Tourismuswelt

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Sunday Press Statt «Testen, testen, testen» heisst es leider «Sollte, könnte, müsste»

Der Bundesrat erklärt, nur intensives Testen bilde einen sinnvollen Weg aus der Corona-Krise. Doch bei der Umsetzung hapert es an allen Fronten - Die Corona-bedingte Tourismuskrise am Beispiel von Phuket, Schweden, Chile und Kuba. - Der Kanton Schwyz schert sich nicht um Corona-Verbote.

Lust machende Reiseberichte sind in Zeiten eines Quasi-Lockdowns und wenig bis gar keiner Reisetätigkeit in den Sonntagstiteln kaum zu finden. Luftfahrt, Car-Branche, Bahnreisen? Fehlanzeige. Aus dem Ausland erreichen uns immerhin Schilderungen der Corona-bedingten Tourismus-Misere. Zentrale Themen sind dagegen das Testregime und die dafür offenbar fehlende klare, nationale Richtung - wir haben deshalb diese auch für den Tourismus relevanten Themen mit aufgenommen. Wir wünschen einen schönen sonnigen Sonntag und angenehme Lektüre.


Das BAG verzögert die Zulassung eines Corona-Schnelltests

Die Corona-Schnelltests sind derzeit in aller Munde. Wegen Unklarheiten und sich ändernden Regeln treiben diese aktuell die Reisebranche in den Wahnsinn. Und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) kriegt nun auch in der Sonntagspresse deswegen sein Fett weg. Die «SonntagsZeitung» schildert, wie das vom Bundesrat dringlich empfohlene weitverbreitete Testen unnötig verzögert wird: Beim BAG liegt seit einem Monat ein Gesuch für die Zulassung eines Schnelltests. Der Test der südkoreanischen Firma PCL ist in zahlreichen europäischen Ländern schon im Einsatz, zum Beispiel in Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Grossbritannien und Spanien.

Antigen-Schnelltests sind im Vergleich zu herkömmlichen PCR-Tests einfacher durchzuführen, deutlich billiger und liefern schneller Resultate. Das BAG will zum Zulassungsverfahren nichts sagen, auch nicht, wieso es so lange dauert. Es brauche eine eingehende Prüfung von Tests. «Das BAG ist bemüht, so rasch wie möglich qualitativ hochwertige Tests für die Nutzung ausserhalb der Labore zu ermöglichen», lässt BAG-Sprecher Daniel Dauwalder ausrichten. Man sei im BAG jedoch gegenüber Speicheltests, die direkt und nicht in einem Labor mit der PCR-Methode untersucht werden, grundsätzlich kritisch eingestellt. Bei diesen Schnelltests würden etwa zehn Prozent der Getesteten als negativ angezeigt, obwohl sie das Virus in sich trügen. Bei dieser Aussage stützt sich das BAG auf eine Studie vom Oktober am Universitätsspital Genf.

PCL hat wenig Verständnis dafür und erklärt, dem BAG liegen eine Studie und Untersuchungen zur Wirksamkeit des Tests seit Wochen vor. Dass die Genauigkeit um einen Prozentpunkt hinter gängigen PCR-Tests liege werde dadurch aufgehoben, dass der Test früher und dank tiefem Preis und einfacher Handhabung viel häufiger eingesetzt werde. Dies wiederum entlaste auch das Gesundheitspersonal. In gewissen Kantonen werden Speicheltests bereits grossflächig angeboten. Die Wirtschaftsverbände machen nun auch Dampf: Es sei nicht das erste Mal in dieser Pandemie, dass das Bundesamt sinnvolle Ideen aus der Privatwirtschaft verzögere oder gar verhindere. Statt dass Privatwirtschaft und Staat zusammen die Pandemie bekämpfen, sorge sich das BAG vor allem darum, nicht die Kontrolle zu verlieren. Letzteres gibt das BAG sogar zu.

