Tourismuswelt

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Sunday Press Swiss-CEO: «In der Schweiz sollte es keine Flüge unter 100 Franken geben»

Thomas Klühr will Billigflüge verbieten, hält aber wenig von einer Flugticketabgabe. – Die Hotels in den Bergregionen blicken sehr zuversichtlich der neuen Wintersaison entgegen. – Wer in Schweizer Restaurants einen Tisch reserviert und nicht erscheint, muss künftig dafür bezahlen.

Morgen Montag tagt die Umweltkommission des Nationalrates und wird über das neue CO2-Gesetz beraten. Dabei wird sie aller Voraussicht nach eine Flugticketabgabe beschliessen. Im Interview mit dem «Sonntagsblick» gibt Swiss-CEO Thomas Klühr Gegensteuer, warnt vor Verboten und fordert staatliche Unterstützung für die Entwicklung eines CO2-neutralen Treibstoffes. Klühr moniert, dass die Klimadiskussion in den letzten Wochen zu einseitig verlaufen ist und dass die Flugticketabgabe nicht viel bringen wird: «Damit wird das eigentliche Ziel, eine CO2-Reduktion, nicht erreicht», betont er. Entweder würden Schweizer Flugreisende auf die Flughäfen München oder Basel-Mulhouse ausweichen, oder dann würden die Airlines versuchen, mit tieferen Preise an neue Passagiere zu gelangen. Klühr spricht sich aber für eine Ende der Billigfliegerei aus: «In der Schweiz sollte es keine Flüge unter 100 Franken geben.»

Trotz Klimaprotesten hat die Anzahl Fluggäste in der Schweiz nicht abgenommen. Dies zeige laut Klühr, dass das Fliegen so ein wichtiger Bestandteil geworden ist, dass er sich nicht einfach verbieten lässt. Langfristig liege die Lösung denn nicht in neuen Verboten oder Einschränkungen, sondern im synthetischen Treibstoff, welcher CO2-neutral ist. Dazu benötigt die Flugbranche in der Übergangszeit aber die Unterstützung des Staates. Klühr fordert: «Wenn die Flugticketabgabe wirklich kommt, dann sollten wir das Geld vollständig für die Entwicklung von synthetischem Treibstoff verwenden.»

Schweizer Skigebiete erhöhen die Preise

Der Winter steht vor der Tür und damit eine neue Preisrunde. Das Fazit: Wintersport in Schweizer Skigebieten wird teurer. Das zeigt eine Auswertung der «Schweiz am Wochenende». Wie die Zeitung schreibt, verdienten 2017 zwei Drittel der Skigebiete nicht genug Geld, um Investitionen in neue Anlagen zu finanzieren.

Sechs von neun grossen Schweizer Skigebieten, die Fixpreise haben, schlagen deshalb auf diese Wintersaison hin auf die Tageskarten auf. Dazu gehören nach jahrelangem Preis-Stillstand auch die Flumserberge. Der Grund liegt laut einer Flumserberg-Sprecherin in erheblichen Investitionen. Auch die Konkurrenz in Österreich wird die Preise erhöhen.

Etliche Bergbahnen arbeiten neu mit dynamischen Preisen. Für sie lief der erste Winter gut, wie es im Bericht heisst. St. Moritz beispielsweise konnte seinen Umsatz um fünf Prozent steigern und mehr Skitage verzeichnen. Auch Zermatt konnte die Anzahl «Skier Days» erhöhen – um knapp zehn Prozent.

Mehr Buchungen in den Bergregionen

In den Bergregionen ist die Vorfreude auf die Wintersaison gross. Aus gutem Grund: Die Hotels verzeichnen bereits 21 Prozent mehr Zimmerbuchungen als zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr. Jeder fünfte Hotelier rechnet denn auch damit, dass die kommende Saison besser laufen wird als die letztjährige. Zum diesem Schluss kommt eine Umfrage des Branchenverbandes Hotelleriesuisse, die dem «Sonntagsblick» vorliegt. Die Zunahme der Buchungen kann mitunter auch daran liegen, dass bei jedem zehnten Betrieb die Preise auf die kommende Wintersaison hin sinken.

