Tourismuswelt

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Sunday Press Schweiz soll vermehrt auf einheimische und europäische Touristen setzen

Weniger Touristen aus Asien und Übersee einfliegen und Kunden aus der näherem Umgebung mit dem Zug anreisen lassen: Dies und mehr fordert die SP in einem neuen Positionspapier. — Schon bald könnte für alle Schweizer Bürger ein individuelles CO2-Budget für den Flugverkehr lanciert werden. — In kaum einer anderen Branche werden die Entwicklungen derzeit so enthusiastisch verfolgt wie bei den Flugtaxis.

SP fordert eine «sorgfältige Weiterentwicklung» des Ferienlands Schweiz 

Gestaffelt in Gruppen von bis zu 4000 Personen bereisen diesen Monat insgesamt 12000 Chinesen die Schweiz. Die SP Schweiz hält diese Art von Massentourismus nicht für zukunftsweisend, wie in der «NZZ am Sonntag» zu lesen ist. Im Leistungsauftrag des Bundes an die Marketingorganisation «Schweiz Tourismus» sei festzuhalten, dass «der Anteil der Gäste aus den Fernmärkten gegenüber jenem aus den europäischen Nahmärkten nicht mehr weiter gesteigert werden darf.» Statt mehr Touristen aus Asien und Übersee einzufliegen, soll die Schweiz stärker auf einheimische Gäste und Kunden aus Europa setzen. Und diese sollen möglichst mit dem Zug anreisen. Konsequenterweise fordert die SP in ihrem Positionspapier eine Flugticketabgabe im Kampf gegen die Klimaerwärmung. Und sie schlägt vor, dass Züge aus dem Ausland bis in den Alpenraum fahren, so dass die ausländischen Gäste eine direkte Verbindung zu ihrem Zielort haben.

Der Tourismus soll aber nicht bekämpft werden: Der Bundesrat solle einen Fonds ins Leben rufen zur Sanierung von Hotels und Ferienunterkünften im Berggebiet. Und der Bund soll eine nationale Buchungsplattform zur Vermittlung aller in der Schweiz vermietbaren Hotelzimmer und Ferienwohnungen finanzieren und diese gratis zur Verfügung stellen. Am Papier mitgearbeitet hat auch die Bündner Nationalrätin Silva Semadeni. Sie fordert im Berggebiet einen Ganzjahrestourismus. Und sie wünscht sich neue Nationalpärke: «Davon profitieren beide, die Natur und der Tourismus.»

CO2-Budget für alle Bürger

In einer kürzlich von der FDP durchgeführten Befragung sagten drei Viertel ihrer Mitglieder Ja zur einer Flugticketabgabe. Diese Massnahme belastet Flüge aus Umweltschutzgründen mit einem Betrag zwischen 12 und 50 Franken. Philippe Thalmann, EPFL-Professor für Umweltökonomie schlägt ein anderes Modell vor: ein individuelles CO2-Budget für den Flugverkehr. Heute betragen die CO2-Emissionen aus dem Fliegen pro Kopf 640 kg. Gemäss Zahlen des Bundes flogen die Schweizer 2015 im Schnitt 9000 km. Das Parlament könnte nun gemäss Thalmann für 2021 jedem Bürger ein um 10 Prozent reduziertes Budget von 8100 km gutschreiben. Das entspricht etwa Flügen von Zürich nach Oslo sowie nach Marokko. Wer mehr fliegen will, muss anderen ihr Kontingent abkaufen oder über mehrere Jahre sparen. Wer nicht fliegt, kann sein Budget zu Geld machen oder es aus Umweltschutzgründen löschen.

