Tourismuswelt

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Sunday Press Parlamentarier kürzen sich die Flugspesen

Von Jean-Claude Raemy

Gedanken zum Phänomen «Flugscham». – Kritik an Uber. – Ungleiche Verteilung von SBB-Sparangeboten – Flugbegleiterinnen lästern über Piloten.

In den heutigen Sonntagstiteln sind touristische Themen, abgesehen von den klassischen Reisereportagen, überaus dünn gesät. Gerade die sonst beliebten Airline-Themen fehlen fast vollständig – dabei wären das gelungene Crowdfunding von FlyBair, das Management-Karussell bei Chair oder die neue Langstreckeninitiative von Lufthansa durchaus auch für eine breitere Öffentlichkeit von Interesse... Immerhin kommt die Luftfahrt im Zusammenhang mit Umwelt-Themen vor, welche ein weiteres Presse-Wochenende massgebend (auf den Titelseiten) prägen. Aus Sicht der Touristik waren folgende Themen relevant:

Die Politik will mehr Bahn statt Flug

In der «NZZ am Sonntag» etwa liest man, dass das Büro des Nationalrats nun die Forderung unterstützt, wonach Parlamentarier künftig ökologischer reisen sollen. Konkret heisst das: Für Reiseziele, die per Zug innert acht Stunden zu erreichen sind, soll der Bund künftig nur noch das Bahnbillett vergüten. Wer nach Brüssel, Berlin oder London fliegen will, müsste also das Ticket aus der eigenen Tasche bezahlen.

Angestossen hat diese Reisevorschriften der Grüne Michael Töngi, welcher sich daran stiess, dass die meisten Schweizer Verkehrspolitiker in diesem Jahr per Flugzeug nach Berlin flogen, um dort über die Rolle der Eisenbahn bei der ökologischen Verkehrsentwicklung zu diskutieren. Töngi findet: Auch die Volks- und Kantonsvertreter müssen einen Beitrag an den Klimaschutz leisten. Dass dadurch wertvolle Arbeitszeit verloren gehe oder gar zusätzliche Übernachtungen nötig würden, lässt er nicht gelten. Man könne auch im Zug arbeiten, «zudem gibt es ja Nachtzüge, hoffentlich bald noch mehr.»

Auch bei der Bundesverwaltung wird reduziert: Die Zahl der Kurz- und Mittelstreckenflüge der Beamten ist im Visier des Bundesrats. Wie es anders geht, hat eine 13-köpfige Delegation des Bundes gezeigt, die per Zug zu einer Umwelt-Konferenz in Spanien gereist ist und dafür 13 Stunden Bahnfahrt auf sich genommen hat.

Schäm dich!

Die «NZZ am Sonntag» geht auch gleich dem Phänomen der «Flugscham» auf den Grund und fragt sich, ob Scham wirklich die Welt verändern kann. «Scham ist das ­Gefühl unserer Zeit», analysiert die Autorin, welche feststellt, dass allein Flugscham seit letztem November in 1010 Artikeln der Schweizer Mediendatenbank erwähnt wird. Darüber hinaus gebe es auch, weniger ausgeprägt und doch vorhanden, «Kreuzfahrtscham» oder auch, schon lang und fast schon «Bürgerpflicht», die «Fahrscham» - und all die anderen, von der «Plastikscham» bis zur «Fleischscham».

«Vieles, was einmal schön war, erstrebenswert oder einfach normal, ist irgendwie problematisch. Das nervt.» Ist diese Schamwelle überbordende Lust- und Lebensfreudefeindlichkeit, oder haben wir es mit einem Gefühl zu tun, das die Welt retten kann? Wohl beides. Laut der Zeitung war Scham nie mächtiger, vergleichbar mit dem mittelalterlichen Pranger, denn beschämen ist in den sozialen Netzwerken einfach, schnell, unkontrollier­bar, wirkungs­voll, grausam. Aber Normen verändern sich und mit ihnen auch die Schamgefühle. Scham entsteht nur dann, wenn man gegen Regeln verstösst, auf die sich eine Gesellschaft verbindlich geeinigt hat. Folglich ist Beschämung auch ein Mittel, um Veränderungen zu erzwingen. Und das ist ja nicht immer schlecht.

Effektiv ist das insbesondere dann, wenn Konsumenten zu Bürgern werden und ihre Schamgefühle wie hierzulande in Wählerstimmen übersetzen. Vielleicht ist das bloss eine Phase. Vielleicht ist es auch der ­Anfang einer neuen Norm.

