Tourismuswelt

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Sunday Press Dicht an dicht vor der Bergbahn

Die Wintersportler und Berggänger versammeln sich vor den Schweizer Bergbahnen in Massen. – Genfer Mindestlohngesetz wird zum Problem der Swiss. – Die verzweifelte Suche der SBB nach Zugbegleitern.

In Zermatt, auf dem Jungfraujoch und auf dem Pilatus stehen sich die Touristen auf den Füssen. Was in anderen Jahren nichts Besonderes wäre, sorgt in diesen Tagen bei Corona-Spitzenwerten in der Schweiz für Erstaunen bis Entsetzen. Die «Sonntagszeitung» nimmt sich heute dem Thema an und wundert sich, dass die Schweizer Bergbahnen ihre Kapazitäten nicht begrenzen.

Der neue Geschäftsführer des Verbandes Seilbahnen Schweiz, Berno Stoffel, sagt zwar: «Wir müssen dem erhöhten Sicherheitsbedürfnis der Leute Rechnung tragen.» Und der Verband habe seine Mitglieder aufgefordert, diesem Aspekt besondere Bedeutung beizumessen. «Wir wehren uns aber dezidiert gegen eine grundsätzliche Kapazitätsbeschränkung in den Bahnen», sagt Stoffel. Der Verband propagiert vielmehr, wo möglich die Frequenz zu erhöhen, «mit schnelleren Fahrten oder zusätzlichen Gondeln». Weniger Passagiere aufs Mal zu transportieren, fülle nur die Warteräume, lautet die Verbandslogik.

Vereinzelte Bahnen fassen eine Limitierung immerhin ins Auge. Die Betreiber von Glacier 3000 in Les Diablerets transportieren ein Drittel weniger Passagiere. Gstaad will die Tageskarten auf 5000 limitieren. Und nach dem proppenvollen letzten Wochenende wollen nun die Pilatus Bahnen mit Absperrungen für eine bessere Kundenlenkung sorgen.

3400 oder 4000 Franken?

Nachdem sich das Genfer Stimmvolk Ende September für eine Erhöhung des Mindestlohnes ausgesprochen hat, stehe der neue Swiss-CEO Dieter Vranckx vor einem Problem, schreibt die «Schweiz am Wochenende».

Die Swiss hat in Genf rund 200 Flugbegleiter angestellt. Wie in Zürich beträgt auch in Genf der heutige Einstiegslohn für Flight Attendants rund 3400 Franken. An sich habe die Swiss wenig Spielraum – das Gesetz in Genf sei klar, schreibt die Zeitung.

Doch wenn sie künftig dem Westschweizer Kabinenpersonal plötzlich deutlich höhere Löhne zahlt, stehe die Swiss vor einem viel grösseren Problem: Was ist mit Zürich, wo der Grossteil der insgesamt rund 4000 Flight Attendants arbeiten? Wird Vranckx ihre Löhne auch anheben, während er gleichzeitig wie von seinem Vorgänger Thomas Klühr angekündigt 1000 Stellen abbauen muss? Oder nimmt er eine Zweiklassengesellschaft in der Firma in Kauf?

Auch Easyjet Switzerland steht vor dem gleichen Problem. Die Airline beschäftigt 300 Flight Attendants in Basel und Genf und wird sich nun die gleichen Lohnfragen wie die Swiss stellen müssen.

100 fehlende Kundenbegleiter

Dass die SBB verzweifelt Lokomotivführer suchen, ist bekannt. In der heutigen «NZZ am Sonntag» ist zu erfahren, dass es den SBB auch an Rangier- und Reinigungspersonal fehlt wie auch an vielen Kundenbegleitern (früher bekannt als Kondukteure, Schaffner, Zugbegleiter). Die Rede ist von 100 fehlenden Vollzeitangestellten. Oft käme es nun abends zu einem Unterbestand. Kundenbegleiter müssten spätabends alleine statt zu zweit lange Zugkompositionen kontrollieren, moniert die Verkehrspersonal-Gewerkschaft SEV.

