Tourismuswelt

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«Klar, Fliegen ist ein Teil des Klimaproblems. Aber das Flug-Bashing ist übertrieben», sagt André Lüthi, CEO Globetrotter Group. Bild: HO

André Lüthi für Flugticket-Abgabe und Touristenkontingente

In einem Interview äussert sich der CEO der Globetrotter Group zu brisanten Branchenthemen.

In einem Interview mit der htr hotelrevue, die heute in einem neuen, frischen Look erscheint, nimmt André Lüthi, der CEO der Globetrotter Group zu einigen brisanten Tourismusthemen Stellung.

Lüthi gibt es zu denken, was beim Machu Picchu und anderen Hotspots heute abgeht, und dass jährlich 50 Millionen Inder und Chinesen in die Mittelklasse aufsteigen und sich nun das Reisen leisten können, wenn dies auch ihr gutes Recht sei. «Geht man in ein Museum, zahlt man Eintritt. Wir sind vielerorts an einem Punkt angelangt, wo es nur noch über Kontingente geht, über maximale Besucherzahlen und höhere Preise.» Er sei dafür, dass man beschliesst, pro Tag nur noch 2500 Leute auf den Machu Picchu zu lassen. Aber diese 2500 sollten je 40 Dollar Eintritt zahlen.

Auch Richtung Schweizer Touristiker richtet sich Lüthi: «Gerade in der Schweiz gibt es noch immer viele Touristiker, die der Meinung sind, Overtourism sei für unser Land noch kein Thema. Da wir zu oft verdrängt und schöngeredet. Ja, wir haben in Luzern bislang nicht Zustände wie in Dubrovnik. Aber das rollt auf uns zu, und deshalb sollten wir jetzt schon über Massnahmen diskutieren.»

«Ich bin für eine Ticketsteuer»

Zum Fliegen wird Lüthi ebenso befragt: «Ja, Fliegen ist viel zu günstig. Aber ich weiss, dass meine Kritik daran nichts ändern wird. Wenn man Airbusse à gogo bestellt, die dann nicht ausgelastet sind, kann man nur noch über den Markt, also den Preis reagieren.» Ob es nicht nicht fast schon ein Menschenrecht sei, dass auch Menschen mit wenig Geld in der Welt herumkommen dürfen? Lüthi: «Das lasse ich nicht gelten. Ist es ein Menschenrecht, für dreissig Franken nach London zu fliegen? Zu einem Betrag, der in keiner Relation zu dem steht, was es wert ist?»

Weiter äussert er Zweifel über die Wirkung der CO2-Kompensation: «Fliege ich jetzt mit einem besseren Gewissen nach New York, weil in Äthiopien eine Familie mit Solarstrom kocht?» fragt sich der Globetrotter-Chef. Da sei ihm die Wirkung zu wenig effizient und nachhaltig: «Ich bin für eine Ticketsteuer. Aber meiner Meinung nach sollte dieses Geld voll und ganz in die Forschung und in die Entwicklung neuer Technologien fliessen. Und ich bin überzeugt, wir finden neue Wege, um die Mobilität und die Industrie noch viel klimaschonender zu gestalten. Die Forschung hat so unglaublich viel Potenzial.»

Lüthi, der seit vier Jahren Mitglied der Milestone-Jury ist, wird auch nach dem Innovationsgrad des Reiselandes Schweiz gefragt. Da gibt er sich zurückhaltend: «Jedes Jahr landen in etwa gleich viele Projekte auf dem Jurytisch, bei denen wir wirklich von Innovation sprechen können. Ich glaube, es gibt in dieser Branche tolle Innovationen, aber aus irgendeinem Grund bewerben sich viele nicht für den Milestone. Schade, denn der Preis und die Idee dahinter sind eine grosse Chance.»

(TN)