Tourismuswelt

Wenn Reisen kein Vergnügen sondern eine Pflicht ist... Bild: Mitchell Luo

Gute Frage Was ist zu tun, wenn ich jetzt noch im Ausland bin?

Der Bundesrat empfiehlt Schweizern die Heimreise. Das ist leichter gesagt als getan. Das sollten Sie jetzt tun.

Der Bundesrat rät den Schweizern von nicht dringlichen Auslandreisen bis auf Weiteres ab. Darüber hinaus steht aber die Frage im Raum, was jetzt mit Schweizern geschieht, die sich bereits im Ausland befinden. Für diese gibt es keinen Zwang, nach Hause zurückzukommen. Allerdings ist dies im Prinzip dringlich empfohlen: Auch andere Länder wie z.B. Österreich haben ihren Staatsbürgern bzw. den in betroffenen Land wohnhaften Personen empfohlen, aus aller Welt zurückzukommen. Dies, um unvorhergesehene Probleme bei der Heimreise zu verhindern, welche in der aktuell unübersichtlichen Situation mit verringerten Flugkapazitäten und stets angepassten Quarantänegeboten entstehen können.

Eigentlich liegt es also im Ermessen jedes Reisenden, ob er die Heimreise frühzeitig antritt oder nicht. Es gilt abzuklären, ob allfällige Umbuchungskosten im Rahmen einer besonderen Kulanzbestimmung erstattet werden oder nicht. Selbst wenn dies nicht der Fall sein sollte, empfiehlt sich eine Rückreise - aktuell scheinen sich die Fälle von gestrandeten Schweizern zu häufen (siehe unten). Dem Vernehmen nach empfehlen immer mehr Reisebüros und auch Veranstalter ihren Kunden, wenn möglich unverzüglich die Heimreise anzutreten. Auch bei Travelnews kommen bereits Telefonate herein, und zwar von Privatpersonen (nicht aus der Reisebranche), welche wissen wollen, wie sie am besten vorgehen.

Im Zusammenhang mit der Kostendeckung gibt es immer wieder Fragen, erst recht jetzt, wo die Weltgesundheitsorganisation WHO eine Pandemie ausgerufen hat. ERV-Chef Jan Kundert erklärt auf Anfrage von Travelnews: «Grundsätzlich massgebend sind die Konditionen gemäss Versicherungsvertrag, zu welchem die Allgemeinen Versicherungsbedigungen (AVB) integrierenden Bestandteil bilden.» Da seit dem 11. März 2020 eine Pandemie vorliegt, gewährt die ERV gemäss den AVB keine Deckung für Reisen in Länder, die bereist werden können. Dies trifft ebenfalls zu, wenn das Bundesamt für Gesundheit von nicht dringenden Reisen an die geplante Destination abrät. Die ERV hat die konkreten Regelungen je nach Ereignisfall auf einer übersichtlichen und detaillierten Landingpage zusammengestellt.

Bei der Allianz Versicherung ist die tagesaktuelle Information übrigens über diesen Link abrufbar.

In Bezug auf die Gesundheitslage gilt: Wer jetzt nach Hause kommt, muss sich direkt in die Selbstisolation begeben. Das ist durch den bundesrätlichen Lockdown zwar nicht explizit erforderlich und man könnte theoretisch, so notwendig, auch gleich zur Arbeit fahren. Aber wer aus Risikogebieten kommt, und das ist inzwischen fast weltweit der Fall, sollte im Interesse der Gesamtbevölkerung fürs erste auf direktem Wege heimfahren und zunächst auch mal dort bleiben und beobachten, ob innerhalb der üblicherweise 14-tägigen Quarantänefrist nicht Kranheitssymptome auftauchen.

Über allfällige Rückführungsflüge wird noch informiert. Klar ist, dass sich Edelweiss diesbezüglich zur Verfügung des Bundes stellt.

Man hört so einiges

Wir wissen von einigen Reisenden, welche ihre Ferienaufenthalte freiwillig verkürzen - etwa Mike Jakob (Key Account Manager Railtour), welcher bis Ende Monat in Thailand sein sollte, nun aber frühzeitig heimreist. Flüge finden aktuell noch statt, so dass dies auch gut machbar ist. Doch Jakob warnt eindringlich, so bald wie möglich die letzten Flugplätze in die Schweiz zu buchen - die Stimmung sei am kippen und die Fähren ab den Inseln der Andamanensee könnten noch diese Woche den Betrieb einstellen. Auch in Malaysia sei schon alles dicht. Wer via Singapur reise, komme - sofern man innerhalb der letzten 14 Tage in der Schweiz war - automatisch in Quarantäne. Ihm habe man an diversen Checkpoints schon mehrfach die Temperatur gemessen (was ja an sich gut ist).

Ebenfalls bekannt sind Fälle von Reisenden in Zentralamerika, die fürs erste im Land festsitzen.

Ein weiterer uns bekannter Fall betrifft eine Dame, die mit Costa Cruises in Australien unterwegs ist; dort darf jedoch aktuell kein Kreuzfahrtschiff mehr anlanden. In Perth/Fremantle beobachtete sie, wie die Queen Mary evakuiert wurde; das Costa-Schiff wurde nicht evakuiert und befindet sich aktuell auf dem Weg nach Mauritius, wofür man sieben Tage auf See ist. Geplant ist, dass dann dort in Port Louis die Evakuierung erfolgt. Mauritius hat zwar die Einreise für Schweizer inzwischen untersagt, allerdings nur, wenn man innerhalb der letzten 14 Tage auch in der Schweiz war. An Bord werden die Passagiere inzwischen getestet.

Fazit: Während hier der Hashtag #staythefuckhome die Runden macht, könnte man nun auch den Hashtag #getthefuckhome lancieren.

(JCR)