Tourismuswelt

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Nächste Woche steigt der Frauenstreik. Ist dieser für die Reisebranche wirklich ein Non-Thema oder gibt es eine «silent majority», welche durchaus gerne was dazu sagen würde, aber nicht kann bzw. sich nicht getraut? Wir wollen wissen, wie die Lage effektiv ist. Schreiben Sie uns! Bild: GWA

Ist die Reisebranche in Sachen Gleichstellung wirklich die Rosabranche?

Nächste Woche steigt der Frauenstreik. Offenbar sind dessen Anliegen in der Reisebranche kein grosses Thema. Oder vielleicht doch? Wir suchen nach Beispielen, wo nicht alles so rosa ist, wie es scheint.

Im Mai stellte Travelnews die Frage, wie es die Reisebranche – traditionell mit einer grossen Mehrheit von Frauen besetzt, allerdings nicht so sehr in den Chefetagen – denn mit den Anliegen des Frauenstreik-Komitees hält. Im Rahmen unserer Umfrage, an welcher übrigens 139 Personen teilnahmen, antwortete fast die Hälfte (46%), dass der Frauenstreik «überflüssig» sei. Weitere 46 Prozent waren den Anliegen jedoch eher wohlwollend gestimmt: 19 Prozent klickten auf «Ja, diese Anliegen sind mir wichtig» (und nimmt also teil), während 27 Prozent offenbar gerne am Streik teilnehmen würden, aber nicht dürfen oder können. Zugegebenermassen wissen wir nicht, wie hoch der Männeranteil unter den Antworten ist, aber das tut eigentlich auch gar nichts zur Sache.

Denn in einem Follow-Up-Artikel richteten wir uns an die Arbeitgeber. Dort gab es in einer Umfrage erwartungsgemäss deutlich weniger Teilnehmer (34 insgesamt), doch das Resultat spricht Bände: Kumulierte 65 Prozent zeigen wenig Verständnis - die meisten davon (41%) weil Gleichstellung in der Firma bereits umgesetzt sei, während 18 Prozent finden, der Streik sei gut, aber gearbeitet werden müsse trotzdem - anscheinend ohne einen Widerspruch in dieser Antwort zu sehen. Immerhin 35 Prozent zeigten auch etwas Kulanz.

Beim ersten Frauenstreik vor 28 Jahren war im Vorfeld von Arbeitgeberseite auch viel gepoltert worden; am Ende jedoch versuchten viele, versöhnliche Töne von sich zu geben und Blumensträusschen zu verteilen. Tja, darf man überhaupt streiken? Tatsächlich ist das Recht auf Streik seit 1999 in der Bundesverfassung verankert - unterliegt aber in der rechtlichen «Hierarchie» der «absoluten Friedenspflicht», die in vielen Gesamtarbeitsverträgen vereinbart ist. Und genau darauf berufen sich auch die grossen (touristischen) Arbeitgeber.

Sind die Löhne effektiv gleich und haben Frauen dieselben Aufstiegschancen?

Uns interessiert heute aber nicht der Streik per se, sondern die effektive Situation in der Branche. Ist Gleichstellung wirklich so weit umgesetzt, wie vorgeben wird? Ist «Gleichheit» wirklich ein «Non-Thema»? Sind die Löhne effektiv gleich (sofern sich das in der Schweiz mit ihrem Tabuthema Lohn überhaupt prüfen lässt) und haben Frauen dieselben Aufstiegschancen? Kann es wirklich sein, dass die rund 70 Prozent Frauen, welche die Arbeitnehmerschaft der Reisebranche ausmachen, «aus eigenem Verschulden» nicht auch 70 Prozent der Chefetagen ausmachen? Wir würden uns über Ihre eigenen Erfahrungen und Beobachtungen sehr freuen - und würden diese bei einer Verwendung in einem Folgeartikel selbstverständlich nur anonymisiert publizieren. Schreiben Sie uns unter redaktion@travelnews.ch ihre ungeblümte, mit Fakten bzw. Erfahrungen belegte Meinung zum Thema.

(JCR)