Tourismuswelt

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Sunday Press Die Planungsunsicherheit bei Swiss-Flügen gibt zu reden

Dass viele Destinationen kurzfristig annulliert, verschoben oder umgeleitet werden, sorgt gerade bei Vielfliegern für Ärger. Planungssicherheit gebe es nur bei Flügen zu den Hubs der Konzernmutter Lufthansa. – Die Probleme der Fernbusbranche. – Die Probleme der Schweizer Skigebiete vor der Wintersaison. – Die Pandemie trifft Lehrabgänger besonders hart.

Eigentlich wollen wir alle reisen, können dies aber teilweise wegen behördlichen Auflagen nicht. Wir können uns diesen Sonntag immerhin in grossen Reise-Beilagen der SonntagsPresse in die Ferne träumen, den Löwenanteil der Reportagen machen aber Nahziele aus, ein Zeichen der Zeit. Besonders viele touristische Themen gibt es ansonsten nicht, ausser übliche Betrachtungen über Probleme im (dieses Mal) Flug-, Bus- und Wintersportbereich. Ein grosser Bericht über die Lage der Outgoing-Reisebranche, im Vorfeld der für diese wichtigen Herbstsession des Parlaments, fehlt leider vollständig. Nachfolgend die wesentlichen Themen dieses Wochenendes.


Vielflieger ärgern sich über die Swiss

Offenbar haben sich diverse Vielflieger, primär Geschäftsleute, bei der «SonntagsZeitung» gemeldet und dort ihrem Ärger über die Swiss Luft gemacht. Die Rede ist von Flügen nach Madrid, welche kurzerhand und ohne besonderen Hinweis um einen Tag vorverschoben wurden, danach ganz annulliert mit dem Hinweis, der Herr möge doch via Frankfurt nach Madrid fliegen (worauf der Herr bei Air Europe einen neuen, direkten Flug buchte). Ein weiterer Herr, der oft nach Venedig fliegt, nimmt jetzt das Auto, wegen mangelnder Verbindungen und weil er damit teils via München fliegen müsste.

Der aktuelle Flugplan der Swiss ist tatsächlich recht löchrig, wegen der generellen Lage, doch sei es laut einer Swiss-Sprecherin weiterhin ein Ziel, « einen möglichst verbindlichen Flugplan anzubieten». Pikant: Planungssicherheit bietet die Swiss offenbar nur für Flüge nach Deutschland und Österreich - in Länder also, wo die Konzernmutter Lufthansa mehrere Drehkreuze unterhält. Nach München, Düsseldorf, Hamburg oder Berlin oder auch gibt es mehrmals tägliche Verbindungen. In die Finanzmetropole London dagegen fliegt Swiss unter der Woche nur noch zweimal täglich, in viele andere europäische Hauptstädte noch seltener, teilweise nur noch wenige Male pro Woche (darunter etwa auch die EU-Institutionenstadt Brüssel), oder gar nicht mehr, wie im Fall von Madrid.

Natürlich muss man die generell Nachfrage berücksichtigen und nicht nur jene einiger Vielflieger. Und dass die Swiss nun das Konzern-Netzwerk auszunutzen versucht, leuchtet aus finanzieller Sicht auch ein. Doch es birgt Gefahren: Auf den verwaisten Strecken springen zum Teil andere Anbieter ein.

«Es ist sicher nicht der richtige Zeitpunkt, um Preise zu erhöhen»

Eine Umfrage der «SonntagsZeitung» bei bedeutenden Skigebieten und Gastrobetrieben zeigt, dass die meisten von ihnen zum jetzigen Zeitpunkt Après-Ski nach wie vor auf der Rechnung haben - trotz Corona. Das braucht aber Voraussetzungen, nämlich die Umsetzung der Sicherheitsmassnahmen des Bundes und der Kantone, eine konstante (tiefe) Zahl der Neuinfektionen in den kommenden Wochen und «keine ausschweifende Gemütlichkeit». Après-Ski im Sitzen und mit Social Distancing? «Es ist nicht der Winter für die grosse Spassgesellschaft», sagt Jürg Schmid, Präsident von Graubünden Ferien. Er erwartet eine Verlagerung des Après-Ski in die gehobene Gastronomie, also zum gediegenen Apero mit Freunden an der Hotelbar.

Viele Skigebiete zerbrechen sich derweil die Köpfe darüber, wie man doch noch etwas Après-Ski-Vergnügen bieten kann. Wer über keinen Aussenbereich verfügt, dürfte es schwierig haben. Dazu müssen möglicherweise auch viele Clubs in den Skisportorten geschlossen bleiben.