Kantone trödeln bei Konzepten mit Massentests

Am vergangenen Mittwoch beschwörte der Bundesrat an seiner wöchentlichen Medienkonferenz erneut die «Losung der Corona-Zeit», welche für ein Ende von Lockdowns und weiteren Einschränkungen - etwa auch in der Reisewelt - sorgen soll: «Testen, testen, testen», sagt etwa Bundesrat Guy Parmelin Mantra-mässig.

Eine Studie zweier ETH-Forscher gibt diesem Mantra recht: Anhand komplexer Modelle haben die Professoren Patrick Jenny und Wolf-Dietrich Hardt berechnet, dass der R-Wert massiv gesenkt werden könnte, wenn grosse Teile der Bevölkerung schweizweit regelmässig Spucktests machen würden, wie der «Tages-Anzeiger» in einem am Wochenende nochmals aktualisierten Bericht festhält. Dabei würde es ausreichen, wenn man sich auf die 15- bis 65-jährigen Menschen konzentrieren würde, denn dieser Teil der Bevölkerung ist der mit Abstand grösste Treiber der Pandemie, weil unter ihnen 95 Prozent der zwischenmenschlichen Kontakte stattfinden. Wöchentlich müssten rund 4,6 Millionen Tests durchgeführt werden. Die neusten Tests sind bei Anwendung und Auswertung so einfach, dass dies klappen könnte. Und damit liesse sich laut ETH auf viele Lockdown-Massnahmen verzichten, ohne dass die Fallzahlen steigen. Angesichts von Kosten von 11 Franken pro Test würde dies zwar 50 Millionen Franken pro Woche kosten, was aber deutlich weniger ist, als wegen der Lockdown-bedingten Kompensationen zusammenkommt.

Allerdings trödeln die Kantone. Selbst jene wenigen mit Konzepten für Massentests sind weit entfernt von dem, was die ETH-Professoren für notwendig halten, um eine raschere Öffnung von Restaurants sowie Sport- und Kulturanlässe zu ermöglichen. Seit der Bundesrat im Januar den Kantonen Massentests empfohlen hat, haben gemäss dem Bundesamt für Gesundheit 13 Kantone ein Konzept für solche Präventivtests eingereicht. Von eigentlichen Massentests sprechen aber nur wenige, etwa der Kanton Graubünden. Die allermeisten sehen bloss das wiederholte Durchtesten von Heimbewohnern vor. Einzelne würden auch Schulen oder Betriebe testen wollen. Die Zahlen werden bescheiden bleiben. Man werde mit dem Bundesrat nochmals über die Teststrategie sprechen müssen.

So ergeht es Schweizerinnen, die im Ausland touristisch tätig sind

Die «SonntagsZeitung» hat sich mit drei Schweizerinnen unterhalten, welche jeweils in Schweden, in Patagonien und in Kuba Tourismusgäste betreuen - und zeichnet dabei ein klares Bild, wie global die Corona-bedingte Tourismuskrise ist.

Amanda Hessle, seit 22 Jahren in Schweden, Mutter von drei Kindern und Fremdenführerin, steht vor der grossen Leere. Die Schweden schauten der Entwicklung des Coronavirus lange Zeit zu, ein harter Lockdown wurde bis heute nicht verhängt. Aber die ausländischen Gäste fehlen. Deshalb fokussiert Hessle nun auf einheimische Touristen. Die neuen Erfahrungen seien wertvoll, denn auf die Branche in Schweden komme ein weiterer schwieriger Sommer mit sehr wenig Buchungen zu. Als selbstständige Reiseleiterin sieht sich die gebürtige Schwyzerin jetzt breiter aufgestellt. Sie hat sich zusätzliches Wissen angeeignet, etwa im Umgang mit sehbehinderten Touristen, hat ihren Übersetzungsdienst ausgebaut und viel für ihr Netzwerk getan.

