Tourismuswelt

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Sunday Press Ist die Swiss-Rettung doch noch in Gefahr?

Wegen EU-Wettbewerbsrecht kommt es zu neuerlichen Diskussionen um das Hilfspaket des Bundes für die Swiss. – Unterschiedliche Handhabung der Maskenpflicht. – Infos zum Relaunch der Kreuzfahrten.

Swiss-Hilfspaket des Bundes sorgt für Kopfzerbrechen

Der «SonntagsBlick» mutmasst, dass das Hilfspaket des Bundes für die Schweizer Luftfahrt am deutschen Rettungsplan für Lufthansa scheitern könnte. Wie das? Die Schweiz hat darin bekanntlich der Swiss Hilfskredite von 1,5 Milliarden Franken zugesprochen. Das könnte nun im Zusammenhang mit dem deutschen Hilfspaket für die Swiss-Muttergesellschaft Lufthansa zum Problem werden, wegen dem europäischen Wettbewerbsrecht. Die EU und die Lufthansa-Gesellschafter haben zwar dem 9-Milliarden-Euro-Paket für die Lufthansa zugestimmt, doch der Markteingriff ist umstritten, und Lufthansa-Mitbewerber wie Ryanair wollen rechtlich dagegen vorgehen. Unter anderem könnte da jede Hilfe, die über die 9 Milliarden hinausgeht, gegen europäisches Wettbewerbsrecht verstossen. Oder anders gesagt: Die 1,5 Milliarden aus der Schweiz und die 600 Millionen aus Österreich (für Austrian Airlines) könnten zum Problem werden. Ursprünglich sollten diese Gelder zwar ins Lufthansa-Paket eingerechnet werden, und dieses somit unter 9 Milliarden bleiben, doch Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte gegenüber der «NZZ», man werde das gesamte Volumen brauchen, weshalb also theoretisch Schweizer Steuerzahler deutsche Arbeitsplätze retten könnten.

Wirtschaftsminister Guy Parmelin wird morgen Montag (6. Juli) bei einem Amtsbesuch in Berlin das Problem ansprechen. Das Departement von Finanzminister Ueli Maurer gibt sich derweil gelassen und sagt, die Verhandlungen seien abgeschlossen.

Doch nicht nur hinsichtlich Hilfspaket droht der Swiss Ungemach. Im Schweizer Parlament häufen sich die Vorstösse, welche der Airline zum Problem werden könnten. Nadine Masshardt (SP) verlangt eine neue Kersoninsteuer, Florence Brenzikofer (Grüne) ein Ausbaumoratorium für den Bodenbetrieb, hinsichtlich einem «Umwelt-Masterplan für die Luftfahrt».

Wo gilt die Maskenpflicht im Transportmittel, und wie?

Die «SonntagsZeitung» geht der Frage nach, wie und wo die Maskenpflicht im Öffentlichen Verkehr umgesetzt wird – und stösst auf sehr unterschiedliche Handhabung. Airlines müssen keine Maskenpflicht einfordern, bei den grossen Bahn- und Busbetreibern müssen die Passagiere selber Schutzmasken mitbringen, diverse Bergbahnen stellen ihren Kunden solche zur Verfügung. Manche befördern auch Maskenverweigerer - in separaten Kabinen. Nachfolgend die Übersicht in Kurzform:

Flugzeug: Zahlreiche Airlines haben längst eine Tragepflicht eingeführt; die Swiss hat sich immer noch nicht festgelegt, ebensowenig Edelweiss oder Helvetic Airways. Müssen sie auch nicht: Laut Bundesrat gilt die Maskenpflicht im ÖV. Und laut Bundesamt für Zivilluftfahrt umfasst in der Schweiz der ÖV die Verkehrsangebote von Bahn, Tram, Bus, Schiff und Seilbahn - nicht aber der Fliegerei. Sprich: Airlines sind von der Maskenpflicht ausgeschlossen, und zwar aus juristischen Gründen (weil in einem Flugzeug grundsätzlich das Recht jenes Landes gilt, in dessen Luftraum sich die Maschine gerade befindet). Die Flugsicherheitsbehörde der EU hat indes bereits vor Wochen empfohlen, für Flugpassagiere eine Maskenpflicht einzuführen, dies bereits am Flughafen. Dieser Empfehlung folgten bisher etwa Lufthansa, Air France-KLM oder Emirates.

