Tourismuswelt

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Helvetic Assistance leidet gemeinsam mit der Reisebranche - doch Geschäftsführer Andy Keller bleibt zuversichtlich. Bild: JCR

«Im Moment ist vor allem die Leistungsträger-Insolvenzversicherung gefragt»

Andy Keller, seit Kurzem Mitbesitzer von Helvetic Assistance, hat intensive Wochen hinter sich. Wir haben nachgefragt, was strukturell noch ansteht und wo Kulanz gezeigt wurde.

Was läuft eigentlich bei Helvetic Assistance? Der Reiseversicherer blickt auf bewegte Monate zurück, und dies nicht nur wegen dem Coronavirus: Nachdem die ursprüngliche Muttergesellschaft MSS den Versicherer aus strategischen Gründen abstiess, wurde die österreichische Teledoc Europe AG als neuer Eigentümer kommuniziert. Noch ausstehend ist derweil, wer neuer Versicherer ist: Die bisherige Versicherungsgesellschaft Helvetia zog sich zurück und sollte zunächst durch die Hanse Merkur ersetzt werden, was sich jedoch nicht konkretisierte.

Andy Keller, weiterhin Geschäftsführer und inzwischen auch Miteigentümer der Helvetic Assistance, erklärt auf Anfrage von Travelnews: «Der neue Versicherer hat etwas Verzögerung, da die für die Zulassung zuständige FINMA Corona-bedingt andere Prioritäten hat. Sobald die Bewilligung da ist, werden wir alles auf den neuen Versicherer wechseln.» Wer das ist, lässt Keller noch nicht durchblicken; als Übergangslösung ist weiterhin die Versicherungsgesellschaft TSM aus La-Chaux-de-Fonds aktiv.

Änderungen gab es auch auf anderen Ebenen. «Mitarbeiter haben gewechselt und im Service Center sind wir mit neuen Kräften unterwegs», so Keller, «die Position des Account Managers werde ich momentan nicht besetzen, bis das Ganze etwas vorüber ist.» Diese Position hielt zuletzt Alessandro Calo inne, welcher inzwischen zur ERV gewechselt hat. Sitz von Helvetic Assistance ist derweil unverändert Dietlikon ZH. «Wir sind mit neuen Investoren unterwegs; die Umwandlung läuft und wird demnächst im Handelsregister eingetragen», gibt Keller weiter zu Protokoll. Dabei ändere sich auch der Verwaltungsratspräsident, welcher in der neuen Struktur künftig mehr Einfluss nehmen werde und auch «sichtbarer sein wird», wie Keller festhält, abermals ohne Namen zu nennen.

Mehr Details gibt es hinsichtlich des aktuellen Geschäftsgangs. «Wir hatten im März und April sehr viel zu tun, obwohl momentan im Verkauf wenig läuft, da die Partner nicht viel verkaufen», so Keller. Mehrheitlich sei man zurzeit mit Umbuchungen oder Stornos von Policen beschäftigt, welche kulant handgehabt werden. «Bei Kunden, welche im Mai reisen würden und eine Police haben und jetzt auf den Herbst umbuchen, passen wir auf der bestehenden Police die Daten an», erklärt Keller. Gefragt sei produktseitig vor allem die Leistungsträger-Insolvenz - ein deutlicher Hinweis auf die Befindlichkeit der Reisenden.

Kontroversen gab es natürlich auch. «Beim Schaden war das grosse Thema, dass Pandemie nicht versichert ist und wir daher seit 11. März alle Schäden abgelehnt haben, was Annullierungen betrifft», lässt Keller verlauten. Er weist jedoch darauf hin, dass es spezielle Kulanzregelungen gab: «Ausnahme waren Risikopatienten mit Arztzeugnis und Assistance-Fälle, also Kunden, welche im Ausland festsassen - da haben wir kulant 2000 Franken pro Person an den Schaden bezahlt.» Hier werde sich Helvetic Assistance im Verlauf dieses Jahr bei der Produktgestaltung sicherlich weitere Gedanken machen.

(JCR)