Tourismuswelt

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Sunday Press Die Hintergründe zum Eklat in St. Moritz

Engadin St. Moritz Tourismus muss sich einen neuen Chef suchen. Doch was führte zum Zerwürfnis im Engadiner Nobelort? – Schlechte Nachrichten gibt es für Fans der «Tante Ju». – Weshalb Katastrophentourismus per se nicht schlecht sein muss.

Er ist weg. Gerhard Walter, Chef der Engadin St. Moritz Tourismus AG, hat an einer Sitzung mit dem Verwaltungsrat am Donnerstag mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt eingereicht – travelnews.ch berichtete. Als Erklärung für die abrupte Trennung nannte der Verwaltungsrat «unterschiedliche Auffassungen über die künftige Unternehmensführung». Für die «Sonntagszeitung» ist der Zeitpunkt von Walters Abgang unglücklich: Die Sommersaison ist noch in Gang, und erst vor zwei Wochen hatte die Tourismusorganisation eine Neuorganisation der Geschäftsleitung bekannt gegeben.

Ganz offensichtlich rumorte es aber schon länger im Engadiner Nobelort. «Wenn man mehr als nur einmal unterschiedlicher Meinung über Projekte und Themen ist, zeigt das, dass das gemeinsame Verständnis und Vertrauen nicht mehr gegeben ist», wird Walter in der «Sonntagszeitung» zitiert. Es sei unter anderem auch um Budgetfragen gegangen. Der Österreicher trat seinen Job erst im Mai 2017 an. Im Nachbarland hatte er zwei der prominentesten Tourismusorte geführt und sich damit für die Schweiz empfohlen: Lech Zürs und Kitzbühel.

In St. Moritz, das in den Jahren zuvor unter einem Schwund der Hotelübernachtungen gelitten hatte, musste er zusammen mit dem Verwaltungsrat eine neue Strategie aufgleisen. Man beschloss, die Glamour-Marke St. Moritz und die umliegenden Engadiner Orte wie Pontresina oder Silvaplana fortan wieder getrennt zu vermarkten. Die Trendwende bei den Logiernächten ist zwar gelungen. Doch die Umsetzung der Strategie steht erst an — und da ist Walter offenbar nicht mehr der Richtige.

«Herr Walter hat, wie jeder Mensch, seine Stärken und Schwächen», sagt Präsident Marcus Gschwend. «Letztere sind vermehrt zum Tragen gekommen.» Walter hat laut der «Sonntagszeitung» offenbar das Tagesgeschäft zu wenig geführt.

Wie sicher sind die neuen Swiss-Flieger?

Die Swiss bekommt zwei neue Langstreckenflieger. Dadurch entstehen 300 Jobs. Dass die beiden Maschinen vom Typ Boeing 777 sind und somit aus den USA stammen, stellt sich für den «Sonntagsblick» nach den beiden verheerenden Unfällen mit Fliegern des Typ Boeing Max 737 die Frage: «Können wir den Amerikanern noch vertrauen?» Bei den Unglücksmaschinen besteht der Verdacht, dass Software-Fehler zu den Abstürzen führten. Dabei sollen nicht nur die Boeing-Ingenieure geschlampt haben, sondern auch die Prüfer der US-Flugaufsicht FAA. Diese sollen wichtige Tests dem Hersteller überlassen haben.

«Die FAA ist höllisch unter Druck, sie darf sich keinen zweiten Fehler leisten», zitiert der «Sonntagsblick» den Berner Luftfahrtexperten Max Ungricht. Die FAA sei früher eine Ikone gewesen, man habe sich auf sie verlassen können, so Ungricht weiter.

Können Schweizer Passagiere den US-Prüfern also noch vertrauen? Die Antwort ist einfach: Es bleibt den Schweizern gar keine andere Wahl. Denn wenn die US-Behörden einem neuen Flieger grünes Licht geben, schliessen sich dem Entscheid die europäischen an. Der Grund dafür ist ein bilaterales Abkommen. Das war auch beim Flieger Typ Boeing Max 737 der Fall — die europäischen Behörden verzichteten gar auf eigene Tests. Luftfahrtexperte Ungricht sieht es pragmatisch «Bei den Passagieren sind solche Ereignisse schnell vergessen.»

