Tourismuswelt

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Sunday Press Wie sicher ist das Fliegen in Corona-Zeiten wirklich?

«Schnelltests statt Quarantäne» lautet die Forderung von vielen Seiten - doch auch dabei gibt es noch Unklarheiten. – Unsicherheiten gibt es auch beim Wintergeschäft in den Schweizer Alpen. – Wo bleibt die Hilfe? Zukunftsangst bei vielen KMU. – Die Lufthansa Group prüft eine «Schlafcouch» im Flugzeug. – KLM wirft dem Flughafen Zürich Bevorteilung der Schweizer Airlines vor.

Schnelltests statt Quarantänepflicht: Gar nicht so einfach

Seit langem verlangen die Airlines (bzw. die ganze Reisebranche), dass statt einer Quarantänepflicht Reisende mittels Schnelltests geprüft werden sollen. Doch nun wurde klar: Bei einem Emirates-Flug von Dubai nach Auckland Ende September mit 86 Passagieren steckten sich sieben Personen mit Corona an, obwohl an Bord Maskenpflicht herrschte. Angesteckt hatte sie ein Passagier aus der Schweiz, der zuvor einen negativen Test vorgewiesen hatte.

Über diesen Fall berichtet die «SonntagsZeitung» und sieht darin einen Rückschlag. Passagiere sollten doch sorglos in ein Flugzeug steigen können, zumal Airlines, Flugzeugbauer und der Airline-Dachverband IATA stets predigen, Flugreisen seien sicher, dank desinfizierten Maschinen, HEPA-Luftfiltern an Bord und dergleichen. Das Blöde ist nun aber, dass beim Emirates-Fall niemand etwas falsch gemacht hat. Und nur dank Quarantäne in Neuseeland hat sich das Virus nicht weiterverbreitet.

Der Schweizer hatte drei Tage vor Abflug ein negatives Testresultat erhalten - und war auf dem Flug dann doch ansteckend, was zeigt, dass die Inkubationszeit immer noch nicht klar bestimmt ist. Darüber hinaus erwies sich, dass alle infizierten Fluggäste nah beisammen sassen: maximal zwei Reihen vor oder hinter dem Schweizer, der mit seiner Partnerin (die ebenfalls infiziert wurde) reiste. Die IATA sagte zum Fall lediglich: Dass es zu Ansteckungen kommen kann, sei nie geleugnet worden, und doch sei es in Flugzeugen allgemein sicher. Das mag stimmen, gilt aber nur, solange sich die Beteiligten auch an die Hygieneregeln halten und ständig einen Mund-Nasen-Schutz tragen. An Bord eines Fluges von 18 Stunden ist das kaum realistisch. Laut der Studie gaben beide Passagiere aus der Schweiz an, nicht nur während des Essens, sondern auch zum Schlafen die Masken abgenommen zu haben. Da eine der Personen offenbar hochansteckend war, nützte auch die HEPA-gefilterte Luft nicht.

Was nun? Die Swiss befindet sich in der Ausarbeitungsphase von Pilotflügen, um Corona-Schnelltests ab der Schweiz zu erproben. Das Problem der
Inkubationszeit bleibt aber bestehen. «In bestimmten Fällen kann auch die Kombination aus einem Schnelltest vor Abflug und einem weiteren Test nach Ankunft ein zielführender Weg sein, um bei Risikogebieten ein besonders hohes Schutzniveau zu gewährleisten», heisst es dazu bei Swiss.

Die grossen Fragezeichen bei der Schweizer Wintersaison

Skifahren sich die Schweizer den Groll der Nachbarstaaten ein? Dieses Szenario könnte dann eintreten, wenn die Nachbarländer die Eröffnung ihrer Skisaison verschieben und Touristen aus Deutschland, Frankreich, Italien und anderen Ländern in die Schweiz ausweichen. Die grosse Frage ist, ob die Schutzkonzepte halten und auch diszipliniert umgesetzt werden. Gondeln und schlecht belüftete Bergrestaurants sind potenzielle Problempunkte. Und da das Einzugsgebiet im Wintersport national bis international ist, muss das Contact-Tracing für das Brechen von Infektionsketten sehr effektiv umgesetzt werden.