Nach den Städten wächst auch auf dem Land der Widerstand gegen Airbnb

Airbnb und andere Anbieter wie Home Away oder Booking.com stossen auch in ländlichen Gebieten vermehrt auf Widerstand. Interlaken und die beiden Nachbargemeinden wollen in den nächsten zwei Jahren langfristige Massnahmen erarbeiten, um den Zweitwohnungsboom zu bremsen, schreibt die «Sonntagszeitung». In Genf darf eine Wohnung seit vergangenem Jahr während höchstens 90 Tagen im Jahr touristisch vermietet werden. In Bern ist es ebenfalls seit vergangenem Jahr in der Altstadt nicht mehr möglich, bestehende Wohnungen in Zweitwohnungen umzuwandeln. Über 35 000 Unterkünfte findet man in der Schweiz auf Airbnb - wöchentlich kommen neue hinzu. Der digitale Vermittler von Schlafgelegenheiten stösst auch im Ausland vermehrt auf Widerstand. Im spanischen Ferienort Palma de Mallorca ist es Wohnungsbesitzern seit vergangenem Jahr untersagt, ihre Zimmer an Feriengäste zu vermieten. Andere Städte beschränken die Vermietungsdauer. In Amsterdam beträgt diese höchstens 60 Tage, in San Francisco sind es 90, in Paris 120 und in Tokio 180 Tage.

Die elektrischen Flugtaxis kommen

Vor wenigen Tagen hat die Münchner Firam Lilium ein ferngesteuertes Flugobjekt mit 36 elektrischen Jetmotoren vorgestellt, das bereits ab 2025 den Betrieb aufnehmen soll. Das Flugtaxi ist bis zu 300 Kilometer pro Stunde schnell. Der Transport soll dennoch nicht mehr als eine einfache Taxifahrt kosten. Zu den Geldgebern für die Entwicklung gehört die Fürstenfamilie in Vaduz. Die Investmentbank Morgan Stanley hat Anfang des Jahres in einer Studie prognostiziert, dass der Flugtaxi-Markt 2040 bereits 1,5 Bio. $ jährlich umsetzen könnte. In kaum einer anderen Branche werden die Entwicklungen derzeit so enthusiastisch verfolgt wie bei den Flugtaxis. Auch etablierte Ridesharing-Unternehmen wollen in das Geschäft am Himmel einsteigen. Uber arbeitet derzeit an seinem «Elevate»-Projekt. Ab 2023 will Uber unter anderem in Dallas und Los Angeles Flüge zwischen den Innenstädten und Vororten anbieten. Ein dritter Standort soll im ­Ausland entstehen. Als Transportmittel sollen elektrisch betriebene Senkrechtstarter dienen, die Uber derzeit von Drittunternehmen entwickeln lässt. Die Fluggeräte sollen auf Plattformen landen, die jeweils bis zu 1000 Landungen pro Stunde durchführen können. Das ist ein Vielfaches der Kapazitäten der grossen Helikopterlandeplätze, berichtet die «NZZ am Sonntag».

Birrfeld: Bei Starts nach Osten droht der Absturz auf die Autobahn

Walter K., der im Birrfeld ums Leben kam, hatte wohl keine Chance, den Absturz zu verhindern. Bei einem Start nach Osten und Motorausfall, was am Dienstag passiert sein könnte, besteht das Risiko, auf die Autobahn abzustürzen – weil Notlandeplätze fehlen. «Der Unfall hätte viel schlimmer ausgehen können, wenn das Flugzeug auf die Autobahn abgestürzt wäre», sagte Polizeisprecher Bernhard Graser schon am Dienstagabend am Absturzort. Dort fahren täglich mehrere zehntausend Autos vorbei, zur Zeit des Unglücks um 17.15 Uhr herrschte dichter Abendverkehr. Laut den bisherigen Erkenntnissen stürzte das Flugzeug nahezu senkrecht ab, der Pilot hatte offenbar kurz nach dem Start die Kontrolle verloren. In der Gefahren- und Risikoanalyse für das Birrfeld ist als sogenannter «Top Hazard», also massiver Risikofaktor, aufgeführt: «Keine geeigneten Notlandefelder bei Motorausfall kurz nach dem Start auf der Piste 08.» In dieser Situation, nach dem Abheben in östlicher Richtung, drohe die «Beschädigung des Luftfahrzeugs» und eine «Kollision mit dem Gelände». Das Risiko müsse «auf tiefem Niveau akzeptiert werden», das Problem an sich könne nicht behoben werden. Es würden jedoch entsprechende Schulungen bei Checkflügen und Platzeinweisungen mit Fluglehrern durchgeführt, berichtet die «Schweiz am Wochenende».

