Tourismuswelt

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Sunday Press Swiss-Crews verweigern teils Flüge in Corona-Risikogebiete

Das Tessin und Graubünden profitieren aktuell, doch der Schweizer Tourismus allgemein darbt. – Coronafälle auf Hurtigruten-Schiff. – Schweizer Arbeitslosenzahlen steigen dramatisch.

Swiss-Crews verweigern den Dienst auf gewissen Strecken

Dreimal wöchentlich São Paulo, viermal Tel Aviv, dreimal New York: Die Swiss fliegt schon wieder in Länder, wo die Corona-Infektionen fast täglich neue Höchststände erklimmen. Die Preise sind hoch, die Flüge laut «SonntagsZeitung» gut gebucht. Das hilft der finanziell angeschlagenen Swiss.

Unangenehm seien die Flüge dagegen für die Crew. Die Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus geht um. Interessant: Das Kabinenpersonal darf Einsätze in einem Krisengebiet ausschlagen. Garantiert ist dieses Recht durch eine Angstklausel im Gesamtarbeitsvertrag zwischen der Swiss und Kapers. Und wegen des Coronavirus werde davon rege Gebrauch gemacht. So haben sich in den vergangenen Wochen deutlich mehr Flight Attendants aus Furcht vor Covid-19 von einem Flug abgemeldet. Bestätigt wird dies von der Kabinenpersonal-Gewerkschaft Kapers; wie hoch die Ausfallzahlen sind, wird von der Swiss nicht kommuniziert.

Doch nicht nur Länder mit hoher Viruskonzentration sind für die Crews ein Problem. Mancherorts dürfen die Swiss-Angestellten die Hotels nicht verlassen. In Bangkok und Shanghai beispielsweise dürfen sie nicht einmal aus dem Zimmer. In Shanghai bringt ihnen das Hotelpersonal während der gesamten Zimmerisolation von mehr als 24 Stunden nur eine Mahlzeit. Wem das nicht reicht, muss auf ein Verpflegungspaket zurückgreifen, das der Verpflegungsdienstleister Gate Gourmet in Zürich vor dem Abflug vorbereitet.

Schweizer geben das Geld mit vollen Händen aus – ausser für Auslandreisen

Die Menschen sind fast so mobil wie vor Ausbruch der Corona-Pandemie - und sie konsumieren mehr. So das Fazit einer Studie der Konjunkturforschungsstelle der ETH, welche in der «SonntagsZeitung» widergegeben wird. Das Konsumfasten während der vom Bundesrat verordneten Ladenschliessungen habe dem Konsumrausch Platz gemacht. Die Konsumfreude ist darum bemerkenswert, weil sich die Schweiz wegen Corona in einer der schlimmsten Wirtschaftskrisen seit Jahrzehnten befindet. Und die Pandemie als solche ist noch längst nicht überwunden. Doch das scheint die Konsumenten wenig zu kümmern.

Die KOF erstellt einen täglichen Mobilitätsindikator, der verschiedene Daten zur physischen Mobilität der Schweizerinnen und Schweizer beinhaltet, darunter das Aufkommen im Individualverkehr, die Passagierzahlen im öffentlichen Verkehr und die - mittels App gemessenen - zurückgelegten Kilometer. Der Indikator zur physischen Mobilität stimmt eng mit einem täglichen Indikator zur Ein- und Verkaufsaktivität der Bevölkerung überein. Dieser umfasst unter anderem den Umfang und die Anzahl von Kredit- und Debitkartenzahlungen sowie die Google-Suche nach Einkaufswaren.

Das gemeinsame Muster der beiden Indikatoren deutet laut den KOF-Ökonomen darauf hin: Die Entscheidung der Menschen, ihre physische Mobilität als Reaktion auf den Anstieg der Infektionszahlen zu vermindern, hat dazu beigetragen, dass die wirtschaftliche Aktivität in den konsumnahen Dienstleistungsbranchen wie Detailhandel, Restaurants und Hotels im März und April stark zurückgegangen ist. Umgekehrt hängt die allmähliche Erholung in diesen Branchen seit Mai mit dem Wiederaufleben der Mobilität zusammen.