Zug: Die SBB haben bereits ausgeführt, was ihre Fahrgäste fortan erwartet. Die Maskenpflicht wird klar eingefordert und durchgesetzt. Die Passagiere selbst dafür verantwortlich, dass sie mit einer Schutzmaske ausgerüstet sind

Postauto: Auch im Postauto müssen Passagiere ihre Schutzmaske selber dabei haben. Das fahrende Personal wird die Maskenpflicht nicht polizeilich einfordern, das ist Sache der Kontrolleure. Diesen weisen auf die Pflicht hin; bei Weigerung wird die Polizei herbeigezogen.

Bergbahnen: Bei den Zermatter Begbahnen beispielsweise haben die Betreiber Einwegmasken bestellt, die zu einem Selbstkostenbeitrag von einem Franken an allen Verkaufsstellen erhältlich sind. Zudem gibt es wiederverwendbare Stoffmasken mit dem Matterhorn drauf, für 12.50 Franken. Wer sich weigert, während der Fahrt in der Seilbahn eine Schutzmaske zu tragen, muss zu Fuss hoch. Sprich: Wer keine Maske tragen will, dem wird der Zutritt zu den Seilbahnen verweigert. Bei den Sportbahnen in Elm derweil wird auf die Maskenpflicht hingewiesen; den Fahrgästen werden Masken gegen einen freiwilligen Unkostenbeitrag zur Verfügung gestellt. Sollte sich weisen, dass die Leute die Schutzmasken hamstern oder zu viele Gäste ohne anreisen, würden diese in Rechnung gestellt.

Schiffe: Auch auf dem Wasser gilt jetzt «Maske auf» - für Passagiere und Personal. Lediglich die Schiffsführer werden aus Sicherheitsgründen keine Maske tragen. Die Fahrgäste sind selbst dafür verantwortlich, dass sie eine Maske dabeihaben. An der Bordkasse gibt es aber bei der Zürichsee Schiffahrtsgesellschaft ein Schutzset mit Maske, Desinfektionstuch, Anleitung zum Maskengebrauch und einem Gastro-Bon, für lediglich 2 Franken. Auf dem Greifensee kriegt man eine Maske für 1.50 Franken.

Kreuzfahrtschiffe nehmen wieder Fahrt auf – was muss man dazu wissen?

Die Kreuzfahrtbranche wurde von der Corona-Krise besonders hart getroffen, und noch immer haben die meisten Reedereien den Betrieb nicht wieder aufgenommen, derweil Kreuzfahrten-Verkäufer vor allem mit Storno-Abwicklung beschäftigt sind. Die «SonntagsZeitung» widmet sich in einem grossen, lesenswerten Artikel den noch bestehenden Fragen rund um die aktuelle Lage in der Kreuzfahrtbranche.

Zunächst wird festgehalten, dass immer noch über 400 Cruiseliner abgestellt sind und auf den Neustart warten. Dieser wird aus wirtschaftlichen Gründen immer dringender, doch wagen sich die Reisenden trotz Schutzkonzepten bald wieder aufs Schiff? Costa und AIDA haben gerade jüngst die Wiederaufnahme von Reisen weiter verschoben, nun bis Ende August; andere Reedereien handhaben das ähnlich. Immerhin geht es bei den Flusskreuzfahrten innerhalb Europas langsam wieder los - bereits im Juni starteten deutsche Anbieter wie A-Rosa, Nicko oder Viva erste Flussfahrten, jetzt holen auch die grossen Schweizer Spezialisten wie Mittelthurgau und Thurgau Travel den Saisonstart nach - auf Rhein, Main, Mosel, Donau, Elbe oder Rhone.