Blade: Das Uber für Helikopterflüge

Von der Wall Street in 27 Minuten an den Flughafen-Check-in: In New York gibt der neue Helitaxi-Dienst Blade zu reden . Seit Ende März bietet das Transportunternehmen ­Zubringerflüge per Helikopter zu den grossen Flughäfen John F. Kennedy, La Guardia und Newark schon für 195 USD an. Der Premiumservice von Uber kostet ähnlich viel. Und wer den Helikopter nimmt, braucht nur wenige Minuten bis zum Ziel. Per Taxi oder U-Bahn kann die Fahrt zum Flughafen dagegen mehr als eine Stunde dauern. Per App oder Web ist der Flug selbst wenige Minuten vor Abflug noch buchbar. Statt selbst teuer einen Helikopter zu mieten, teilen sich mehrere Passagiere einen Flug. Was Uber und Co. auf der Strasse anbieten, will Blade für den Luftraum schaffen. Der durchschnittliche Kunde ist laut Unternehmensangaben 38 Jahre alt. 55 Prozent sind männlich, und fast alle buchen ihren Flug per App. Mittelfristig will Blade die Preise noch weiter senken, das dürfte weitere Kunden anziehen.

Irrflug über den Schweizer Luftraum: Rentner wurde bestraft

Ein deutscher Rentner und Hobby-Pilot, der im Sommer 2016 für eine Schliessung des Flughafen Zürichs von rund 45 Minuten sorgte, wurde jetzt bestraft. Der Kamikaze-Pilot navigierte unbeschwert nach den Regeln des Sichtflugs, der in seinem Fall leider eher einem Blindflug glich. Der Mann hatte den Transponder ausgeschaltet, einen automatischen Kennungssender, Verbindung mit dem Tower bestand keine – und in der Gegend von Kloten kannte er sich offenbar nicht aus. Er flog so nahe an die Piste 28 heran,  dass dem Tower nichts übrig blieb, als sämtliche Starts bis auf weiteres zu unterbrechen. Der Hobbypilot hatte den Radar die ganze Zeit ausgeschaltet. Wie aus dem Strafbefehl hervorgeht, der dem «Sonntagsblick» vorliegt, wurde der Mann nun von der Bundesanwaltschaft verurteilt. Es habe sich um einen schwerwiegenden Vorfall gehandelt, Passagiere, Crew wie Bodenpersonal seien massiven Gefährdungen ausgesetzt gewesen. Das Urteil wurde erst jetzt rechtskräftig, weil sich der Deutsche hartnäckig wehrte. Verurteilt wurde der Rentner nun wegen Störung des öffentlichen Verkehrs zu einer bedingten Geldstrafe von 7500 und einer Busse von 1500 Franken.

Erste grosse Chinesen-Gruppe ist abgereist

Die ersten 4000 chinesischen Touristen, die auf Einladung der Firma Jeunesse Global die Schweiz bereisten, sind wieder heimgekehrt. Da die Gruppe weiter aufgeteilt worden sei, habe es bei den Sehenswürdigkeiten keine Wartezeiten oder Engpässe gegeben, teilt «Schweiz Tourismus» mit. In Luzern, wo sich letzten Montag die ganze Gesellschaft versammelte, hätten sich die Vorkehrungen bewährt. In den nächsten zwei Wochen sind weitere Gruppen von 2000 bis 3000 Personen im Land unterwegs, total kommen 12000 Chinesen. Der Umsatz dürfte rund 14 Millionen Franken betragen.

Die Niederlande haben genug von der Touristenflut

18 Millionen Gäste verzeichnen die Niederlande heute insgesamt. Und der Anstieg ist beachtlich: Bis 2030 könnte der Besucherstrom im Land mit 17 Millionen Einwohnern auf 42 Millionen wachsen, schreibt die «Sonntagszeitung». Eine zusätzliche Bettensteuer in Amsterdam soll vorerst zumindest in der Hauptstadt Abhilfe schaffen.In einem Strategiepapier hat die nationale Tourismusorganisation NBTC eine neue Zukunftsvision entworfen. «Von der Destinationsvermarktung zum Destinationsmanagement» steht in der Zusammenfassung. Statt um noch mehr Besucher zu werben, will man künftig die bestehende Touristenmasse klüger verwalten und dafür sorgen, dass sie sich im Land besser verteilt. Auch in Österreich wird derzeit eine neue Tourismusstrategie erarbeitet. Vor allem die Hauptstadt Wien sowie Salzburg leiden unter einem steigenden Besucherstrom.

(LVE)