Ungerechte Verteilung der SBB-Sparbillette?

Bei der «SonntagsZeitung» sind Züge ein grosses Thema. Allerdings geht es hier weniger um ökologische Aspekte, als vielmehr um scheinbare Ungerechtigkeit: Ermässigte Tickets seien in Zürich und der Ostschweiz Mangelware, im Gegensatz etwa zur Romandie. Der Hauptgrund: Für Fahrten innerhalb eines Tarifverbundes werden keine Rabatte gewährt. Im Kanton Zürich und der Ostschweiz etwa, wo die grossen Verbünde Z-Pass und Ostwind die Tariflandschaft prägen, sind Sparangebote Mangelware. So bezahlt man für die Fahrt von Zürich nach Winterthur, Wil, Schaffhausen oder Glarus stets den Normalpreis. In der Westschweiz hingegen - und insbesondere in verbundlosen Gebieten wie dem Wallis - gibt es Sparbillette à discrétion.

Und so kommt der stv. Preisüberwacher Beat Niederhauser zu Wort. Er fordert die Tarifverbünde zum Handeln auf. Sie müssten Sparbillette für Fernverkehrsverbindungen innerhalb des eigenen Gebiets zulassen. Und: Mittelfristig müssten die Tarife allgemein gesenkt werden.

Mit den Sparangeboten wird Geld an die Kundinnen und Kunden zurückerstattet, wenn die SBB im Personenverkehr zu viel verdienen. So hat es der Preisüberwacher mit dem nationalen Bahnunternehmen vereinbart. Die SBB wollen derweil das Sparticket-Angebot ausbauen: Ab 2020 können Besitzer eines Zweitklasse-Generalabos zum Rabattpreis in die erste Klasse wechseln, und ab Ende Jahr werden Sparbillette für Gruppen angeboten.

Airbnb-Debatte: Professionelle Wohnungsanbieter gründen einen Verband

Der Wohnungsvermittlungsdienst Airbnb ist oft in der Kritik – bei Konsumenten beliebt, vielen Politikern aber ein Dorn im Auge. Gerade im von Overtourism geplagten Luzern ist Airbnb immer wieder ein Thema: Linke Kreise stossen sich am überbordenden Angebot an Apartments, die auf Plattformen wie Airbnb angeboten werden. Das führe zu einer Verschärfung der Wohnraumknappheit. Eine Motion zur Regulierung der Vermietung solcher Wohnungen an Touristen wurde an den Luzerner Stadtrat überwiesen.

Nun reagieren die professionellen Vermieter und haben laut «SonntagsZeitung» dieser Tage den Verband gewerblicher Apartment-Anbieter gegründet. Verbandsgründer Patrik Berisha, der mit seiner Firma Keyforge in der Stadt Luzern 40 Apartments vermietet, sieht seine Branche zu Unrecht an den Pranger gestellt. Vor allem stösst er sich daran, dass man ihn und seine Berufskollegen der «Abzocke» bezichtigte.

Am 11. November nun trafen sich die Kontrahenten sowie Vertreter der Hotellerie unter Federführung der Stadt, um mögliche Lösungen zu diskutieren. Nicht dabei war seltsamerweise Luzern Tourismus. Diskutiert wurde alles, von der Beschränkung bis hin zum Verbot; die Hoteliers fordern gleiche Auflagen für Apartment-Anbieter wie für Hotels. Wobei laut «SonntagsZeitung» in Luzern gerade mal 300 Angebote von kommerziellen Anbietern auszumachen sind, also 0,7 Prozent des Gesamtwohnungsbestandes. Die Stadt Luzern wird die Motion voraussichtlich im Januar beantworten. Man darf gespannt sein.

Fahrer klagen über Uber

Eine Reportage im «SonntagsBlick» lässt mal einen (anonymisierten) Fahrer den überaus beliebten (aber wie Airbnb oftmals kritisierten) Fahrdienst Uber beurteilen. Druck, Abhängigkeit und Überarbeitung seien für die Fahrer Alltag. Tagsüber arbeite der dreifache Familienvater als Lastwagenchauffeur, abends und am Wochenende als Uber-Fahrer. Mit dem Zusatzjob verdient der Herr bis zu 3500 Franken monatlich zusätzlich. «Das klingt nach viel Geld. Aber wenn man bedenkt, dass ich alle Kosten für die Versicherung, für Treibstoff und alles Weitere selber trage, ist es nicht mehr so viel.» Kommt hinzu: Uber zieht fast 30 Prozent der Einnahmen ein. Dafür, dass Uber nur die App zur Verfügung stellt, sei diese Gebühr ziemlich happig.