Nach dem scharfen Einbruch vom März hat sich die Kaufaktivität der Schweizer Bevölkerung im Inland wieder vollständig erholt. Die Schweizerinnen und Schweizer kaufen sogar etwas mehr ein als vor der Corona-Krise. Ein gewisser Nachholeffekt mag da mitspielen. Demgegenüber liegt die Auslandsaktivität, die den Einkaufstourismus und Auslandsreisen beinhaltet, trotz einer Aufholjagd noch immer unter dem Vorkrisenniveau. Das ist die logische Folge der Einschränkungen beim Reisen.

Die Arbeitslosenzahlen steigen dramatisch

Eigentlich im Widerspruch zum vorangegangenen Artikel ist die Feststellung des «SonntagsBlick», wonach in den kommenden Monaten in der Schweiz Zehntausende Jobs verloren gehen. «Die angekündigten Entlassungen bei Gate Gourmet oder Schindler, aber auch bei kleineren Unternehmen zeigen, dass die finanziellen Polster aufgebraucht sind», analysiert der ETH-Professor und Leiter der Konjunkturforschungsstelle (KOF) Jan-Egbert Sturm. Auf die Schweiz rolle eine gewaltige Entlassungswelle zu. Sie trifft beinahe alle Branchen. «Das Gastgewerbe, der Tourismus, der Export, der Detailhandel, ja ganze Lieferketten sind zusammengebrochen», sagt Sturm.

Ende Juni waren 150289 Personen bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) als arbeitslos gemeldet. Damit kletterte ihre Zahl gegenüber der gleichen Vorjahresperiode um 53067 Personen. Mit 1,9 Millionen bewilligten Gesuchen hatte die Kurzarbeit im April einen Rekordstand erreicht. Betroffen waren zeitweilig rund 37 Prozent der Erwerbstätigen.

Die Krise hat allein beim Bund Mehrausgaben von geschätzten 30 Milliarden Franken verursacht. Hinzu kommen über 40 Milliarden in Form von Krediten. Ein historisches Hilfspaket, das die Schweiz so noch nie gesehen hat. Reicht das? «Sofern wir mit der schrittweisen Öffnung der Wirtschaft weiterfahren können, braucht es keine weiteren, substanziellen Stützungsmassnahmen mehr», so ein UBS-Ökonom. Doch die Schweiz ist keine Insel: Die Genesung der hiesigen Wirtschaft hängt stark vom Ausland ab. Zwei von fünf Franken verdienen heimische Unternehmen ennet der Grenze. Stottert der globale Wirtschaftsmotor, drückt das auch auf die Konjunktur einer exportorientierten Nation wie der Schweiz.

Das Tessin und Graubünden sind die Profiteure der Tourismuskrise

Ein beträchtlicher Teil der Schweizer Bevölkerung verbringt im Corona-Sommer die Ferien im eigenen Land. Das mag nicht ganz das Fehler der ausländischen Touristen kompensieren. Trotzdem war die Nachfrage in einigen Ferienregionen so gross, dass die Hotels ihre Preise erhöhen konnten, wie die «NZZ am Sonntag» festhält.

Eine Auswertung des Switzerland Travel Centre zeigt: Im Tessin kosten Hotelzimmer im laufenden Jahr durchschnittlich 5 Prozent mehr als 2019, in Graubünden schlugen sie um 4 Prozent auf. Dies im Gegensatz zu vielen anderen Schweizer Ferienregionen. Im Berner Oberland sind die Hotelpreise dieses Jahr um 18 Prozent eingebrochen, im Wallis gar um 20 Prozent. Nicht ausgewertet wurden die Hotelpreise in den Städten, da dafür nicht genug Daten vorlagen. Dem Vernehmen befürchten aber Stadthotels historische Umsatzeinbrüche.

Warum sind gerade das Tessin und Graubünden erfolgreicher als andere Regionen? Aus Sicht der Zeitung sind es eben Randregionen, d.h. die Distanzen in viele Landesteile sind gross. Das macht es schwierig für Tagesausflügler. Wenn schon, geht man für ein paar Nächte. Zudem hatten sie schon in den vergangenen Jahren im Vergleich zu anderen Regionen einen hohen Anteil an Schweizer Touristen. Doch war es schlau, in einem Jahr, das die Reiseindustrie in eine noch nie da gewesene Krise gestürzt hat, die Preise zu erhöhen? «Ich wage es sehr zu bezweifeln», sagt Sara Stalder, Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Damit werde das Bild des «sehr teuren Ferienlands Schweiz» noch weiter zementiert. In der Zukunft, wenn es wieder einfacher sei, Ferien in aller Welt zu buchen, werde dies Konsequenzen haben.