In einem zum Artikel gehörenden, separaten Interview gibt sich Martin Nydegger, Chef von Schweiz Tourismus, für die Skigebiete dennoch optimistisch – er erwartet gute Zahlen, ausser für jene, die bisher von vielen ausländischen Gästen lebten. Eher wenig optimistisch ist er im Winter für die Städte, das Mittelland und das Tessin.

Dass sich viele Schweizer finanziell kaum Skiferien gönnen können, lässt Nydegger nicht gelten: Es gebe Tausende erschwingliche Übernachtungsangebote in Hotels, Ferienwohnungen und Reka-Dörfern und die Skibillett-Preise seien nicht teurer als im benachbarten Ausland. Dass aber ausgerechnet jetzt mehrere Skigebiete ihre Saisonabos verteuern, versteht er auch nicht: «Es ist sicher nicht der richtige Zeitpunkt, um die Preise generell zu erhöhen. Aber wenn die Auflagen so streng sind, dass ein Skigebiet die Bergbahnen nur zur Hälfte füllen darf oder die Vorgaben unglaublich viel kosten, dann kann es durchaus Auf die Frage schliesslich, ob sich der Tourismus in der Schweiz durch Corona langfristig ändern wird, entgegnet Nydegger: «Es ist unwahrscheinlich, dass der Geschäftstourismus je wieder das Niveau von vor Corona erreicht. Im Freizeittourismus müssen wir vorbereitet sein für den Fall, dass der 20-Prozent-Anteil aus Übersee nicht mehr erreicht werden wird. Der Anteil der Schweizer und Europäer könnte eher zunehmen.»

Die Busbranche ächzt, glaubt aber an die Zukunft

Die Corona-Pandemie und der Lockdown brachten die Fernbus-Branche zum Stillstand. Seit Ende Mai sind die ersten Busse von Flixbus wieder unterwegs, und auch die Konkurrenzfirma Blabla-Bus hat den Betrieb unterdessen wieder auf­genommen. Allerdings se erst rund ein Drittel der Flotte wieder auf der Strasse, und dies mit geringerer Auslastung als vor dem Lockdown, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Erschwert wird auch hier das Geschäft durch neue Reisewarnungen, etwa für Spanien.

Flixbus stehe dank einer Finanzierungsrunde im Sommer 2019 gut da, ein Konsortium habe eine halbe Milliarde Euro investiert – ursprünglich vorgesehen für den Ausbau des Geschäfts in Südamerika und Asien. Daraus wird vorerst nichts, das Geld hilft dem Unternehmen aber, ohne Corona-Kredite oder andere Hilfen durch die Krise zu kommen. Flixbus kalkuliere mit Vorsicht und Bedacht: «Während Staatsbahnen, Fluggesellschaften und sogar Kreuzfahrer unter fremder Flagge auf öffentliche Finanzen zurückgreifen, stemmen wir das selbst», wird Flixbus-Gründer André Schwämmlein zitiert.

Gesamthaft aber ächzt die Car-Branche. Fast 90% der im Tourismus tätigen Busunternehmer gaben bei einer Umfrage an, dass die Krise existenzbedrohend sei. Bis zum Jahresende erwarten die Unternehmen jeweils um 70% niedrigere Umsätze. Viele Fuhrhalter haben ihre Fahrzeuge stillgelegt; erste Unternehmen stehen unter Gläubigerschutz. In Deutschland hat die Regierung der Carbranche immerhin Hilfsgelder in Höhe von 170 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Flixbus bedient inzwischen immerhin wieder 250 Ziele, darunter 20 Orte in der Schweiz –mit Maskenpflicht (dafür darf jeder Platz besetz werden). Die Strecke Zürich-München sei bereits wieder gut nachgefragt; Schwämmlein bedauert aber, dass die Schweizer innerhalb des Landes nicht den Fernbus nutzen dürfen. Die Firma Eurobus hatte als Flixbus-Partner im November 2019 den Betrieb eines eigenen Fernbus-Netzes aufgegeben. Blabla-Bus bedient mit 50 Fahrzeugen schon wieder 80% der alten Strecken, lässt aber jeden zweiten Platz frei.

Schwämmlein sieht trotz allem optimistisch in die Zukunft: «Fernbusse werden mit ihrer nachhaltigen erschwinglichen Mobilität ein Teil der Verkehrswende sein, auch nach Corona. Die staatlichen Bahnen allein sind zu teuer und zu unflexibel.»

Protest gegen Covid-19-Gesetz

Mit dem «Covid-19-Gesetz», das nächste Woche ins Parlament kommt, soll der Bundesrat weiterhin eigenmächtig über Massnahmen zur Bewältigung der Krise entscheiden können. Laut SP-Politikerin Mattea Meyer ist dieses «Covid-19-Gesetz» ein zentrales Thema für die Reisebranche, um die dringend nötige Kurzarbeitsentschädigungs-Erweiterung oder EO für Inhaber von GmbH's und AG's zu erhalten.

