Tourismuswelt

Sunday_Press_new.jpg

Sunday Press Dieter Zümpel kündigt Arbeitsplatzabbau an

DER Touristik Suisse überprüft alle Geschäftsbereiche. – Massenentlassungen bei Swissport, Gategroup und SR Technics befürchtet. – Erholungsgebiete werden überrannt, Ärger der Einheimischen wächst.

Klartext spricht Dieter Zümpel in einem Interview mit der «Sonntagszeitung». Der CEO von DER Touristik Suisse geht von einem Umsatzeinbuch von 70 Prozent in diesem Jahr aus. Die Situation sei dramatisch – und tragisch: denn Ende Januar sei DER Touristik Suisse noch 10 Prozent im Plus gelegen.

Jetzt steht DER Touristik Suisse ein radikaler Umbruch bevor. «Leider musste ich meinen Mitarbeitenden letzte Woche sagen, dass eine Restrukturierung unvermeidbar ist. Wir hinterfragen alles – das Filialnetz, die Produktion der Reisen, aber auch die Kosten der Zentrale. Selbstverständlich wollen wir so viele Arbeitsplätze wie möglich erhalten. Aber bloss die Kosten für das Kopierpapier neu zu verhandeln, reicht nicht mehr», sagt Dieter Zümpel. Wurden während der Kurzarbeit bis Mai die Löhne auf 100 Prozent aufgestockt, sei dies ab Juni nicht mehr der Fall.

Auf eine Fusion im Massengeschäft etwa mit Hotelplan angesprochen, zeigt sich Zümpel offen: «Der Kuchen in diesem Segment wird künftig kleiner. In dieser Situation gibt es nur zwei Möglichkeiten: Der Stärkste überlebt, oder aber es kommt zu Zusammenschlüssen. Wir sind offen für jedes Gespräch mit Mitbewerbern – Hotelplan ist einer davon.»

Absolut Inakzeptabel seien die bisher nicht erfolgten Rückzahlungen der Swiss. «Wir warten seit Monaten auf eine erkleckliche Millionensumme der Swiss und werden laufend vertröstet, während die Swiss laut eigener Aussage Rückzahlungen an Kunden tätigt, die direkt bei ihr gebucht haben.» Mittlerweile prüft DER Touristik Suisse formaljuristische Schritte.

Auch Globetrotter wird kleiner

«Es sind noch keine Entscheide über einen personellen Abbau gefallen. Aber wir werden kleiner und schlanker aus dieser Krise hervorgehen», sagt in der «Sonntagszeitung» André Lüthi, Chef der Globetrotter Group, die 430 Reiseprofis beschäftigt. André Lüthi trifft sich nächste Woche auf der St. Petersinsel am Bielersee mit den Geschäftsleitern der 14 Tochtergesellschaften zum Krisen-Talk.

Auch die 870 Jobs bei Hotelplan Suisse und die 500 Stellen bei TUI Suisse würden derzeit überprüft, schreibt die Zeitung.

Massenentlassungen bei Swissport, Gategroup und SR Technics?

Weiter zeichnet die «Sonntagszeitung» ein Szenario, das zu Massenentlassungen bei den Bodenabfertigern an den Schweizer Flughäfen führen könnte – dann, wenn eine zweite Corona-Welle einsetzen sollte und die Flugpläne im Frühling 2021 noch immer ausgedünnt sind. Erste Anzeichen von Massenentlassungen gebe es. Unter anderem verhandle derzeit Swissport über einen neuen Sozialplan.

Sollte der Luftverkehr im Frühling kommenden Jahres 20 Prozent – das ist die optimistischste Prognose – unter dem Vor-Corona-Niveau liegen und das voll auf die Belegschaft durchschlagen, würden Swissport und Gategroup zusammen rund 1400 Stellen abbauen.

Bei Gategroup kommt erschwerend hinzu: Sowohl Easyjet als auch die Swiss haben angekündigt, dass sie in der Economy-Klasse auf kurzen Flügen vorerst kein Essen servieren. Weiter macht Gategroup den Grossteil des Umsatzes mit dem Essen für Langstreckenflüge; deren Erholung wird deutlich länger dauern als jene der Kurzstrecke. Weiter schätzt die Zeitung, dass bei SR Technics gegen 1300 Jobs wegfallen könnten. Nun fordern die Arbeitnehmervertreter eine Verlängerung der Maximaldauer der Kurzarbeit von aktuell 12 auf neu 18 Monate.

Schreck am Check-in

Die «Schweiz am Wochenende» nimmt sich dem Thema an, dass die Swiss Flüge an Orte verkauft, wo Schweizer gar nicht einreisen dürfen. «In den letzten Tagen kam es in Zürich vermehrt zu Fällen von Passagieren, die nicht abreisen oder nicht ein- oder weiterreisen konnten», sagt eine Swissport-Sprecherin. Die betroffenen Passagiere hätten die Einreisebestimmungen ihrer Wunschdestination nicht erfüllt. Man habe sie deshalb zurück nach Hause schicken müssen. Sowohl die Swiss als auch Swissport betonen, die Passagiere seien selber dafür verantwortlich, die Einreiseregeln zu prüfen.

Franco Muff, Ombudsman der Schweizer Reisebranche, bezeichnet es als problematisch, wenn Airlines Flüge in ein Land anbieten, das weder Schweizern noch anderen Europäern Zutritt gewährt. «Ich vermute, dass die Airline auf eine baldige Öffnung hofft.»

