Tourismuswelt

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Sunday Press Auf den Flockdown folgt der Pistensturm

Die langen Warteschlangen vor den Schweizer Bergbahnen irritieren. – Keine Kurzarbeits-Kompensation für Hotelplan-Angestellte. – Firmen, die erst ab März 2020 gegründet wurden, erhalten keine Härtefallentschädigung.

Am Mittwoch schickte der Bundesrat die Schweizer Bevölkerung in den zweiten Lockdown (ab 18. Januar) und am Donnerstag und Freitag kam der grosse Schnee. Mit irren Konsequenzen: Gestern Samstag ellbögelten sich viele Schweizer auf Schnäppchenjagd durch die Shoppingzenter, viele andere standen in der Schlange vor den Bergbahnen, um sich auf die verschneiten Pisten zu stürzen. So war das wohl kaum gedacht mit dem zweiten Lockdown, um die sich ausbreitende Virenvariante B117 zu stoppen.

Die Sonntagspresse berichtet über den Grossandrang in den Skigebieten. Der viele Schnee und das schöne Wetter haben viele in die Berge gelockt. In den Skigebieten Verbier VS, Laax GR, Arosa GR und auf den Flumserbergen SG gab es riesige Warteschlangen vor den Lift. Ein Bild in der «NZZ am Sonntag» zeigt die Skitouristen eng beieinander an der Talstation in Verbier. Im dazugehörenden Bericht blickt die Zeitung nochmals auf die bisherigen Versäumnisse zurück. Obwohl Infektiologen schon anfangs Dezember von der britischen Variante B117 wussten, liess man Briten über Weihnachten einreisen.

Kommt Schliessung der Skigebiete?

Im Interview mit der «Schweiz am Wochenende» bedauert Bundesrätin Viola Amherd die Absage der Lauberhorn-Rennen: «Die schönen TV-Bilder bedeuten immer Werbung in der ganzen Welt. Auch für die Wirtschaft und den Tourismus wäre die Austragung gut gewesen. Aber die Absage war unumgänglich.»

Ob die Skigebiete offen bleiben? Dazu sagt die Magistratin: «Auf einer Skipiste ist man an der frischen Luft. Im Moment ist es richtig, dass sie offen sind, aber wir müssen flexibel sein. Je nach Entwicklung könnte eine Schliessung nötig werden. Das Virus gibt den Takt vor, nicht die Politik. Es ist kaum möglich, langfristig zu planen.»

Zudem sagt sie, es müsse je nachdem geprüft werden, ob einreisende Touristen an der Grenze einen Coronatest machen sollten. «Eine Grenzschliessung müsste man sehr gut überlegen. Sie hätte in anderen Bereichen gravierende Konsequenzen und sie müsste europaweit abgesprochen werden, sonst funktioniert sie nicht.»

Flockdown und Lawinen

Nach den Rekordniederschlägen brauche man nicht in die Berge zu fahren, schreibt der «Sonntagsblick» und titelt «Flachland im Flockdown». Um den totalen Schneespass zu erleben, reiche auch der Uetliberg oder sonstige Hügel. In Asp AG auf 600 Metern ü. M. wurde nach vier Jahren der Skilift wieder mal in Betrieb genommen.

In den Bergen erhöhte sich wegen des vielen Schnees indes die Lawinengefahr. In Engelberg OW und auf dem Stoos SZ forderten Lawinen am Samtag je ein Menschenleben. Bisher sind in der Schweiz in diesem Winter zehn Menschen in Lawinen tödlich verunglückt.

Keine Kurzarbeits-Kompensation für Hotelplan-Angestellte

Migros streicht laut einer Meldung des «Sonntagsblicks» die Kurzarbeit-Kompensation. Tausenden Migros-Mitarbeitern wurden 2020 die Lohneinbussen ergänzt. Dies wolle Migros nicht mehr generell tun. Ein Migros-Sprecher bestätigt der Zeitung. «Es trifft zu, dass die Migros die Kurzarbeitsentschädigung per Januar 2021 auf die gesetzlich vorgeschriebene Abdeckung angepasst hat.»

Von der Massnahme sind unter anderem Mitarbeiter der 330 Fitness- und Freizeitanlagen, 1600 Angestellte der Migros Klubschule sowie rund 2600 Mitarbeitende des Reiseunternehmens Hotelplan betroffen, schreibt der «Sonntagsblick». Wobei unklar ist, wie die Zeitung auf die Zahl 2600 gekommen ist. (Ende 2019 waren es 875 Mitarbeitende bei Hotelplan Suisse, mittlerweile eher noch 600).