Mit Blick auf den Wintersport besteht tatsächlich ein Dilemma, bilanziert die «NZZ am Sonntag». Aus epidemiologischer Sicht sollten möglichst wenig Menschen nahe beieinander sein, doch benötigen Bergbahnen und Bergrestaurants viele Gäste, um rentabel zu sein. Schweiz Tourismus ist deshalb bemüht, Vertrauen zu schaffen, dass die Schutzkonzepte funktionieren. Bundesrat Alain Berset sagte zwar, dass das Skifahren möglich sein werde, doch machte er nicht den Eindruck, als sei dieser Entscheid unumstösslich. Laut der «SonntagsZeitung» hat Berset die Volkswirtschaftsdirektoren der Kantone Graubünden, Uri und Wallis sowie die Seilbahnen Schweiz am Donnerstag und Freitag darüber informiert, dass die bestehenden Schutzmassnahmen in den Skiorten verschärft werden müssten, und zwar drastisch. Demnach sollen nur zwei Drittel der Durchschnittsfrequenz der letzten fünf Jahre (worunter zwei praktisch schneelose Winter waren) in ein Skigebiet gelassen werden.

Trotz allgemeiner Verunsicherung laufen vor allem Buchungen mit Wohnungen gut. So wurden laut «NZZ am Sonntag» über die Schweizer Plattform E-Domizil gegenüber 2019 für diesen Dezember 43% mehr Wohnungen vermietet; der gesamte Winter ergibt gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 28%. Demgegenüber verzeichnen gemäss einer Ende Oktober von Schweiz Tourismus durchgeführten Umfrage die Betriebe in den Bergen für die Weihnachtsferien und für den ganzen Winter einen Buchungsstand, der rund 20% unter demjenigen des Vorjahres liegt. Die «SonntagsZeitung» zitiert ihrerseits eine Umfrage, die von der Wintersportbranche und den Bergbahnen in Auftrag gegeben worden ist, wonach nur gerade 63 Prozent der 2818 Teilnehmer diesen Winter Skiferien machen wollen; 24 Prozent sind noch unentschieden, und 13 Prozent sprechen sich gegen Ferien im Schnee aus. Grundsätzlich werden die Regionen, die traditionellerweise vor allem von Schweizer Touristen besucht werden, eine bessere Saison verbuchen können als die Hotspots mit ausländischen Gästen, wie etwa Zermatt oder St. Moritz. Falls die Skisaison in der EU verschoben wird, könnten dort aber durchaus mehr Gäste aus umliegenden Ländern kommen. Aufgrund der Reisebeschränkungen erwartet die Tourismusbranche jedoch keine wesentliche Verschiebung zugunsten der ausländischen Gäste.

Fürs erste hat der Bundesrat das Begehren von Nachbarstaaten, den Start der Wintersaison zu verschieben, abgeblockt. Das Ausland befürchtet laut «SonntagsBlick» einen zweiten Fall Ischgl. Das Tiroler Halligalli-Mekka wurde im März zum Corona-Hotspot; aus der Après-Ski-Bar Kitzloch nahmen Touristen aus ganz Europa das Virus mit nach Hause, darunter auch etliche Schweizer. Unsere Skisaison bleibt vorerst bestehen. Dennoch ist der Bund daran, die Wertschöpfung der Skigebiete zu berechnen - also zu errechnen, was eine Schliessung der Skigebiete kosten würde. Absehbar ist vorläufig, dass die schweizweit geltenden Regeln über die Festtage Bestand haben werden, je nach Lage aber modifiziert werden können. Sprich: Die erlaubte Anzahl Personen an Familienfesten oder Veranstaltungen oder auch in Skigebieten kann noch ändern - in Form von Verschärfungen, aber auch von Lockerungen. Will heissen: Die Situation bleibt volatil.

Fliegen auf der Schlafcouch

Wirklich voll sind Flugzeuge momentan nicht. Auf der Langstrecke bleiben oft ganze Sitzreihen frei. Laut der «SonntagsZeitung» testet die  Swiss-Mutter Lufthansa daher neu auf der Strecke Frankfurt-São Paulo eine «Schlafcouch». Dabei handelt es sich um ein Paket; dazu gehören die Reservierung einer ganzen Sitzreihe (3 oder 4 Sitze), ein Business-Class-Set (Kissen, Sitzauflage und Decke) sowie ein «Priority Boarding». Buchbar ist das Ganze am Flughafen, wenn
klar ist, dass es genug Platz an Bord hat.