Für Graubünden und das Tessin ist dieser Sommer dennoch eine historische Chance. Lange galten sie als die Sorgenkinder in der Schweizer Tourismuslandschaft. Dieses Jahr kommen plötzlich neue, jüngere Gäste. «Wir hoffen, dass wir diese neue Kundschaft an uns binden können», sagt Angelo Trotta von Ticino Turismo. Gelingt dies, werden die beiden Randregionen noch lange über Corona hinaus vom Sommer 2020 profitieren.

Lage bleibt für die Gastrobranche angespannt

Viele Schweizer verbringen den Sommer 2020 in der Schweiz. Tatsächlich erwirtschaften einige Betriebe in den Bergregionen derzeit gute Umsätze. Doch die Lage für die Gastrobranche bleibt angespannt, wie der «SonntagsBlick» festhält. Die Zeitung stützt sich dabei auf eine Umfrage von Gastrosuisse bei 2000 Betrieben (Restaurants, Hotels, Bars und Caterern). Durchgeführt wurde diese online zwischen dem 24. und 28. Juli, gut 10% der Mitglieder nahmen daran teil.

Die Befragung zeigt starke regionale Unterschiede. Verglichen mit dem Juli 2019 – einem überdurchschnittlich erfolgreichen Sommermonat – verzeichnen derzeit nicht ganz die Hälfte (43%) der Betriebe in Bergregionen gleich gute oder sogar bessere Umsätze. Aber 57 Prozent der Gastrobetriebe in den Bergen machten im Juli dieses Jahres weniger Umsatz als im Juli 2019. Die Zugewinne der einen kompensieren die Ausfälle der anderen nicht: Insgesamt resultiert für die Bergregionen ein Umsatzrückgang von etwa einem Viertel. Ähnlich sieht es in den Seeregionen aus, dort erzielen 42% der Wirte in diesem Jahr bessere Umsätze. Die Städte und mit ihnen die Agglomeration aber darben. Geschäftskunden und Touristen aus Übersee werden hier besonders schmerzlich vermisst. Die Betriebe der urbanen Kantone Basel-Stadt, Genf und Zürich beklagen denn auch Rückgänge von 40 Prozent und mehr.

Im Gegensatz zu obigem Artikel muss aber auch das Tessin darben. Faktisch verdienen im Tessin derzeit fast drei Viertel der befragten Betriebe deutlich weniger als im Hochsommer 2019. Nicht anders ist die Lage auch im Wallis und im Kanton Bern. Unter den klassischen Destinationen scheint momentan Graubünden der einzige Kanton zu sein, in dem Gaststätten und Hotels breit zulegen können: 37 Prozent setzen mehr um als vor zwölf Monaten.

Hurtigruten beklagt einen Corona-Ausbruch

Bei 37 Personen auf der «Roald Amundsen», dem neusten Kreuzfahrtschiff der norwegischen Postschifflinie Hurtigruten, ist das Coronavirus festgestellt worden. Dies gaben die Behörden in der nordnorwegischen Stadt Tromsö am Samstag bekannt, wie die «NZZ am Sonntag» rapportiert. 36 der Angesteckten sind Besatzungsmitglieder. Fast 400 Passagiere waren in den letzten beiden Wochen mit der «Roald Amundsen» auf zwei Kreuzfahrten zum arktischen Svalbard-Archipel gereist. Sie müssen nun für zehn Tage in Quarantäne.

Eine Person war bereits am Mittwoch positiv getestet worden, als sie sich nach einer Fahrt auf dem Schiff wieder zu Hause befand. Obwohl die Reederei informiert wurde, traf sie keine Massnahmen. Man sei davon ausgegangen, dass die Ansteckung nicht auf dem Schiff erfolgt sei, erklärte das Unternehmen. Am Freitag wurden aber weitere vier Fälle bekannt. Die Besatzungsmitglieder waren auf See krank geworden, jedoch nicht mit Corona-Symptomen.

Das Schweizer Aussendepartement sagte auf Anfrage, man habe keine Kenntnis von Schweizern an Bord.

Maskenpflicht in Amsterdam und Rotterdam

Die Niederlande intensivieren den Kampf gegen das Coronavirus. Als erste niederländische Städte führen Rotterdam und Amsterdam ab Mittwoch eine Maskenpflicht ein, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. Diese gilt für besonders belebte Plätze, Strassen und Geschäfte. Die niederländische Regierung lehnt eine allgemeine Maskenpflicht bisher ab, gestattet aber regionale Gebote.