Swiss-Kabinenpersonal sagt Ja zum Sparpaket

90 Prozent des Swiss-Kabinenpersonals ist bereit, einschneidende Sparmassnahmen zu akzeptieren, schreibt die «Schweiz am Wochenende». Die Gewerkschaft Kapers hatte mit der Swiss ein Sparpaket ausgehandelt, über das die Mitglieder abstimmen konnten. Die Buchungslage müsse sich allerdings in den nächsten Wochen massiv verbessern, damit die Swiss ohne Entlassungen durch die Krise kommen könne, wird Kapers-Präsidentin Sandrine Nikolic-Fuss zitiert.

Für die Swiss-Flight-Attendants läuft der Gesamtarbeitsvertrag dank der Annahme des Sparpakets bis 2024 weiter. Auf allen Lohnstufen müssen die Angestellten allerdings Abstriche machen, schreibt die Zeitung. Zwar gebe es nach wie vor Kurzarbeitsentschädigungen, doch jene, die unter 4000 Franken verdienen, erhalten ab März bis Dezember nur noch 95 Prozent des Lohns. Bis anhin bezahlt die Swiss die Differenz auf 100 Prozent. Im Jahr 2022 entfällt für alle der 13. Monatslohn und 2023 gibt es keine Lohnerhöhungen.

Studentenbleibe Swissôtel

Anfangs Woche schrieben wir darüber, dass das geschlossene Swissôtel in Zürich-Oerlikon ab 2024 in einer Mischform neu entsteht – bis zum 12. Stock als Hotel, in den Stockwerken 13 bis 18 entstehen 132 Kleinwohnungen.

Wie das Hochhaus  bis zum Baubeginn zwischenzeitlich genutzt wird, schreibt nun die «Schweiz am Wochenende». Die Hotelzimmer und Eventflächen werden vermietet. Gemäss einem Sprecher des CS-Immobilienfonds werden unter anderem Touristen und Studenten angesprochen. Die Zimmer können tage- oder monatsweise belegt werden.

Patagonia will nicht mehr wachsen

Die Outdoor-Marke Patagonia stellt gemäss der «NZZ am Sonntag» ihre Firmenstrategie radikal um und will nicht mehr wachsen. Nach einer Überprüfung der Strategie stünden andere Faktoren im Vordergrund, sagt Konzernchef Ryan Gellert. «Immer grösser zu werden, heisst nicht zwingend, effektiver zu sein. Wir wollen unsere Anliegen jetzt vom Wachstum entkoppeln».

Patagonia wolle, eine neue Definition für Erfolg finden. «Ich möchte zum Beispiel in unseren Umsatzzahlen jede Referenz zu Wachstum eliminieren. Dafür sollen neue Aspekte wie die Umweltverträglichkeit mitberücksichtigt werden», so Gellert. Gleichzeitig solle das Unternehmen aber profitabel sein. «Ohne Marge haben wir keine Mission». Der Konzern müsse einen akzeptablen, wettbewerbsfähigen Betrag verdienen, «mehr nicht».

Neue Firmen gehen leer aus

Rund 6000 Unternehmen erhalten trotz erneuter Zwangsschliessung laut einer Meldung der «Sonntagszeitung» keine Härtefallentschädigung vom Staat. Unternehmen, die nach dem 1. März 2020 gegründet, sowie Firmen, die aufgrund einer Fusion, einer Übernahme oder einer Umstrukturierung neu im Handelsregister eingetragen wurden, seien von den neuen Regelungen ausgenommen. Diese Ungleichbehandlung sei diskriminierend, teilte der Schweizerische Gewerbeverband SGV Finanzminister Ueli Maurer in einem Brief mit.

Pulver gut in Niseko

Auf den Reiseseiten heute zu finden: schöne, kleine Langlaufgebiete in der «Schweiz am Wochenende». Und über Skifahren mit gutem Gewissen, schreibt die «Sonntagszeitung» und nennt Schweizer Skigebiete, die auf Beschneiungsanlagen verzichten. Eine Prise Exotik kommt beim Artikel über die japanische Skiregion Niseko auf, am Fuss des Vulkans Mount Yotel, ebenfalls in der «Sonntagszeitung». Doch auch hier greift die Krise um sich. In den Vorjahren waren 90 Prozent der Gäste Ausländer, die derzeit aber nicht einreisen dürfen. Und die «NZZ am Sonntag» wartet mit einem Reise-Special auf, beleuchtet werden etwa neue Refugien auf den Malediven, Kulturstätten in Yucatan und schöne Inselchen zwischen Korsika und Sardinien.

(GWA)