Jacqueline Straubhaar, seit 12 Jahren in Patagonien, müsste jetzt mitten in der Hochsaison stecken. In Puerto Natales im chilenischen Teil Patagoniens hat sie ein Hostel mit aufgebaut und war für chilenische, deutsche, Schweizer Tourenanbieter im Nationalpark Torres del Paine unterwegs. Wegen Corona ist sie aktuell zurück in der Schweiz und arbeitet in einer Brauerei im Berner Oberland, stets mit einem Blick auf Patagonien. Der Tourismus dort werde sich nur langsam erholen. Zu hart hat Corona Chile und Argentinien getroffen. In Chile unterbrach die Pandemie die landesweiten Unruhen. Die Proteste köcheln auch im Lockdown weiter, sie dürften bald wieder aufflammen. Und Argentinien verarbeitet den längsten Lockdown der Welt, sechs Monate war die Bevölkerung zu Hause eingesperrt. Das alles hat für Straubhaar Konsequenzen: Sie plant, ihr Knowhow zu Patagonien künftig von der Schweiz aus weiterzugeben.

Melanie Buchser schliesslich, seit vier Jahren in Havanna Gastgeberin und Travelnews-Lesern bekannt, schildert, wie in Kuba plötzlich alles still stand, wie man kaum mehr raus durfte und es nur zu essen gab, was der Markt hergab. Vor jedem Haus stand ein Behälter mit Chlor, Desinfektionsmittel gab es kaum auf der Insel. Buchser hatte Zeit zum Deutschunterricht für die Nachbarn und für neue Pläne: das Angebot aktualisieren, neue Destinationen recherchieren. Nach vier Monaten Quarantäne entschied sie sich dennoch für die Rückkehr in die Schweiz. Die Bilanz der Hochsaison, die auf Kuba von November bis April dauert, war verheerend. Für ihre in der Schweiz gemeldete GmbH gab es für die erste Phase Soforthilfe vom Bund, dazu nahm sie mit ihrer Geschäftspartnerin einen Corona-Kredit auf. Mitte Dezember hat Kuba die Grenzen für Touristen wieder geöffnet. Buchser will nun bald wieder in die Karibik fliegen, und bemerkt: «Die Leute, die kommen, dürfen sich freuen. Es gibt keinen Massentourismus. Die Hotspots sind leer!»

Misere auf Phuket

Die «SonntagsZeitung» widmet der thailändischen Ferieninsel Phuket, welche gleichzeitig die reichste Provinz des asiatischen Landes ist, einen ganzseitigen Artikel. Und zeigt die verheerenden Folgen für den Tourismus, welche die Corona-Bedingte Quasi-Abschottung der Insel hat. Diese kann man theoretisch zwar besuchen, aber zwingend mit einer 14-tägigen Quarantäne in Hotelkasernierung verbunden. Seit die Hauptsaison im November eröffnet wurde, kamen pro Monat gerade mal 400 Besucher nach Phuket. Viele Hotels stehen leer, einige haben bereits geschlossen. Die Umsätze fielen um 90 Prozent.

Einheimischer Tourismus wird derzeit subventioniert. Viele hatten die Gelegenheit genutzt, um sich endlich mal Phuket anzusehen, das so etwas wie das St. Tropez für die Thailänder ist: normalerweise etwas zu teuer, um dort mehr als ein, zwei Tage Ferien zu machen. Aber im Januar wurde Reisen sogar innerhalb Thailands schwieriger - wegen eines Covid-19-Ausbruchs auf einem Fischmarkt nahe Bangkok. Seitdem bleiben auch die Einheimischen weg. Unternehmer vor Ort vermissen eine Vision für die Insel. Man könnte Phuket in Zukunft begehrenswerter für Luxustouristen machen, als sicherste Insel der Welt promoten, oder eine wirklich grüne Insel daraus machen - mit reiner Elektromobilität statt der stinkenden Motorroller und Tuktuks, die derzeit ungenutzt am Strassenrand parken.