Bei den Hochseeschiffen geht es langsamer los. Die norwegischen Hurtigruten-Postschiffe oder die Fjord-Fahrten mit den luxuriösen Seadream-Jachten sind verfügbar, bleiben aber wegen Einreiserestriktionen einem beschränkten Publikum vorbehalten. Dafür steht den neuen Seereisen der französischen Ponant-Reederei auf den schicken Cruiselinern entlang der Küsten Frankreichs nichts im Wege - im Mittelmeer bis Korsika, an der Atlantikküste oder um die Bretagne. Kleinere Spezialisten starten auch in Kroatien ihre Törns, Kreuzfahrten in der griechischen Inselwelt folgen voraussichtlich ab Ende Monat. Geografisch limitierte Routen mit reduzierter Auslastung seien auch für grosse Reedereien wie AIDA oder TUI Cruises in absehbarer Zukunft in der Nord- und der Ostsee denkbar, für Costa und MSC im Mittelmeer. Und im grössten Cruisemarkt der Welt, den USA? Vor dem 15. September laufen dort keine Cruiseliner aus. Kanada verbietet Kreuzfahrten bis Ende Oktober.

Immerhin: Die Branche begegnet den Bedenken potenzieller Kunden mit Kulanz. Darüber hinaus wurde mit Hochdruck an speziellen Schutzkonzepten gearbeitet. Solche Schutzkonzepte umfassen etwa eine reduzierte Auslastung der Kapazitäten, die permanente Abklärung des Gesundheitsstatus von Passagieren und Crew, Massnahmen zur Einhaltung der Sicherheitsabstände, umfassende Hygienekonzepte und stete Desinfektion an Bord, da und dort gar punktuell eine Maskenpflicht. Vorläufig wird es auch keine Self-Service-Buffets mehr geben. Die Reedereien dürften langfristig ihr grundsätzliches Angebot etwas überdenken - weniger Spektakel und Gigantismus, dafür mehr Abstimmung mit Mensch und Umwelt.

Ansturm von wild parkierenden Campern befürchtet

Campingferien boomen dieses Jahr, das hat Travelnews auch schon festgehalten. An touristischen Hotspots sind die Plätze für Wohnmobile bereits ausgebucht, zusätzlich geschaffene Stellplätze könnten nicht ausreichen. Bei den Campingplätzen fürchtet man sich inzwischen vor Spontanbesuchern, wie die «SonntagsZeitung» herausgefunden hat.

«Ich habe 200 Plätze zu vergeben, könnte in dieser Zeit und Situation aber 1000 füllen», wird Marcel Zysset, Chef des Campingplatzes Aaregg am Brienzersee, zitiert. Zusatzkapazitäten konnten nicht geschaffen werden. «Wo kann man noch legal den Camper abstellen? Das wird in diesem Sommer die grosse Herausforderung sein», sagt denn auch Oliver Grützner, Leiter Tourismus und Freizeit beim TCS. In beliebten touristischen Regionen, die nichts geregelt hätten, werde es wohl Probleme geben. «Von Spontanbesuchen rate ich ab», so Grützner.

In der Schweiz sind 65'000 Wohnmobile zugelassen, es gibt aber nur rund 100 offizielle Stellplätze. Ein erst im Mai gegründeter «Verein Wohnmobilland Schweiz» will sich nun für mehr Stellplätze in der Schweiz und eine bessere Infrastruktur einsetzen. Wer bei offiziellen Campingplätzen abgewiesen wird, flüchtet sich aktuell nicht selten auf Parkplätze von Restaurants oder auch Parkplätze von Detailhändlern wie Migros oder Aldi. Das ist nicht immer erlaubt. Auch im Tessin werden vermehrt wild parkierende Wohnmobilisten erwartet – Bussen drohen. Zwar hat beispielsweise Locarno 22 zusätzliche Stellplätze geschaffen, doch die Nachfrage dürfte das Angebot übersteigen. Ein Stellplatz darf auch nur 24 Stunden benützt werden.