Auch Swiss kann sich vorstellen, ein ähnliches Angebot einzuführen: Das Projekt sei «grundsätzlich auch für Swiss relevant», sagt eine Sprecherin, «wir werden allerdings zuerst das Testergebnis seitens Lufthansa abwarten, bevor wir allfällige weitere Schritte definieren.»

Bevorzugt der Flughafen Zürich die Schweizer Airlines?

Die niederländische Fluggesellschaft KLM hat im September beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) einen Überprüfungsantrag eingereicht. Laut der Verfügung des BAZL, welche der «SonntagsZeitung» vorliegt, argumentiert KLM, dass der vom Flughafen auf die Gebühren teils gewährte Volumenrabatt «diskriminierend» sei und nur den an den Verhandlungen direkt beteiligten Fluggesellschaften zugutekomme.

Worum geht es? Der Flughafen verrechnet allen Airlines dieselben Gebühren, also 21 Franken pro Lokalpassagier oder 8 Franken für Transitpassagiere. Im Nachhinein erstattet der Flughafen den Airlines aber einen progressiv angelegten Mengenrabatt: Je mehr Fluggäste eine Airline befördert, desto weniger zahlt sie pro einzelnem Passagier. Der maximale Rabatt beträgt 10 Prozent und kommt zum Tragen, sobald mehr als eine Million Passagiere mit einer Airline abgeflogen sind. Das System besteht seit 2016 und wurde im Juli bis spätestens 2025 verlängert. An den Verhandlungen mit dem Flughafen waren dieses Jahr die Swiss und Easyjet direkt beteiligt. Man kann davon ausgehen, dass im Jahr 2019 nur die Swiss und ihre Schwester Edelweiss die Grenze der 1 Million Passagiere übersprungen haben. Swiss beförderte laut Angaben des Flughafens 54% aller Passagiere, also rund 8,5 Millionen Abflüge, Edelweiss mit 9% Marktanteil rund 1,5 Millionen Abflüge. Von den 17 Millionen Franken, die der Flughafen als Rabatte an die Airlines zurückzahlt, haben die beiden Lufthansa-Töchter damit den Löwenanteil erhalten.

Für KLM kommt das einem gewichtigen Wettbewerbsvorteil für die Schweizer gleich. Swiss und Edelweiss können das Geld entweder einsacken oder in Form von günstigeren Ticketpreisen oder besserem Service an die Kunden weitergeben. Flughafen-Sprecherin Bettina Kunz sagt zum Vorwurf derweil: «Gerade in schwierigen Zeiten, wie sie aktuell herrschen, gehen Nutzer mit einem hohen Verkehrsvolumen regelmässig auch ein höheres wirtschaftliches Risiko ein, was mit dem gewährten Rabatt entsprechend honoriert wird.» Das BAZL kommt zum gleichen Schluss. KLM kann die Entscheidung des BAZL an das Bundesverwaltungsgericht weiterziehen.

Jeder dritte Selbständige bangt um sein wirtschaftliches Überleben

Eng wird es vor allem für die kleinen Betriebe. Ihre Reserven sind bereits stark geschmolzen. So das Fazit einer Untersuchung in der «NZZ am Sonntag». Laut einer neuen Studie des Zentrums Enterprise for Society (E4S - dahinter stehen die Universität Lausanne und die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich - bangt inzwischen jeder dritte Selbständige um sein wirtschaftliches Fortbestehen. Betroffen sind demnach 200'000 Schweizer KMU, also rund ein Drittel aller KMU im Land.

Viele dieser Kleinunternehmen haben kaum finanzielle Polster. Allerdings bestehen bis jetzt kaum zuverlässige Daten über den finanziellen Zustand des Gewerbes. Die genannte Studie führte nun aber zutage, dass 49% der Selbständigen für das ganze Jahr 2020 mit einem Umsatzeinbruch von bis zu 40% rechnen, bei weiteren 19% übersteigt der Umsatzrückgang sogar die Marke von 40%. Bei den Selbständigen mit einem privaten Vermögen von weniger als 50'000 Franken erreicht der Umsatzausfall für das gesamte Jahr im Durchschnitt 52% des vorhandenen Vermögens. Im Gegensatz zu den Angestellten, die gegen Arbeitslosigkeit versichert sind, existiert für die Selbständigen kein Auffangnetz. Fallen die Einnahmen weg, bleibt den Betroffenen lediglich der Gang aufs Sozialamt. Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe prognostiziert eine deutliche Zunahme der Fallzahlen: Bis 2022 könnten 50'000 bis 100'000 Personen neu Sozialhilfe beziehen, was zu jährlichen Kosten von 1 Milliarde Franken führen würde.