Doch für so etwas müsste ein Regierungsbeschluss her, und obendrein sei Thailand gefangen in einer gigantischen Bürokratie. Regelungen würden zentral und ohne Differenzierungen ausgesprochen - egal, ob in einer Provinz Landwirtschaft, Industrie oder Tourismus wichtig sind. Auf etwa 17 bis 20 Prozent beläuft sich der Anteil des Tourismus am Bruttosozialprodukt Thailands. Trotzdem wird alles über einen Kamm geschoren und Phuket genauso schwer erreichbar gemacht wie der Rest des Landes. Sogar nach dem Tsunami wurde der Tourismus wieder schneller hochgefahren. Nun warten also alle, dass wieder Leute kommen. Dass die Welt wieder zu Gast sein will auf Phuket. «Fünf Jahre wird es mindestens dauern, bis wir uns davon erholt haben», sagt Preechavude Keesin, der «Pate von Patong».

Vermischtes

In allen Sonntagstiteln gibt es Berichte zur freitäglichen Medienkonferenz von Schweiz Tourismus, über welche Travelnews bereits berichtet hat.

Aufgefallen ist im Reiseteil der «SonntagsZeitung» eine geplante Leserreise nach Jamaika, der geplanten künftigen Edelweiss-Destination. Dazu gibt es einen Artikel über den einsam gelegenen Relais d'Arpette im Wallis sowie einen Artikel über einen Snow- & Safety-Kurs auf dem Titlis.

Interessant auch der Bericht der «SonntagsZeitung» vom Fronalpstock SZ, wo das Gipfelrestaurant wieder geöffnet ist (Schwyz foutiere sich um die nationale Covid-Verordnung) und sich am Wochenende zahllose Wintersportler verpflegten. Die Regeln sind klar: maximal vier Personen pro Tisch (Ausnahme Eltern mit eigenen minderjährigen Kindern), per QR-Code registrieren, Schutzmaske erst am Tisch ablegen, kein Alkohol. Normalerweise bietet die Terrasse Platz für 400 Gäste, jetzt sind nur 168 Sitzplätze erlaubt. Plexiglaswände trennen die langen Tische. Das Gipfelrestaurant macht das Möglichste, damit sich die Wintersportler sicher fühlen. Aber das nütze alles nichts, wenn sich die Leute nicht an die Regeln halten, ärgert sich ein Ehepaar aus Eglisau ZH, das auf dem Stoos eine Ferienwohnung besitzt. So richtig wohl fühlen sie sich nicht, «zu viele Menschen», sagt der Mann. Zu viele, die am Sessellift nicht Abstand halten, keine Maske oder diese unter der Nase tragen, ergänzt die Frau.

Ähnliche Beispiele finden sich auch im «SonntagsBlick», wo über die Fasnacht in Einsiedeln SZ berichtet wird. Auch da hat man sich im Kanton Schwyz bewusst über Corona-Regeln hinweggesetzt. Wie wäre wohl der Aufschrei, wenn sich Ausland-Reisende einfach so über Corona-Gesetze stellen würden?

Im «SonntagsBlick» findet sich auch ein Artikel mit Globetrotter-CEO André Lüthi, in diesem Fall in seiner Funktion als einer der Mitbesitzer des Blausee AG im Berner Oberland. Er und die Mitbesitzer Stefan Linder und Philipp Hildebrand hätten vor eineinhalb Jahren das Quellwasser, das für die Fischzucht verwendet wird und für das die Betreiberfirma während Jahrzehnten dem Kanton selbstverständlich einen jährlichen Zins entrichtete, weil es sich um ein öffentliches Gewässer handelt, flugs zum privaten Besitz erklärt. Es folgte ein juristisches Tauziehen - und dies wegen einem monatlichen Rechnungsbetrag von etwa 750 Franken. Aktuell hat die Berner Baudirektion eine Beschwerde der Blausee-Besitzer gegen die konzessionspflichtige Nutzung der Quelle abgewiesen. Die Blausee-Besitzer haben bis kommende Woche Zeit, die Sache an das Berner Verwaltungsgericht weiterzuziehen.

(JCR)