Katastrophen-Tourismus — ein zweifelhaftes Geschäft

«Desaster-Tourismus» oder auch «Dark Tourism» ist ein Trend in der Reisebranche – oder zumindest ein Geschäft. Ob zum havarierten AKW nach Tschernobyl oder in das Genozid-Museum Tuol Sleng in Kambodscha – was Gruselschauer über den Rücken jagt, gilt für immer mehr Reisende als das ultimative Ferienerlebnis. Ist das moralisch nicht mindestens zweifelhaft oder gar verwerflich? Oder kann diese Art von touristischem Konsum sinnvolle Wiederaufbauhilfe sein? Die «NZZ am Sonntag» ist der Frage in ihrem Magazin nachgegangen.

Das Fazit: Dunkler Tourismus muss nicht per se schlecht sein, wenn man der Tourismusforscherin Dorina-Maria Buda glauben will: «Wenn er mit Sorgfalt, Mitgefühl, Moral und Ethik betrieben wird», sagt die Forscherin von der Leeds-Beckett-Universität, «dann kann er uns zu besseren Menschen machen und uns den emotionalen Anstoss dazu geben, einige unserer Vorurteile und Traumas abzubauen.» Touristen würden einen solchen Ort mit einem höheren emotionalen Bewusstsein verlassen, mit einem besseren kulturellem Verständnis und Mitgefühl. Die Ortsansässigen wiederum seien zufrieden, dass ihre Realität vor Ort von den Reisenden bezeugt wurde, sagt Buda.

Es gibt auch monetäre Gründe. In der Region rund um Fukushima, die im März 2011 von einer Natur- und atomare Katastrophe heimgesucht worden ist, wittert eine einmalige Chance, sich als Touristenziel zu etablieren. Einen erster Erfolg kann man verbuchen. Ein Teil der Spiele der Rugby-WM, welche in wenigen Tagen in Japan beginnt, wird in dieser Gegend ausgetragen.

Lufthansa stellt Ju-52-Flüge ein

Am 4. August 2018 um 16:56 Uhr stürzte am Segnespass zwischen Flims (Graubünden) und Elm (Glarus) eine Junkers Ju-52 — liebevoll «Tante Ju» genannt — ab. Alle zwanzig Insassen kamen ums Leben. Ein Jahr später hat der Unfall selbst ausserhalb der Schweiz Folgen. Wie die «Sonntagszeitung» schreibt, hat die Geschäftsführung der Deutschen Lufthansa vergangenen Freitag beschlossen, dass ihr Flugzeug des Typs Ju-52 nie mehr abheben wird. Es wird kommende Woche auf dem Landweg von Hamburg nach Bremen gebracht und dort eingelagert. Später soll der Oldie-Flieger in ein Museum gelangen. Welches, lässt die Lufthansa offen. Doch: «Die Entscheidung ist gefallen, für die Lufthansa Ju-52 wird eine angemessene museale Lösung entwickelt», teilt die Deutsche Lufthansa Berlin-Stiftung mit.

Für Liebhaber historischer Flugzeuge ist das eine schmerzhafte Nachricht. Denn nach dem Absturz der Maschine am Segnespass gibt es weltweit nur noch drei flugfähige Original-Ju-52: Eines gehört der Deutschen Lufthansa Berlin-Stiftung, zwei der Schweizer Vereinigung Ju-Air. Aktuell fliegt keines von ihnen, denn im März entzog das Bundesamt für Zivilluftfahrt der Ju-Air die Genehmigung für kommerzielle Passagierflüge.

Mit dem Zug verreisen, Thurgau, Elba

Mit den Kindern im Zug nach Spanien in die Ferien verreisen — die «Schweiz am Wochenende» wartet auf ihren Reiseseiten mit einem grossen Erfahrungsbericht auf. Zudem bringt sie eine Reportage von einer Zugreise durch Schottland. In der «Sonntagszeitung» geht es auf den Reiseseiten in den Thurgau, auf eine Wanderung quer durch Elba und in den neuen Center Parc im Allgäu.

(DWB)