Tourismuswelt

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Sunday Press Hiobsbotschaft für Schweizer Tourismus

Der Euro bereitet wieder Sorgen. Laut dem Chefökonom der Raiffeisenbank wird die Parität kommen. Dies weckt ungute Erinnerungen. -- Swiss bekundet Probleme beim Ausbau ihre Langstreckenflugnetzes. -- Krisenregionen verteuern das Fliegen.

Am vergangenen Dienstag war der Euro weniger wert als 1.10 Franken. Zwar hat er seit Donnerstag wieder an Wert zugelegt. Doch Martin Neff, Chefökonom der Raiffeisenbank, prophezeit im «Sonntagsblick»: «Die Parität kommt. In 18 Monaten wird der Euro einen Franken kosten.» Dies ist keine gute Nachricht, insbesondere für den Schweizer Tourismus nicht. «Wir spüren den Euro-Wechselkurs», sagt der Bündner Volkswirtschaftsdirektor Marcus Caduff. «Die Logiernächte in unseren Hotels steigen und fallen damit.» Die Euro-Franken-Parität würden die Ferienregion Graubünden denn auch empfindlich treffen. «Nach den Schweizern sind die europäischen Besucher hier die wichtigsten Gäste. Kommt die Parität, werden diese Gäste ausbleiben.» André Aschwanden, Mediensprecher von Schweiz Tourismus, mag noch nicht so weit denken. Er appelliert, nicht in Panik zu verfallen: «Solange es nicht wird wie 2015, versuchen wir, gelassen zu bleiben.» 2015 hob die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs auf – mit schmerzlichen Folgen für die Schweizer Wirtschaft und den Tourismus.

Swiss bekommt in Südkorea Slot nicht

Die Swiss will ihr Langstreckennetz ausbauen. Als neue Destinationen sollen Washington D.C. und Seoul dazukommen. Bei der südkoreanischen Hauptstadt gibt es aber Probleme, wie die «Schweiz am Wochenende» schreibt. Die Swiss hat Mühe, den gewünschten Slot zu erhalten. Deshalb zeichnet sich ab, dass die Schweizer Airline stattdessen auf Osaka im Westen von Japan setzt. Osaka ist mit 2,7 Millionen Einwohnern die drittgrösste Stadt Japans und vor allem bei Chinesen ein beliebtes Ferienziel. Die Swiss wollte gegenüber der «Schweiz am Wochenende» keine Stellung nehmen.

Krisenregionen machen Fliegen teurer

Fluglinien zahlen drauf, wenn sie Krisenregionen umfliegen. Und die Zahl der Krisengebiete hat sich in den vergangenen Jahren erhöht. Laut der «Sonntagszeitung» umfliegt die Swiss derzeit sieben Länder und Regionen. Für Airlines sind solche Umwege eine Herausforderung. Sie kosten Zeit und noch mehr Geld. Pro 100 Kilometer verlängert sich die Flugzeit um fünf bis zehn Minuten. Und das braucht Kerosin. Über Details zu den Treibstoffkosten schweigen Airlines sich naturgemäss aus, doch beim Blick auf die Website des US-Flugzeugbauers Boeing erhält man zumindest einen Eindruck: Mit einer zusätzlichen Stunde Flug verbraucht ein Jumbojet rund 8,8 Tonnen Kerosin. Das entspricht derzeit zusätzlichen Kosten von rund 5000 Franken.

Bei Swiss beschäftigt sich gemäss dem Bericht der «Sonntagszeitung» eine eigene Sicherheitsabteilung mit dem Thema. «Die aktuellen Risiken werden mit verschiedenen Methoden eingeschätzt und stützen sich auf eine Vielzahl von Informationsquellen, darunter auch die schweizerischen und ausländischen Sicherheitsbehörden», erklärt eine Sprecherin. Zudem finde ein regelmässiger Austausch zwischen den Sicherheitsabteilungen der Airlines der Lufthansa-Gruppe statt.

Langstrecke bereitet Knecht Reisen Freude

Das Badegeschäft läuft bei Knecht Reisen noch immer verhalten. Dies sagt CEO Marcel Gehring im Interview in «NZZexecutive». Gehring führt dies nicht nur auf die aktuelle Klimadiskussion zurück. Es gebe verschiedene Gründe für diese Entwicklung, einer sei unter anderem der Sommer im Vorjahr. Das Badeferien-Geschäft harzt zwar, dafür zeigt sich Gehring mit der Entwicklung des Individualreisegeschäfts auf der Langstrecke umso zufriedener. Was die Zukunft der Schweiz anbelangt, ist Gehring sehr zuversichtlich. «Ich bin überzeugt, dass sich durch die Digitalisierung und den ökologischen Wandel sehr viel Potenzial für die Schweiz ergeben wird», sagt er.

Als Bahnreisen noch ein Highlight waren

Die Luzerner Ausgabe der «Schweiz am Wochenende» hat bei Reiseanbietern und -experten nachgefragt, wie sich das Reisegeschäft in den vergangenen zwanzig Jahren verändert hat. Fazit; Früher waren Städte- und Bahnreisen an die Adria bereits das Highlight, heute wollen die Kunden oft Neues entdecken. Das spüren auch Reisebusunternehmen: «Vor 50 Jahren hat man mit dem Car höchsten Tagesausflüge gemacht, vor 30 Jahren fuhr man ins benachbarte Ausland, heute sind zweiwöchige Erlebnisrundreisen in Skandinavien und Marokko sehr gefragt», wird Marco Gössi, Inhaber und Geschäftsführer von Gössi Carreisen aus Horw zitiert. Flugreisen sind heute zu einem Allgemeingut geworden, das waren sie vor 20 Jahren noch nicht. Doch dies könnte sich laut Christian Laesser, Professor für Tourismus an der Universität St. Gallen, ändern. «Flugreisen könnten sich aufgrund ökologischer Gründe deutlich verteuern», sagt er. Dadurch würden dann laut Laesser vor allem weit entfernte Regionen wie Australien oder Neuseeland deutlich weniger attraktiv.

Die Sticheleien der Tourguides

Was erzählen Fremdenführer in der Schweiz unseren Gästen eigentlich alles? Der «Sonntagsblick» schloss sich in Zürich, Bern und Luzern Touristengruppen bei der Stadtführung an und war erstaunt: die Touristen aus aller Welt erfahren von Fremdenführern immer wieder Dinge, die oftmals nicht einmal Einheimischen wissen (Luzern hat beispielsweise am meisten Feiertage von allen Schweizer Städten). Politische Fragen sind eher die Ausnahme, dafür wollen die Gäste umso mehr wissen, wo man günstig essen kann. Beliebt sind in Bern und Luzern zudem Sticheleien gegen Zürcher. Ein Beispiel aus Bern: «Das Berner Münster hat den höchsten Kirchturm in der Schweiz», erklärt die Reiseführerin und betont: «Und das Wichtigste: Er ist höher als alle Kirchtürme in Zürich.»

Brasilien, Turin, Finnland und die Rigi

Die «Schweiz am Wochenende» berichtet auf ihren Reiseseiten über Turin, das im Schatten von Venedig, Florenz und Rom steht sowie über eine Jaguar-Safari in Brasilien. Die «Sonntagszeitung» wartet auf ihren Reiseseiten mit einem Sonntagsausflug auf die Rigi auf und einer grossen Reportage über Ferien auf einer einsamen Insel in Finnland. Die «NZZ am Sonntag» berichtet über Hüttenzauber am Maloja.

(DWB)