Tourismuswelt

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Viele Firmen, gerade in der Reisebranche, brauchen dringend Geld. Woher soll dieses kommen? Die Banken rüsten sich auf. Bild: Claudio Schwarz/Purzlbaum

Die Banken arbeiten an Empfehlungen zum Umgang mit drohenden Insolvenzen

Der Verband SwissBanking rechnet mit vielen Insolvenzen und will helfen, diese möglichst zu minimieren. Insbesondere aber könnten die Banken der Reisebranche im Kampf gegen die Quarantäneregelungen Schützenhilfe leisten.

Die diesjährige Jahresmedienkonferenz der Bankenverbands Swissbanking stand ganz im Zeichen der Corona-Krise, ihrer Auswirkungen auf die Wirtschaft und der Rolle der Banken in dieser Zeit.

Ein Thema waren die KMU-Kreditprogramme. Man erinnert sich: Mit grosser Geschwindigkeit und dank raschem und flexiblem Einsatz der Banken, der Behörden und der SBVg (Schweizerische Bankiervereinigung) erhielten betroffene Unternehmen rasch und unbürokratisch bereits in der zweiten Woche des Lockdowns dringend benötigte Liquidität. Zahlreiche Reiseunternehmen haben solche Kredite ebenfalls verlangt und auch erhalten - allerdings hören wir von vielen Seiten, dass diese Kredite noch nicht angefasst wurden. Die Angst überwiegt offenbar, die Bücher mit diesen Krediten auf die kommenden, weiterhin unsicheren Jahre hin zu belasten. Wenn es aber ums nackte Überleben geht, müssten solche Kredite wohl doch genutzt werden?

Die Banken ihrerseits wappnen sich nun für vermehrte Insolvenzen von Schweizer Betrieben in den kommenden Monaten. Gestützt auf eine aktuelle KOF-Unternehmensbefragung sehen aktuell 14% der Unternehmen ihre Existenz als bedroht an; in der Reisebranche dürfte dieser Anteil deutlich höher liegen. Der drastische Einbruch des BIP und dessen Konsequenzen lasten auf der Wirtschaft. Deshalb arbeitet die SBVg gemeinsam mit der Branche an Empfehlungen zum Umgang der Banken mit möglichen Insolvenzen. Ziel sei es, Konkurse nach Möglichkeit zu vermeiden, indem sich die kreditgebenden Banken und die KMU bestmöglich koordinieren. Dies verschafft den Unternehmen Zeit, um Restrukturierungs- und Sanierungsmassnahmen umzusetzen und damit Arbeitsplätze zu sichern.

Interessant ist zudem, dass sich die Banken gegen die Quarantäneregeln auflehnen. SwissBanking-Präsident Herbert J. Scheidt, der für 2019 für die Banken einen Geschäftserfolg von +1,1 Prozent (neu 66 Milliarden Franken) vermelden konnte, erklärte nämlich, dass die Einführung von Quarantäneregeln das Reisen für längere Zeit schwierig machen werde. Dies betreffe die Schweiz direkt, da sie vom Export lebe, was mit entsprechenden Dienstleistungen vor Ort verbunden sei. Die Bankenbranche sehe sich selbst als Teil der Exportwirtschaft. Zur Erinnerung: Auch die Tourismusbranche ist Teil der Exportwirtschaft. Von grösster Bedeutung sei zudem der freie Marktzugang. Deshalb setzt sich Swissbanking mit Nachdruck gegen die Begrenzungsinitiative ein.

Jetzt darf man hoffen, dass die Banken mit ihrer ganzen Macht sich auch gegen die Quarantäneregelungen in Szene setzen und damit der Reisebranche indirekt Schützenhilfe leisten. Das Lobbying diesbezüglich ist von Seiten Schweiz Tourismus mit der Kampagne «Testen statt Quarantäne» bereits losgegangen (in diesem Sinne hat Travelnews auch schon argumentiert); die «Taskforce Reisebranche» mit Vertretern von SRV, STAR und TPA ist Mitinitiant und Unterzeichner dieser Kampagne.

(JCR)