein Komitee mit einer Person im Präsidialamt, und natürlich eine Geschäftsstelle; im Organigramm erscheinen separat noch dort angehängt die Ressorts Finanzen und Kommunikation (die möglicherweise extern zu vergeben wären). Darunter wären als eigene Säulen - oder Fachgruppen, wenn man so will - die Bereiche Services, Bildung, Politik, Regionen, Marktanalyse sowie Umwelt & Soziales.

Der Vorstand solle nicht zu gross haben, aber eine gute Durchmischung in Bezug auf Landes- und Sprachregionen sowie Geschlechter reflektieren. Der Präsident müsste «eine brückenbauende Führungspersönlichkeit sein, die alle Bereiche der Branche abholt» - wobei Sleegers dies nicht als ein Profil des kurz zuvor gewählten neuen SRV-Präsidenten Martin Wittwer verstanden haben wollte. Die Kommunikation schliesslich müsse zeitgemäss sein und Nähe transportieren, und nicht nur von der Geschäftsstelle aus, sondern auch vom Vorstand aus direkt an die Mitglieder erfolgen können.

Empfehlung

  • Die Gespräche der drei Vereinigungen unter Führung der Präsidenten sollen vorangetrieben werden
  • Gemeinsame Ausarbeitung eines Gesamtverbands unter Berücksichtigung aller Bedürfnisse
  • Die Kosten und Einnahmen aller Vereinigungen durch eine externe Stelle durchleuchten lassen
  • Das Resultat an der SRV-Generalversammlung 2022 vorstellen und zur Abstimmung bringen

Reaktionen

Dazu gab es in einer anschliessenden Plenumsdiskussion diverse Rückmeldungen. Eine davon hielt Josef Peterleithner (vom ÖRV), welcher darauf hinwies, dass es auch in Österreich mehrere Verbände gebe, die in der Krise zusammengerückt seien und welche nun auch über die Schaffung eines Gesamtverbands sprechen - er begrüsse deshalb diese gleich gelagerten Bemühungen in der Schweiz. Tim Bachmann (CEO Hotelplan und Vorstandsmitglied SRV) lancierte seinerseits einen «flammenden Appell» an die anwesenden Branchenvertreter bzw. an die Reisebranche generell, endlich über «historische Konflikte» hinweg zu kommen, damit man auch wieder vorwärts schauen könne. Auch Deniz Ugur (CEO Bentour) meldete sich zu Wort und monierte, man müsse in der Schweiz zu einer Stimme kommen - vor dem Hintergrund, dass es eben auch für den gesamten DACH-Raum eigentlich eine gemeinsame Stimme für die Reisebranche brauche.

Marcel Heggli (Heggli Reisen) unterstützte, sprechend für die Retailer, ebenfalls diesen Schritt, der «wichtig für die ganze Branche» sei. Marcel Gehring (CEO Let's Go Tours) bedankte sich für die Arbeit der Reisegruppe und nannte dies «den richtigen Weg» und appellierte an den Vorstand, diese Input auf- und ernst zu nehmen und an einer Lösung zu arbeiten.

Der frischgebackene neue Präsident Martin Wittwer trug zu den unterstützenden Worten bei und stellte klar, dass man diese Weg «zeitnah verfolgen» werde. Es sei aber wichtig zu unterscheiden, ob man ein Verband oder eine Einkaufsgenossenschaft sei, weil ein Verband nicht eine «Interessengemeinschaft» sein könne. André Lüthi schliesslich hielt fest, dass von den anderen Verbänden/Gruppierungen klare Absicht gezeigt wurde, aktiv mit zu arbeiten - doch dabei werde es gelten, Differenzen hinsichtlich Mitgliederbeiträgen und dergleichen aus dem Weg räumen zu können.

(JCR)