Konsumentenschützerin Sara Stalder fordert, dass vor dem Buchungsvorgang ein klarer Warnhinweis erscheint. Mit der Kritik konfrontiert gelobt die Swiss Besserung. Man prüfe die Möglichkeit, aktuelle Einreisehinweise direkt in den Buchungsprozess zu integrieren.

Showdown um Flugticketabgabe

Am kommenden Dienstag wird sich der Nationalarat der Flugticketabgabe annehmen. Gemäss «NZZ am Sonntag» dürfte es aber zu Verzögerungen kommen, was die Einführung einer solchen Abgabe betrifft.

Zwar beschloss die FDP vor einem Jahr überraschend, eine solche Abgabe zu unterstützen. Doch nun haben FDP und SVP einen Antrag eingereicht, die Flugticketabgabe erst dann zu beschliessen, wenn sie an allen Flughäfen erhoben werden kann, also auch am Euroairport Basel-Mülhausen. Das sei aber nicht so einfach, da der Euroairport in Frankreich und unter französischem Recht steht. Die Grünen sind verärgert und werfen der FDP vor, eine Hintertüre zu suchen, um das Anliegen abzuschwächen.

SBB zahlen Mückengeld

Wegen des zu tiefen Pegelstands müssen die SBB, Betreiberin des Sihlsees, ein Entgelt entrichten, schreibt die «NZZ am Sonntag». Es geht um eine 90-jährige Abmachung, dass der Pegelstand nicht unterschritten werden darf. Denn dann würden grosse Schlammflächen entstehen, die wiederum Stechmücken anziehen.

Seit dem 1. Juni müssen die SBB nun täglich ein Mückengeld in der Höhe von 2500 Franken bezahlen. In den nächsten zehn Tagen soll laut SBB die Mindesthöhe des Sihlsees aber wieder erreicht werden. Wegen der Trockenheit war der Wasserstand diesen Frühling besonders tief. Im April glich der bei Wassersportlern und Fischern beliebte See einer Wüstenlandschaft, die Bootsstege und Bojen lagen weit vom Wasser weg auf schlammigem Grund.

Fallende Hotelpreise in der Schweiz

Die «Schweiz am Wochenende» berichtet mit Bezug auf eine Umfrage der ETH Zürich, dass die Hotelpreise in der Schweiz in diesem Sommer fallen. Gemäss der vierteljährlich durchgeführten Umfrage der KOF Konjunkturstelle der ETH Zürich sagen 50 Prozent der Schweizer Hotels, dass sie in den nächsten drei Monaten ihre Zimmerpreise senken werden.

In den alpinen Gegenden würden die Preise weniger unter Druck geraten als in den Städten. Denn in die Bergregionen kommen mehr Schweizer Gäste, die im Coronasommer lieber im eigenen Land bleiben. Geschäftsreisende – wichtig für die Städte – bleiben in diesem Sommer aber mehrheitlich aus.

Weiter nimmt die Zeitung Bezug auf eine «Link»-Umfrage. Gemäss dieser planen 52 Prozent der Befragten Ferien im Ausland, 40 Prozent in der Schweiz. Diese Prozentanteile beziehen sich auf jene Befragten, die angeben, überhaupt Ferienpläne zu haben. Das ist rund die Hälfte aller Befragten.

Erholungsgebiete werden überrannt

Krasse Redkordtage über Pfingsten vermelden Glarus, Appenzell und Neuenburg. Die Zustände seien nicht mehr tragbar gewesen, die Ausflügler hätten den Verkehr am Klöntalersee, im Alpstein und im Creux du Van zum Erliegen gebracht und Abfallberge hinterlassen.

Jetzt macht sich in den betroffenen Regionen gemäss «Sonntagszeitung» Unmut breit. Im Kanton Neuenburg werden Forderungen laut, Ausflügler sollen fürs Parkieren zahlen, im Appenzell wird von «massloser Vermarktung des Landes» gesprochen, die Glarner geben Flyer ab mit alternativen Sehenswürdigkeiten. In einem Kommentar fordert die Zeitung mehr Respekt, Solidarität gelte auch in den Ferien.

Volles Programm der Seilbahnen

Seit Samstag sind die Schweizer Seilbahnen wieder im Betrieb. Dies nimmt die «Sonntagszeitung» zum Anlass, die steilsten, luftigsten, halsbrecherischsten Seilbahnen vorzustellen. In einem weiteren Artikel spricht die Zeitung mit Tessiner Touristikern und wie sich diese auf diesen Sommer rüsten.

Gleich das gesamte «NZZ am Sonntag Magazin» widmet sich dem Ferienland Schweiz mit zahlreichen lesenswerten Beiträgen  – eine «Wegleitung zu einem unvergesslichen Feriensommer in der Schweiz».

Keine touristischen Themen lassen sich im heutigen «Sonntagsblick» finden. Das Wort «Urlaub» taucht nur im Zusammenhang mit dem Vaterschaftsurlaub auf, der gemäss einer Intitiative auf zwei Wochen ausgebaut werden soll – die Abstimmung erfolgt im September.

In der «Sonntagszeitung» ist zudem die Reportage zu finden, «Wie ich versuchte, als erster Tourist ins Meer zu springen». Der Autor begab sich gleich nach der Grenzöffnung auf die Reise nach Italien und hält seine Erfahrungen protokollarisch fest. Die gleiche Idee hatte auch die «Schweiz am Wochenende», deren Autor begab sich nach Mailand. Im Artikel «Vielleicht ist es Liebe» geht es um Engel und Träume, Düfte und Sehnsucht.

(GWA)