Sorgen bereitet den meisten Hotellerie nach wie vor die Währungssituation. Die zweite Herausforderung sehen sie darin, genügend Personal zu finden. In den Städten kämpft die Hotellerie zudem mit der Konkurrenz der alternativen Beherbergungsformen und Buchungsplattformen.

Wirte verlangen Vorauszahlung für Tischreservation

Es ist ein alt bekanntes Übel: Gäste reservieren einen Tisch, tauchen dann aber nicht auf oder sagen sehr kurzfristig ab. Der Tisch bleibt leer.

No-Shows nennt sich das im Fachjargon. Die Zürcher Gourmet-Gaststätte «The Restaurant» im Nobelhotel Dolder verlangt aus diesem Grund seit einer Woche eine Anzahlung bei der Reservierung, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Für ein Mittagessen wird die Kreditkarte im Voraus mit 50 Franken pro Menu belastet, am Abend sind es 100 Franken – ein Drittel des Preises, den das Restaurant mit zwei Michelin-Sternen für ein Zehn-Gang-Menu verlangt. Der Betrag wird dem Gast von der Rechnung abgezogen, wenn er erscheint.

Bei rund 20 Prozent war dies laut Mark Jacob, Direktor des Hotels Dolder, in der Vergangenheit nicht der Fall. Für die Spitzengastronomie ist besonders ein Problem. Im «The Restaurant» von Starkoch Heiko Nieder können die Tische nur einmal pro Abend vergeben werden. Bleibt ein reservierter Tisch leer, klafft in der Kasse ein Loch.

International setzen Gourmet-Tempel schon länger auf Vorauszahlungen. Etabliert hat sich das Internet-Reservationssystem Tock, welches nun auch das Dolder nutzt. Gäste mit einer Reservation haben bis 72 Stunden vor dem Termin die Möglichkeit, diese zu stornieren.

Schon länger auf Vorauszahlung setzt die Zürcher Kunst-Bäckerei Miyuko. Dies habe anfangs einige Gäste verärgert, sagt Inhaberin Sara Hochuli. Aber: «Leere Tische an ausgebuchten Wochenenden kann sich unser kleines Café nicht leisten.»

Wochen der Entscheidung bei Boeing

Bereits seit mehr als sieben Monaten hat keine Boeing-Maschine vom Typ 737 Max 8 weltweit als kommerzieller Flug eine Startbahn verlassen. Stattdessen wurden die Maschinen rund um den Globus eingemottet, und Boeing produziert auf Halde. Dies geht ins Geld, wie die jüngsten Quartalszahlen zeigen. Insgesamt belaufen sich die Kosten bereits auf 9 Milliarden US-Dollar inklusive 5,6 Milliarden US-Dollar an Schadensersatzforderungen von den Airline-Kunden, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Die vollen Kosten zur Bewältigung des Dramas könnten schliesslich 17 Milliarden US-Dollar betragen, schätzt laut «Financial Times» der Airlinespezialist der US-Bank Merrill Lynch.

Richard Aboulafia sieht in der Wiederzulassung der Max 8 den entscheidenden Faktor für die Entwicklung des Unternehmens. «Wenn die Zertifizierung im Januar durchkäme, wäre der jetzige Cash-Verlust kein grosses Problem, wenn das Ganze aber noch bis Mitte kommenden Jahres dauert, wäre das eine ganz andere Geschichte», sagt der Experte der Luftfahrtindustrie. Die Schadensersatzforderungen von Airlines und den Angehörigen der Absturz-Opfer hält Aboulafia nicht für unternehmensgefährdend.

Doch über den Zeitplan der Neuzulassung ist nichts bekannt. Boeing hofft weiterhin, dass bis Ende dieses Jahres die amerikanische Flugaufsichtsbehörde FAA eine Neuzertifizierung des Flugzeuges abschliesst. Das ist nach Ansicht vieler Fachleute optimistisch.

Malaga, Oxford und Neuhausen am Rheinfall

Die «Sonntagszeitung» berichtet auf ihren Reiseseiten über die Miniaturwelt Smilestones in Neuhausen am Rheinfall, Oxford und Skifahren im kanadischen Whistler. Die Themen in der «Schweiz am Wochenende» sind: Auf den Spuren von Pablo Picasso in Malaga und gespenstige Orte in der Schweiz.

(DWB)