Die SBB haben der Gewerkschaft nun eine Rekrutierungsoffensive versprochen. Wegen der Corona-Pandemie seien die Ausbildungen verzögert worden, was zusätzlich zum Personalmangel beigetragen habe, heisst es seitens der SBB. In den nächsten Monaten und im Sommer 2021 würden aber je 130 Personen ihre Ausbildung beenden.

Die Corona-Pandemie zeigt für die SBB auch eine erfreuliche Auswirkung. Einhergehend mit den tiefen Passagierzahlen und der Reduktion von Baustellen sind die Züge pünktlicher geworden.

Airlines benötigen 80 Milliarden Dollar

Fluggesellschaften weltweit brauchen dem Lobbyverband IATA zufolge in den nächsten Monaten noch weitere 70 bis 80 Milliarden Dollar, um die Folgen der Corona-Krise zu überstehen, wie am Wochenende via SDA in verschiedenen Medien zu erfahren ist. «Sonst werden einige Airlines nicht überleben», sagt Alexandre de Juniac, Generaldirektor des Internationalen Luftverkehrsverbandes (IATA). Man sei den Regierungen sehr dankbar, dass sie die Luftfahrt bereits mit 160 Milliarden Dollar unterstützten. Aber es gebe weiteren Bedarf.

IATA hatte bisher geschätzt, dass die Branche 87 Milliarden Dollar in diesem Jahr verlieren dürfte. Die jüngst verschärften Eindämmungsmassnahmen im Kampf gegen die Virus-Pandemie belasten aber das Geschäft der Luftfahrtbranche zusätzlich.

Die IATA hatte eine langsame Erholung vorhergesagt, mit einem weiteren Rückgang der Passagierzahlen um 30 Prozent im nächsten Jahr und einer Rückkehr des Luftverkehrs zum Vorkrisenniveau erst 2024. Auch das könne sich als zu optimistisch entpuppen, warnt nun De Juniac. «Wir schätzen, dass der Luftverkehr Ende 2020 bei 33 Prozent seines Niveaus von 2019 liegen wird und dann – so hoffen wir – Ende 2021 bei 50-60 Prozent.»

Wengen, Lausanne, Val Müstair

Neben der für einmal spärlichen touristischen Berichterstattung in den heutigen Sonntagszeitungen, beschränkt sich auch die Reiseinspiration auf den Reiseseiten lediglich auf Nahziele, die um die Ecke liegen.

Die «Sonntagszeitung» hat Wengen und das Arenas Resort besucht, das am 5. Dezember öffnet. Nachtskifahren, Schlitteln, Skifahren und Schlittschuhlaufen lauten die Tipps. Der altertümliche Charme Wengens entzücke Nostalgiker, sei aber auch eine Gefahr für die Zukunft. Eine weitere Reporterin hat sich den Spas in der Seerose Meisterschwanden, Bad Horn und Deltapark Thun angenommen und beschreibt dYin-Yang-Wanne, Smaragd Spa und Gym. Und Reisebuchautor Tobias Büscher äussert sich zu seinem neuen Jakobsweg-Führer.

Animierend ist die im «NZZaS-Magazin» beschriebene Wanderung im Val Müstair. Zwei Sachen machen die Wanderung zu einem Vergnügen: Erstens geht es meistens sachte bergab, und zweitens ist man durchgehend auf der Sonnenseite unterwegs. Das tue der Novemberseele einfach gut.

Und dann ist in der «Sonntagszeitung» ein weiterer Grund zu entdecken, bald wieder mal Lausanne zu besuchen. Mit Plateforme 20 verfügt die Stadt seit Kurzem nicht nur über eines der spannendes Museen der Schweiz. Lausanne hat auch einen neuen Fussball-Tempel. Das neue Stade de la Tuilière ist eine reines Fussballstadion ohne ablenkende Mantelnutzung und zudem ein architektonischer Wurf.

(GWA)