Universal versucht Normalität zu bieten

Heute Sonntag (5. Juli) fliegen die ersten Passagiere von Universal Flugreisen per Charter von Zürich nach Palma – auch Travelnews ist mit dabei und wird darüber berichten. In der «SonntagsZeitung» äussert sich Philippe C. Erhart, CEO des grössten Mallorca-Veranstalters im Schweizer Markt, schon mal per Interview zum Neustart.

Dabei erzählt er etwa, dass die Nachfrage für die Balearen-Insel zwar ansteige, aber immer noch auf bescheidenem Niveau sei. Er rechnet für 2020 mit einem Rückgang des Buchungsvolumen um 70-80 Prozent – die grösste Krise in der Geschichte des Unternehmens. Dennoch entlasse Universal im Gegensatz zu anderen Schweizer Reiseunternehmen keine Angestellten.

Von den 14 eigenen Hotels auf Mallorca werden nun deren 6 geöffnet. Die Preislage ist unverändert; es ist also nicht mit Dumpingpreisen zu rechnen. Die Schutzkonzepte seien ähnlich wie in der Schweiz, und am Flughafen, im ÖV und in den Läden gelte schon lange Maskenpflicht. In den Hotels müssen keine Masken getragen werden, am Strand sind Abstandsregeln zu beachten. Es gibt noch Buffets, aber jeder Gast erhält eigene Bedienungsutensilien. «Wir versuchen, möglichst viel Normalität zu bieten, vermitteln Gästen und Mitarbeitenden aber ein Sicherheitsgefühl», bringt es Erhart auf den Punkt.

Balkan-Schweizer von der Quarantänepflicht überrumpelt

Die Einführung einer Quarantänepflicht für Einreisen aus so genannten «Risikoländern» schafft unterschiedlichste Probleme. Schweizer mit Wurzeln im Ausland – allen voran in Serbien, Kosovo und Nordmazedonien, welche allesamt auf der Risikoländer-Liste stehen – müssen ihre Sommerferienpläne umkrempeln. Mit dem Besuch in der Heimat wird es wohl nichts, weil sich niemand die zehntägige Quarantäne bei der Heimkehr antun will bzw. leisten kann. Der «SonntagsBlick» hat mit einigen betroffenen Personen gesprochen. Die Rede ist nun teils davon, eben Ferien in Albanien zu verbringen, das nicht auf der Liste ist und wohin die Angehörigen vor Ort auf dem Landweg einreisen können. Sicher ist aber auch dies nicht: Die wissenschaftliche Taskforce des Bundes fordert nämlich, dass auch Albanien demnächst zum Risikoland erklärt werden soll.

Vermischtes

In den Randzonen der Reisewelt bewegt sich die NZZ am Sonntag. In der Magazinbeilage wird darüber philosophiert, weshalb das literarische Genre der Reisereportage in Buchform in der angelsächsischen Welt so viel mehr verbreitet ist als in der deutschen, und warum nun auch plötzlich auch für Wanderer neue, ansehnliche Mode geschaffen wird.

Im Reiseteil der SonntagsZeitung gibt es – nebst den oben separat behandelten Beiträgen zur Kreuzfahrt-Industrie und zu Universal Reisen - eine grosse Reportage über das touristische Reopening auf Zypern sowie zu Familienferien im bündnerischen Surses.

Darüber hinaus sieht man auch wieder vermehrt Reise-Werbung - etwa Thurgau Travel, von Südtirol sowie ein Publireportage zu Österreich in der NZZ am Sonntag; eine Glur-Leserreise nach Kanada/Alaska ist bei der SonntagsZeitung ausgeschrieben; im SonntagsBlick sieht man ganzseitige Inserate von Saas-Fee und Migros Ferien.

(JCR)