Tourismuswelt

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Für 15 Franken den Test zuhause ausführen und das Zertifikat erhalten: Viele hoffen, dass dies bald definitiv ermöglicht wird. Bild: AdobeStock

«Zertifikat per Webcam» im Fokus des BAG

Der Anbieter Laive bot jüngst für 15 Franken Covid-Selbsttests mit Webcam-Anleitung an, welche auch zertifizierbar sind. Was zunächst gut funktionierte, wird aktuell vom BAG untersucht.

Bereits im Juli berichtete Travelnews über LAIVE, den in Deutschland beheimateten Anbieter von Covid-Antigen-Selbsttests per Webcam, der auch Test-Zertifikate per PDF ausstellt. Das Modell fand sofort Anklang, doch gab es auch viele Rückmeldungen dazu, ob dies alles rechtens und vertrauenswürdig sei. Neu in den Fokus ist das Angebot spätestens mit der Einführung der 3G-Zertifikatspflicht Mitte September gerückt.

Zur Erinnerung: Seit dem 13. September 2021 gilt im Innern von Restaurants, von Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie an Veranstaltungen in Innenräumen eine Zertifikatspflicht; diese wird auch teils von Arbeitgebern im Rahmen von Schutzmassnahmen vorgegeben; ab dem 11. Oktober werden die Covid-Tests zudem kostenpflichtig. Im Reisebereich hat sich gezeigt, dass einzelne Länder auch von Geimpften noch einen Testnachweis verlangen (teils ausschliesslich PCR, welche LAIVE nicht anbietet, in manchen Fällen aber auch Antigen). Und auch Personen, die nur einmal geimpft sind (Genesene), müssen sich hin und wieder mit einem Zertifikat ausweisen können. Der Bedarf an Tests ist damit schon jetzt ungemein gestiegen. Und da eröffnen sich Geschäftsmodelle, wie auch die Lancierung von Testasy jüngst unterstrich.

Doch seit dem 30. September ist auf der LAIVE-Website beim Kaufangebot der Vermerk «Ausverkauft». Das hat nichts mit Kapazitäten zu tun, sondern - wie vom «Blick» kolportiert - mit einer Untersuchung des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Dazu muss man das LAIVE-Modell betrachten: Damit der Test zuhause durchgeführt werden kann, wird ein Testkit benötigt, das allen Anforderungen des RKI (Robert Koch Institut) entspricht, und damit eigentlich auch jenen des BAG. Dann kann online ein Testtermin gebucht werden; frei je nach Verfügbarkeit. Um den Test durchführen zu können, muss man als Testperson die Identität bestätigen können, also den Pass oder die ID parat haben. Es erfolgt eine Anleitung per Webcam, was wie durchzuführen ist, danach nimmt man den Selbsttest vor. Ist dieser negativ, kann anschliessend ein Zertifikat beantragt werden, welches dann per Mail in PDF-Form zugesandt wird.

Eigentlich lässt das BAG aber keine Zertifikatsausstellung bei Selbsttests zu. Bislang funktionierte es so, dass das Zertifikat auf eine deutsche App heruntergeladen und von dieser dann in die Schweizer Covid-App übertragen wird. Ein Extraschritt, der die Legitimierung des Zertifikats beinhaltet, wie «20 Minuten» in einem Selbsttest schrieb. Wie das BAG festhält, ist das Zertifikat in der Schweiz gültig, wenn es über die deutsche Covid-App anerkannt wird. Doch offenbar will das BAG nun mit den deutschen Behörden abklären, was genau wie vor sich geht und dann auch nach Schweizer Recht zulässig ist.

LAIVE will zu den aktuellen Verhandlungen mit dem BAG bzw. den deutschen Behörden keine Stellung nehmen. Sollte alles rechtens sein, dürfte die Nachfrage aber explodieren: Leidglich 14.90 Franken kostet die Anleitung per Webcam inklusive Zertifikatsausstellung, dazu kommen lediglich noch die Kosten für den Selbsttest, welche aktuell bei rund 5 Franken liegen. Aktuell muss man mancherorts für Test und Zertifikat noch bis zu oder gar über 100 Franken berappen - auch beim neuen Anbieter Testasy.

(JCR)