Tourismuswelt

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Sunday Press Gefangen auf der Diamond Princess

Auf dem Kreuzfahrtschiff «Diamond Princess» werden 2600 Passagiere wegen des Coronavirus auf eine harte Probe gestellt. – Die Corona-Krise reisst dem Flughafen Zürich ein Loch in die Kasse. – Venedig bemüht sich um Touristen. – Art Furrer warnt vor den vielen Pistenrowdies.

Auf der vor Yokohama ankernden «Diamond Princess» sitzen 2600 Kreuzfahrt-Passagiere wegen der verhängten Quarantäne in ihren Kabinen fest. Die «NZZ am Sonntag» schildert die verzweifelte Lage anhand der etlichen Social-Media-Posts, in denen die Passagiere ihre Ängste äussern.

Bis am Samstag wurde der Corona-Erreger bei 64 Passagieren festgestellt. Das Schiff ist der Ort mit den meisten Corona-Infektionen nach China. Die erkrankten Passagiere sind in japanische Spitäler gebracht worden. Die restlichen Passagiere müssen ausharren. Doch wie lange? Zunächst hiess es, die Quarantäne sei auf 14 Tage beschränkt. Die WHO sagt nun aber, eigentlich müsste die zweiwöchige Isolationsfrist mit jeder neu entdeckten Infektion jeweils wieder von vorne beginnen.

Die US-Reederei Princess Cruise hat nun eine Hotline für die psychologische Betreuung eingerichtet und räumt ein, dass die jetztige Situation nie dagewesener Stress auslösen könne. Während die etwa 1100 Personen starke Besatzung zwar auch unter Quarantäne steht, aber ihrer gewohnten Arbeit nachgeht, haben die 2600 Passagiere Anweisung, sich in ihren Kabinen aufzuhalten. Dreimal täglich bringen vermummte Stewards den Passagieren ihre Mahlzeiten oder eine Lieferung mit Medikamenten, Kartenspielen oder Kuscheltieren.

Mittlerweile wächst die Sorge bei den Passagieren an Bord, dass es die «Diamond Princess» selbst sein könnte, die sie krank mache. «Wir atmen wiederaufbereitete Luft. Das ist doch keine gesunde Umgebung», schrieb eine Passagierin. Experten versuchen solche Ängste zu zerstreuen, es gebe keine Hinweise dafür. Doch schon jetzt scheint klar, dass die Gefangenschaft auf engstem Raum auch die psychisch stabilsten Gäste zermürbt.

Finanzielle Ausfälle am Flughafen Zürich

Die wegen des Coronavirus ausgesetzten Flüge von und nach China reissen gemäss der «Sonntagszeitung» ein Loch in die Kasse des Flughafens Zürich. Insgesamt fallen pro Woche 28 Flüge aus. An den Spitzenzeiten sind dadurch Slots frei geworden. Diese können aber nicht weitergereicht werden – auch wenn sich dafür Interessenten fänden. «Es handelt sich um einen Fall von höherer Gewalt», sagt eine Flughafen-Sprecherin. Deshalb verblieben die Nutzungsrechte dieser Slots bei den Airlines.

Dem Flughafen brechen damit auf unbestimmte Zeit Gebühren weg, die sich pro An- und Abflug-Paar auf mehr als 10'000 Franken summieren dürften. Das ergibt pro Woche gut 140'000 Franken. Doch noch mehr ins Gewicht dürften die Ausfälle in den Luxusläden am Flughafen fallen. Denn die Chinesen gelten als kaufkräftigste Kundengruppe.

Venedig braucht die Touristen doch

In den letzten Jahren haben sich die Klagen Venedigs wegen des grossen Touristenansturms gehäuft. Ab Juli 2020 müssen Touristen neuerdings eine Eintrittsgebühr bezahlen.

Doch nach dem verheerenden Hochwasser von Mitte November und dem Ausbleiben der Gäste ruft nun Venedigs Bürgermeister Luigi Brugnarodie Touristen auf, doch wieder in die Lagunenstadt zu kommen, schreibt die «NZZ am Sonntag». Die Zahl der Besucher sei gesunken. Man könne noch in letzter Minute ein Hotel buchen, was normalerweise zur Karnevalszeit nicht möglich sei.

Stoos: Verletzte in kritischem Zustand

Nach dem Sesselbahn-Unglück vom Donnerstagabend auf dem Stoos im Kanton Schwyz sind eine 33-jährige Frau und ein 40-jähriger Mann weiter in Lebensgefahr, schreibt die «NZZ am Sonntag». Zwei weitere Männer wurden erheblich verletzt.

Ein Sessel war abgestürzt, weil er in Berührung mit einem Windenseil kam. Dieses war benutzt worden, um ein Pistenfahrzeug im steilen Gelände zu befestigen. Die Polizei konnte den Lenker des Pistenbullys am Samstag befragen. Die Verunglückten befanden sich auf dem Rückweg von einem Firmenausflug.