Doch Widerstand hat sich bereits formiert. Corona-Skeptiker sehen dadurch die Demokratie in Gefahr, deshalb kämpfen sie lautstark gegen die Vorlage. Ein Referendum ist bereits angekündigt. Die Aktivisten erhalten inzwischen Rückenwind von mehreren prominenten Staatsrechtlern, die zum Teil sogar von einem «Ermächtigungsgesetz» sprechen, in Anlehnung an die Nazi-Machtergreifung. Rechtsprofessor Markus Schefer von der Universität Basel sagt in der «SonntagsZeitung»: «Der Bundesrat will sich präventiv eine ganze Bandbreite von Kompetenzen übertragen, ohne zu wissen, ob diese auch nötig sind.» Man darf auf die kommende Woche im Parlament gespannt sein.

Erster Job: Arbeitslos

Die «SonntagsZeitung» nimmt sich eines traurigen Kapitels der ganzen Corona-Krise an: Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie treffen nämlich junge Menschen in der Schweiz besonders hart. Der Arbeitsmarkt ist für Junge rau geworden, wie Untersuchungen der «Taskforce Perspektive Berufslehre» des Bundes zeigen. Diese beobachtet den Lehrstellen- sowie Lehrabgänger-Markt. Bereits heute sind fast 2500 Lehrabgänger arbeitslos. Es sei schwieriger geworden, nach einer beruflichen Grundbildung eine Stelle zu finden oder nach einer Lehrvertragsauflösung eine Lehrstelle. Dass die Zahlen nicht noch höher sind, liege auch am Goodwill etlicher Firmen und Verwaltungen, die den Ernst der Lage erkannt haben und möglichst viele ihrer Lehrlinge weiterbeschäftigen. Wie lange und zu welchen Bedingungen, ist allerdings noch unklar.

Ursula Renold von der ETH-betriebenen Lehrstellenplattform Yousty sagt: «Für Lehrabgänger aus gewissen Branchen ist es schon heute sehr schwierig, einen Job zu finden» - insbesondere für frisch Ausgebildete aus dem Gastgewerbe, der Hotellerie, aber auch aus der Metall-, Maschinen oder Uhrenindustrie. Der Outgoing-Tourismus fiele wohl auch darunter.

Ungewiss ist auch die Zukunft der Lernenden im letzten Lehrjahr. Das nagt am Selbstwertgefühl der jungen Menschen. Bei Pro Juventute ist die Nachfrage nach Beratungen von verunsicherten Jugendlichen auch nach dem Lockdown noch immer hoch. Dirk Baier von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften hält fest: «Jugendinteressen haben überhaupt keine Rolle gespielt, als es darum ging, soziale Distanzregelungen, den Lockdown oder Schulschliessungen durchzusetzen.» Und auch jetzt würden sie übersehen. Das sei fatal, denn die wirtschaftlichen Folgen seien in erster Linie für Jugendliche spürbar.

Vermischtes

In der «NZZ am Sonntag» gibt es ein 20-seitiges «Reise-Special». Das sind die Inhalte: Die Flugziele von Edelweiss, «Kuoni Cruises setzt auf kleinere Schiffe», «Wildnerness Safaris eröffnet ein neues Camp», «Fellinis Rimini», die Excellence Empress der Twerenbold Gruppe, 4 Seiten Dominikanische Republik (inkl. ganzseitigem Inserat von Edelweiss/Dominikanische Republik), La Palma, Davos und ein paar (weitere) kurze PR-Meldungen.

Auch im «SonntagsBlick» gibt es eine «Reisen»-Sonderbeilage – satte 36 Seiten stark. Inhalt? Grosse Reportagen zu Zypern, Italien, Island, Kurztrips (Wien, Engadin, Alba, Oberfranken), Städten (Hamburg, Kopenhagen, Bern), einer Velotour von Basel nach Chiasso, dem Test des «Million Stars Hotel», berühmten Roadtrips weltweit (Panamericana, Route 66, Wild Atlantic Way und weiteren) sowie auch hier viele Kurzmeldungen – und eine Kolumne der früheren SRF-Reisemoderatorin Andrea Jansen, die in Hawaii lebend über ihr Heimweh nach der Schweiz berichtet.

In der «SonntagsZeitung» gibt es einen Kalifornien-Wettbewerb. Zu gewinnen gibt’s dabei einen Wellness-Aufenthalt in… Bellwald VS.

Der Reiseteil der «SonntagsZeitung» besteht aus vier Seiten zu Deutschland (Reportagen zu Rügen, zur Nordseeküste, zu Sachsen und zu Meissner Porzellan) sowie einer Seite über den «Witzwanderweg» im Appenzellerland.

(JCR)