Tourismuswelt

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Ein Bild vom Gründungsakt von vor zwei Jahren (v.l.): Andy Keller (Geschäftsführer Helvetic Assistance), Andreas Buhl (VRP, MSS Holding) und Tobias Kohler (Head of Service Center, Helvetic Assistance). Bild: Rémy Steiner Photography

Schafft Andy Keller die Rettung von Helvetic Assistance?

Bis Ende Monat soll eine Lösung für den innovativen Schweizer Versicherer vorliegen. Nötig wurde die Suche nach Investoren, weil die Muttergesellschaft MSS Holding ihre Strategie geändert hat.

Vor etwas mehr als zwei Jahren, am 2. November 2017, wurde die Helvetic Assistance mit einer rauschenden Party im Zürcher Quai 61 lanciert. Der neue Reiseversicherer wurde als Tochtergesellschaft der MSS Holding aufgestellt, einem Firmennetz aus unabhängigen Firmen im Mobilitäts- und Dienstleistungssektor. Chef der Helvetic Assistance? Andy Keller, welcher nach 24 Jahren bei Elvia bzw. Mondial bzw. Allianz Global Assistance - welche er zu Beginn 2017 verlassen hatte - hier eine neue Herausforderung fand.

Zwei Jahre später: Helvetic Assistance hat sich einen Namen als «neuer Benchmark» bei den Reiseversicherungen gemacht und mit innovativen Produkten wie einer Leistungsträger-Insolvenz oder einer Mikro-TO-Versicherung viel Aufmerksamkeit gewonnen. Gerade erstere geniesst im Nachgang der Pleite von Thomas Cook besonderes Augenmerk. «Wir sind absolut im Businessplan und haben eigentlich mehr Kunden als erwartet gewinnen können», bilanziert Keller.

Dennoch ist die aktuelle Zeit sehr schwierig. Im Sommer erhielt Keller von der MSS Holding die Nachricht, dass sich diese wieder stärker auf ihre Kernkompetenzen im Mobilitätsbereich konzentrieren und deshalb die Helvetic Assistance nicht mehr im Firmennetz haben will. Seitdem hat er sich auf die Suche nach Investoren gemacht. Wie sieht es aus? «Wir sind in Kontakt mit Unternehmen - Versicherern und Reiseunternehmen - sowie mit privaten und institutionellen Investoren im Inland wie auch im Ausland», erklärt Keller. Er hat bereits in Aussicht gestellt, dass er sich selber beteiligen werde, sollte denn ein solches Multi-Beteiligungs-Konstrukt die Lösung sein. Doch die Zeit drängt: Das Stichdatum ist der 31. Dezember 2019 und realistisch gesehen sollte in wenigen Wochen die Lösung stehen. «Ich bin zuversichtlich, bald eine Lösung präsentieren zu können, hoffentlich schon an der SRV-GV, wo wir ja Sponsoren der Open Bar sind», gibt sich Keller optimistisch. Es gebe ernsthafte Interessenten, noch sei aber nicht alles in trockenen Tüchern. Und der Preis? Die Zahlen, welche teils als Verkaufspreis für die Helvetic Assistance in Medien kolportiert wurden, seien völlig realitätsfremd.

Keller muss die Assets des Unternehmens - innovative Versicherungsprodukte, moderne Technologie, das Know-how von ihm und den anderen Mitarbeitenden sowie die kurz bevorstehende Profitabilität - in die Waagschale werfen und den Finanzbedarf 2020 definieren. Was, wenn der Verkauf nicht gelingt? «Dann ist Lichterlöschen», sagt Keller ohne Umschweife. Seine aktuellen Mitarbeiter - Alessandro Calo, Tobias Kohler und Caroline Leder - sind vorsorglich schon mal auf Jobsuche, wobei er hofft, sie allenfalls noch in die neue Organisation mitnehmen zu können - wofür es aber aktuell keine Garantien gibt.

«Es ist alles gemäss Vertrag gedeckt»

Wie reagiert der Markt? «Natürlich ist eine gewisse Verunsicherung da», sagt Keller, doch fügt er sogleich an: «Die vertraglich zugesicherten Leistungen sind allesamt gedeckt, sprich der Versicherungsschutz ist über die Rückversicherer garantiert - es gibt kein Risiko einer Nicht-Versicherung.» Es sind noch Policen mit Gültigkeitsdauer bis November 2020 vorhanden, mitsamt Jahresversicherungen geht Keller davon aus, dass die Risiken bis 2021 gedeckt sein müssten. «Es gibt keinen Grund, unsere Produkte nicht weiterhin zu verkaufen», schliesst er.

Man darf gespannt sein, ob der Verkauf gelingt. An den Zahlen und an der Innovationskraft von Helvetic Assistance würde ein allfälliges Scheitern nicht liegen. Daran denkt Keller jedoch noch nicht - er will mit aller Kraft um «sein Baby» kämpfen. «Notfalls hole ich mir bei Andy Lüthi Tipps dazu, wie man sowas mit einem Crowdfunding hinkriegt», scherzt er sogar noch, in Anlehnung an das Projekt FlyBair.

(JCR)