«Die Selbständigen bezahlen einen hohen Preis in dieser Pandemie», sagt der Lausanner Professor Rafael Lalive. Aus diesem Grund hätten sie auch Anrecht auf eine Kompensation der entstandenen Verluste; «in normalen Zeiten trägt der Unternehmer das Risiko, wenn sein Geschäft nicht läuft. Diese Krise jedoch trifft die Firmen unverschuldet.» Immerhin hat der Bund während des Lockdown einen Erwerbsersatz für Selbständige eingeführt. 140'000 Personen haben ein Gesuch eingereicht. Doch die Zuschüsse reichen bei weitem nicht, um die betrieblichen Verluste zu decken. Der maximale Tagessatz beträgt 196 Franken; im Schnitt erreichen die Zahlungen 2000 Franken pro Monat. Dazu bezog jedes fünfte KMU einen zinslosen Notkredit – im Schnitt gut 100'000 Franken.

Der Bundesrat hat diese Woche ein neues Hilfspaket verabschiedet. Firmen, deren Umsatz um über 40 Prozent eingebrochen ist, können zusätzliche Kredite und A-fonds-perdu-Beiträge beantragen. Die maximale Summe für den Fonds beträgt 1 Milliarde Franken. Ein grosser Teil wird als Kredit vergeben – die Empfänger müssen das Geld somit wieder zurückzahlen, allerdings können die Kantone auch A-fonds-perdu-Beiträge vergeben, an denen sich der Bund dann beteiligt. Es wird aber Kritik laut, wonach Kredite die falsche Form der Unterstützung seien und wonach auch dieser Betrag bei weitem nicht ausreiche, um den sich abzeichnenden Notstand zu beheben. Etwas enttäuschend: Explizit als «stark tangierte Sektoren» genannt werden das Gastgewerbe, die Grafik- und Werbebranche sowie die Kreativwirtschaft - die Reisebranche erhält hier keine mediale Schützenhilfe.

Vermischtes

Die «SonntagsZeitung» widmet in ihrem «Reisen»-Teil einen Artikel zum Thema «Sonnenziele ohne Corona-Schatten». Laut der Zeitung bieten sich aktuell als relativ sorgenfreie Fernreiseziele folgende Länder an: Malediven, Sansibar, Costa Rica, Fujairah, Südafrika, Dominikanische Republik sowie Teneriffa. Dann gibt es noch Beiträge über den Lama-haltenden Biobauern Isidor Sepp aus dem Münstertal sowie zur Aletsch-Arena. Darüber hinaus gibt es eine 14-seitige Sonderbeilage «Winter» zu den bevorstehenden Winterferien in der Schweiz, in welcher etwa das berühmte Hotelrating von Hotelexperte Karl Wild sowie Artikel zum Hotel Cervo in Zermatt, zur Hotellerie in Davos im Licht der WEF-Absage, zu den Revier Mountain Lodges in Lenzerheide und Adelboden, zu Tipps für Winterferien im Fall eines Stillstehens der Bahnen, zu Melchsee-Frutt, zu Elm, zu Vals, zur «Winterlaken Card», zu den Milestone-Gewinnern, zum Eiger-Express und zu den «aussergewöhnlichsten Skigebieten der Schweiz», und dazu noch ein Einwurf zu Nachhaltigkeit im Wintertourismus von Martin Barth, Gründer und CEO des World Tourism Forum Lucerne.  

Im Magazin der «NZZ am Sonntag» gibt es Tipps für ein Wochenende in der berühmten Freiburger Region Gruyère.

Der «SonntagsBlick» seinerseits widmet der neuen «V-Bahn» in der Jungfrau-Region einen grossen Artikel - ein Investment von 500 Millionen Franken, welches nun ausgerechnet im Corona-geprägten Wintergeschäft 20/21 Premiere feiert.

(JCR)