In der Schweiz ist Uber in Genf, Lausanne, Zürich und Basel zugelassen. Genf hat vor einem Monat entschieden: Der Fahrdienst Uber muss seine Fahrerinnen und Fahrer als Arbeitgeber regulär anstellen, also auch für Feriengeld und Beiträge für Sozialleistungen wie AHV und IV aufkommen. Weigert sich Uber, entzieht ihm Genf die Lizenz. Uber besteht bisher darauf, lediglich eine Plattform als Vermittler anzubieten. Als Arbeitgeber sieht sich das Unternehmen nicht. «Das ist unehrenhaft. Zumal die Argumentation von Uber nicht überzeugt. […] Selbständigkeit sieht anders aus.» kommentiert der «SonntagsBlick».

Wie ticken Flugbegleiterinnen?

Das Magazin der «NZZ am Sonntag» hat sich in «Lästerrunden mit Kabinenpersonal unterschiedlicher Seniorität von Swiss, Lufthansa und Edelweiss» umgehört und daraus ein unterhaltsames Portrait eines Berufsstands erstellt, welcher früher hohen Status genoss, inzwischen aber image- und salärseitig offenbar «abgestürzt» sei.

Da steht dann etwa, in Wir-Form geschrieben: «Offiziell heissen wir jetzt Flight-Attendants oder Flugbegleiter. Der ursprüngliche Name, Stewardess, lag unter der Würde der Männer, die sich alsbald um die Mitgliedschaft in unserem Stamm bewarben. So nannte man uns irgendwann Flight-Attendant. Unser Absturz wurde durch die allmähliche Expansion der Billig-Airlines eingeleitet. Die Tiefpreisstrategie erweiterte den exklusiven Zirkel von vermögenden Luftreisenden innerhalb weniger Jahre auf untere Einkommensschichten.

Die Idiotendichte unter den Passagieren ist seither im gleichen Masse gestiegen, wie unser Lohn gesunken ist. Das hat nichts mit Klassenunterschieden, sondern mit der grassierenden Geiz-ist-geil-Mentalität und einer arroganten Anspruchshaltung gegenüber unserem Stamm zu tun. Wer uns als dauerlächelnde, halbschlaue Tussis einschätzt, liegt daneben, denn ein brauchbarer Stereotyp sollte per Definition einen empirisch wahren Kern enthalten. Der Blick in die Statistik zeigt: Unser Stamm ist vielfältig. Wir rekrutieren uns aus allen Branchen und Bildungshintergründen, nicht wenige von uns haben studiert oder schreiben gerade an ihrer Dissertation. Das nächste Mal also, wenn Sie nicht genug Anstand aufbringen können, die Airpods aus Ihren verschmalzten Ohrmuscheln zu entfernen, wenn wir Sie freundlich um etwas bitten, bedenken Sie: Wir sprechen nicht nur drei bis vier Sprachen, sondern sind aller Wahrscheinlichkeit nach heller auf der Platte als Sie und alle Ihre im Breitbeinsitz lümmelnden Nachbarn zusammen.»

Ausserdem: «Dass wir alles daransetzen würden, um mit einem der Uniformierten aus dem Cockpit romantisch anzubandeln, stimmt so nicht. Wir halten den Attraktivitätsgrad von Piloten im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung für allgemein überschätzt.» Witzige Lektüre.

Vermischtes

Im «SonntagsBlick» gibt es einen Bericht zur Schweizer Fotografin Julie Lovens, welche immer wieder nach Kenia reist und in den Nationalreservaten der Masai Mara faszinierende Bilder der Wildtiere Afrikas schiesst.

In der «NZZ am Sonntag» gibt es einen Artikel über «das bessere Locarno» - gemeint ist damit die Stadt Meran im Südtirol, welche nicht nur mit viel Sonne und Italianità gesegnet sei, sondern auch mehr Esskultur, mehr Stil und mehr Selbstvermarktungstalent als das Tessin habe.

In der «SonntagsZeitung» schliesslich gibt es eine grosse Reportage über eine Glamping-Reise in den Süden Omans, eine Reportage über das innerschweizer Skigebiet Sörenberg, welches sich für alle Generationen eignet, sowie eine Reportage über das Pop/Rock-Museum von Roland Grossenbacher in Niederbüren SG zu lesen. Dazu kommen aus dem kommerziellen Bereich ein auffälliger doppelseitiger «Paid Post» zu Slowenien und eine Leserreise nach Marokko.