Tourismuswelt

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Hier sitzt Swiss-Pilot Philipp Ehrensperger im Zug ganz vorne - er schnupperte schon 2018 im Rahmen eines Jobtausches in einer Lok der SBB. Ist dies die vorübergehende Zukunft für Linienpiloten der Swiss? Bild: TN

Werden Swiss-Piloten bald als Lokführer bei der SBB arbeiten?

Bei beiden Berufen, Pilot/-in und Lokführer/-in, sind methodisches und exaktes Arbeiten sehr wichtig. Auch weitere Aufgaben haben die beiden Berufe gemeinsam. Dies sehen auch der Personalverband der Swiss- und Edelweisspiloten (AEROPERS) sowie der Verband Schweizer Lokführer und Anwärter (VSLF) und begrüssen eine mögliche Zusammenarbeit.

Zurzeit herrscht aufgrund der Corona-Pandemie ein enormer Überbestand an qualifizierten Linienpiloten/-innen bei der Fluggesellschaf Swiss. Die erhoffte Erholung der Luftfahrtindustrie blieb bis jetzt aus, trotz einem kurzen Hoffnungsschimmer zu Beginn des Sommers, und die Airlines sehen sich mit einem möglichen Personalüberhang konfrontiert, der über Jahre anhalten könnte, so auch in der Schweiz. Bei der SBB hingegen sieht die Situation ganz anders aus: Das Unternehmen hat nämlich mit einem Unterbestand an Lokführern zu kämpfen. Dies könnte sich jedoch bald ändern, indem Linienpiloten der Swiss vorübergehend als Lokführer bei der SBB arbeiten werden. Bewerben tun sie sich dafür schon.

Die gegensätzlichen Ausgangslagen der beiden Unternehmen haben die Aeropers (Personalverband der Swiss- und Edelweisspiloten) dazu bewogen, mit dem VSLF (Verband Schweizer Lokführer und Anwärter) in Kontakt zu treten. «Der Beruf des Lokführers und des Piloten spielen sich beide in einem hoch komplexen Arbeitsumfeld ab. Methodisches und genaues Arbeiten sind in beiden Berufen ebenso gefragt wie eine schnelle Auffassungsgabe und mentale Beweglichkeit und Belastbarkeit.», sagt der Mediensprecher der Aeropers, Roman Kälin. «Die Interaktion zwischen Mensch und Maschine und die über allem stehende Sicherheit des Transportes der Kunden von A nach B sind Beispiele für die Gemeinsamkeiten dieser beiden anspruchsvollen Berufe», so Kälin weiter.

Noch keine Konkreten Pläne für den Wechsel in den Zugführerstand

Travelnews hat genau dieses Thema im Jahr 2018 bereits thematisiert und im Rahmen eines Jobaustausches zwei Tage lang je einen Lokführer und eine Zugbegleiterin der SBB sowie einen Piloten und eine Flight Attendant der Swiss begleitet. Dieses Projekt vor zwei Jahren hat gezeigt, welche Gemeinsamkeiten die beiden Berufe haben. Vor allem bei der Verantwortung und der Sicherheit ist eine grosse Übereinstimmung zusehen.

Die beiden Berufsverbände Aeropers und VSLF stehen gemäss einer Medienmitteilung einem möglichen Einsatz von Pilotinnen und Piloten im Führerstand sehr positiv gegenüber. Hubert Giger, Präsident des VSLF sagt: «Wir sehen keine grundsätzlichen Probleme, sondern im Gegenteil viele Chancen.» Beide Verbände haben bei den Arbeitgebern ihre Zustimmung zu entsprechenden gemeinsamen Bestrebungen bekundet und ihre Unterstützung zugesichert.

Wie ein möglicher Wechsel vom Cockpit in den Führerstand einer Lokomotive aussehen könnte, ist noch offen. Denkbar ist ein temporärer Einsatz für mehrere Jahre oder aber – nach einer genügend langen Einarbeitungszeit – eine Teilzeitbeschäftigung in beiden Berufen. Hier stehen nun die Airlines und Bahnbetriebe in der Pflicht, entsprechende Modelle auszuarbeiten und anzubieten. Beide Verbände sehen hier Chancen für die Arbeitnehmer wie auch die Arbeitgeber, eine klassische Win-Win Situation. Swiss, die Bahnen und auch die Politik sind nun gefragt, in dieser speziellen Zeit effizient und unbürokratisch neue Wege zu gehen.

(TN)