Flugticketsteuer: Kritik von Johan Lundgren

Der CEO von Easyjet, Johan Lundgren, kritisiert in einem Gastbeitrag in der «Schweiz am Wochenende» die in der Schweiz geplante Flugticketsteuer: «Ein nationaler Alleingang, wie die vorgesehene Flugticketsteuer, ist der CO2-Reduktion abträglich. Die Steuer ist im aktuellen Entwurf deutlich höher als in den Nachbarstaaten und hat unerwünschte Folgewirkungen: Sie benachteiligt Schweizer Regionalflughäfen und Kurzstreckenflüge zugunsten von umweltschädlicheren Transit- und Langstreckenflügen.»

Weiter schreibt er: «Eine Flugticketsteuer steht der öffentlichen Meinung entgegen, Klimaschutz sozialverträglich zu gestalten. Sie belastet jedoch Passagiere mit mittlerem stärker als solche mit hohem Einkommen und viele Menschen werden sich nach Einführung einer derart hohen Steuer Reisen nicht mehr leisten können. Die aktuell vorgeschlagenen Höhen der Flugticketsteuer stehen auch in keinem Zusammenhang mit den Umweltauswirkungen. Zum Beispiel: Eine Steuer von 30 Franken für einen Kurzstreckenflug von rund zwei Stunden entspricht 50 Prozent des Durchschnittspreises eines easyJet-Tickets (rund 60 Franken). Die Höhe dieser Steuer ist völlig unverhältnismässig im Vergleich zu dem Steuervorschlag von 120 Franken auf einem teureren und umweltschädlicheren Langstreckenflug in der Business Klasse.»

Und Lundgren fordert: «Die Schweizer Regierung sollte mit einer effizienten Ausgestaltung der Steuer Anreize für einen CO2-freien Luftverkehr bieten sowie selber in Forschung und Entwicklung investieren. Wir haben seit Jahren die Entwicklung von Innovationen wie elektrischer Flugzeuge für eine klimaneutrale Zukunft der Luftfahrt vorangetrieben und kompensieren als erste grosse Airline die CO2-Emissionen des Treibstoffs bei allen Flügen. Solche Initiativen sollten durch politische Massnahmen gefördert werden und alle Luftfahrt-Akteure, wie auch Fluggesellschaften, Flughäfen und Hersteller, sollten aktiv auf Effizienz hinarbeiten, unterstützt durch eine Politik der Anreize anstatt durch eine der Bestrafung.»

«Die Skipisten sind so gefährlich geworden»

Ebenfalls eine Carte blanche, um seine Meinung kundzutun, erhält Ski- und Hotelierlegende Art Furrer (82) – und zwar im «Sonntagsblick». Ihm «lupfts den Hut» ob der vielen Pistenraser: «Die Skipisten sind so gefährlich geworden, dass meine Frau und ich, gute Skifahrer, nur noch frühmorgens auf die Piste gehen, immer mit der Angst im Nacken, dass uns ein Pistenrowdy, ein Carver, der seine Ski nicht beherrscht, abschiesst. Die Skipisten sind zum Kriegsgebiet geworden. Die Rettungshelikopter haben Hochkonjunktur».

So könne es nicht weitergehen, nervt sich Furrer und fragt: «Braucht es eine Pistenpolizei? Geschwindigkeitskontrollen? Bussen?» Separate Pisten für reguläre Skifahrer, breit, mit viel Platz, fordert er. Und andere nur für sportliche Schnellfahrer. Er mache sich grosse Sorgen, jeden Tage höre er jemanden, der sage, ich gehe nicht mehr auf die Piste, das ist mir zu gefährlich. «Wenn wir nicht mutige Schritte unternehmen, machen wir den Skitourismus kaputt.»

Lyon, Pruntrut, Les Diablerets

Auf den heutigen Reiseseiten sind mehrheitlich Nahziele auszumachen. Die «Schweiz am Wochenende» nimmt das Skigebiet von Les Diablerets in den Fokus. Das «NZZ am Sonntag Magazin» wartet mit einer Ode an Pruntrut auf, wo es betont hektikbefreit und unangepasst zugeht.

In der «Sonntagszeitung» ist Spannendes über Lyon zu lesen. Die französische Stadt möchte zur Top-Destination aufsteigen, ohne Opfer des Overtourism zu werden. Die vielen Gässchen von Lyon, die Traboules, sind das Thema. Viele dieser Gässchen werden von den Anwohnern abgesperrt, weil sie den Lärm und Abfall der Touristen fürchten. Die Stadt fordert nun die Anwohner auf, diese offen zu halten. Im Gegenzug will sie sich an den Kosten für Unterhalt und Strom beteiligen. Auch zahlreiche weitere Projekte sind in der Pipeline. Im Stadtviertel La Confluence, früher eher ein Abstellplatz, entsteht ein neues Stadtviertel, eine Stadt der Zukunft – die einstige Zuckerfabrik wird Schauplatz für moderne Kunst, das alte Gefängnis ein Campus.

(GWA)