Grund für die neuen Massnahmen sind steigende Infektionszahlen insbesondere bei Studenten. Das Problem sei, dass Studenten nicht so schnell einen Corona-Test machen liessen, es nervig fänden, sich in Quarantäne zu begeben, und sich auch mit der Kontaktnachverfolgung schwertäten, erklärte etwa die Stadt Rotterdam.

Velofahrer im Clinch mit der SBB

Wer mit dem Bike in den Zug will, findet oft keinen Platz mehr – gerade in diesem Sommer, in dem die Schweizerinnen und Schweizer ihre Ferien im eigenen Land verbringen. Der Verein Pro Velo fordert deshalb von den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) einen Ausbau des Angebots.

Die SBB kennt das Problem, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. Besonders auf den Verbindungen Bern-Brig und Zürich-Chur habe man seit Juni einen Anstieg von Veloreisenden festgestellt. Weil der Platz für Velos in den Zügen beschränkt war und es an zusätzlichem Rollmaterial fehlte, mussten Kundenbegleiter die Passagiere und ihre Vehikel gleich mehrfach zurückweisen.

Mittelfristig brauche es laut Pro Velo deshalb mehr Multifunktionswagen für Velo, Kinderwagen und Gepäck. Tatsächlich hätten die SBB auf die grosse Nachfrage bereits reagiert und die Kapazität erhöht, versichert ein SBB-Sprecher. Insbesondere auf den genannten Strecken Zürich-Chur und Bern-Brig, wo besonders viele Mountainbiker mit dem Zug hinfahren, habe man seit Anfang Juli auf jeweils vier Verbindungen den Gepäckwagen auch für Velos geöffnet. Ein Mitarbeiter der SBB nehme die Velos am Perron entgegen und gebe sie bei der Ankunft wieder heraus. Trotzdem werde es auch in Zukunft aufgrund der aktuellen Situation und bei schönem Wetter Engpässe für Velos geben. Vor allem entlang der Jurasüdfusslinie und durch den Gotthard mache das limitierte Rollmaterial eine Reservation nötig. Denn auf diesen Strecken sind keine Doppelstockwagen mit Veloabteil unterwegs.

Das Velo einfach in den Gang zu stellen, sei keine Lösung. Aus Sicherheitsgründen ist dies nicht erlaubt.

Vermischtes

Beilagen sind in der Sommerpause vergeblich zu suchen (ausser beim «SonntagsBlick», der in seinem Magazin zwei Familien der Romandie beim Entdecken der Deutschschweiz begleitet). Doch in der «SonntagsZeitung» gibt es weiterhin den «Reisen»-Teil. Darin zu finden sind je eine Reportage über Malta/Gozo, über die Wandertour «Innsbruck-Trek» in Österreich und über Wandern entlang dem Aletschgletscher in der Schweiz.

Überhaupt scheint Wandern das grosse Thema dieses Sommers zu sein. Es gibt noch einen grossen Artikel von «Genussjournalist» und Buchautor Martin Jenni über die besten Bergrestaurants – solche, deren Erreichen Kraft erfordert und damit auch Hunger verursacht, der stilvoll gestillt sein will, gefolgt von einem Verdauungsspaziergang zur Beruhigung des schlechten Gewichtsgewissen. Sie wollen in Kürze wissen, was vorgeschlagen wird? Hier: Grotto Alpe Valà in Cadro TI, Ustria Steila in Siat GR, Belle 5 in Bellerive VD, Chäserstatt in Ernen-Mühlebach VS, Buvette Les Mongerons in Epagny FR sowie Bergasthaus Wasserngrat in Gstaad BE.

Und auch beim SonntagsBlick geht es viel um Wandern – etwa bei einem Beitrag in Zusammenarbeit mit Ochsner Sport, bei welchem unter 26summits.ch insgesamt 26 Gipfel und 26 Touren in 26 Kantonen präsentiert werden.

Ach ja, im «SonntagsBlick» gibt es auch einen Bericht dazu, wie Globetrotter-CEO André Lüthi anno 1982 per Anhalter aus Bern nach San Francisco fuhr. Eine Reise, die er in dieser Form 2019 mit seinem Sohn wiederholte, begleitet vom SRF. Und jetzt wird dies eben in der Sonntagspresse nochmals zelebriert.

(JCR)