Tourismuswelt

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Sunday Press Swiss und Edelweiss erleichtern Klimakompensation

Die beiden Schweizer Airlines erlauben die Kompensation neu direkt bei der Buchung. – Schauinsland sorgt für neue Konkurrenz im Schweizer Reisemarkt. – Die chinesische Mega-Reisegruppe löst Diskussionen aus.

Klimakompensationen haben zwar in jüngster Zeit zugenommen, wirklich ins Gewicht fallen sie aber noch immer nicht. Myclimate-Sprecher Kai Landwehr ist überzeugt: «Könnten die Reisenden den Flug bereits bei der Buchung mit einem Klick kompensieren, würden das viel mehr tun.» Die Schweizer Fluggesellschaften Edelweiss und Swiss gehen nun mit gutem Beispiel voran, wie die Wochenendausgaben von «ch Media» berichten. Edelweiss wird im Juni die CO2-Kompensation direkt in den Buchungsablauf integrieren. Die Swiss folgt im Verlauf dieses Jahres im Rahmen der Überarbeitung der Buchungsplattform des Lufthansa-Konzerns, zu dem die Airline gehört.

Selbstverständlich ist das Verhalten der Schweizer Fluggesellschaften nicht. Landwehr hat keine Kenntnisse von anderen grösseren Airlines, die einen Klimarechner mit Kompensationsmöglichkeiten direkt in den Buchungsprozess integriert haben. «Easyjet bietet keine CO2-Kompensation für Einzelkunden an, da unsere Flüge durch das Emissionshandelssystem der Europäischen Union abgedeckt sind», schreibt eine Sprecherin. Was sie nicht sagt: Diesem Zwang zum Kauf von Verschmutzungsrechten sind alle Fluggesellschaften unterworfen, wenn sie in der EU operieren. Und: Dieser Preis liegt sehr tief und vermag die Klimakosten bei weitem nicht zu decken.

Expertin fordert Verzicht auf Kurzstreckenflüge

Die Klimadiskussion findet heute auch in der «Sonntagszeitung» statt: Christine Plüss, Geschäftsführerin des Arbeitskreises für Tourismus & Entwicklung in Basel, fordert ein Umdenken im Tourismus. «Auf Kurzstreckenflüge muss verzichtet werden.» Unter Kurzstrecke versteht Plüss alle Reiseziele in einer Entfernung von 1000 Kilometern. «Auch nach London kommt man mit dem Zug», betont sie im Interview.

Plüss setzt sich seit dreissig Jahren dafür ein, dass Reiseveranstalter die Menschenrechte und den Umweltschutz in den Tourismusregionen achten. Es könne nicht sein, dass man ins Flugzeug steige wie in einen Bus. Fliegen müsse deshalb teurer werden. Ihre Maxime: Wenn fliegen, dass nur alle drei bis fünf Jahre für einen  vier- bis fünfwöchigen Aufenthalt. Und dann unbedingt mit Klimakompensation. Was die Nachhaltigkeit anbelangt, ist für Plüss klar: Die Verantwortung liegt beim Veranstalter. Es müsse klar ersichtlich sein, ob ein Angebot umweltfreundlich sei oder nicht.

Schauinsland hats auf Schweizer abgesehen

Ob mit Kurzstreckenflug-Verbot oder nicht – das Geschäft ist für die Schweizer Reiseanbieter derzeit schon nicht einfach. Es harzt. Und nun kündigt sich sogar noch neue Konkurrenz an, hält die «Sonntagszeitung» fest. Der deutsche Reiseanbieter Schauinsland will bekanntlich einen Schweizer Ableger gründen. Der Geschäftsführer ist bestimmt. Es ist dies Stefan Gutknecht, der bis letztes Jahr Verkaufschef der pleitegegangenen Schweizer Air-Berlin-Tochter Belair war.

Schauinsland belegt mit 1,34 Milliarden Euro Umsatz Platz 7 der grössten deutschen Veranstalter. Das Unternehmen ist im Günstig-Pauschalreisegeschäft tätig und setzt konsequent auf den Verkauf via Reisebüros. In der Schweiz werden die Schauinsland-Arrangements zwar schon vertrieben – unter anderem in den Hotelplan-Reisebüros. Dies aber auf kleinem Feuer.

Andi Restle, Geschäftsführer des Veranstalters ITS Coop Travel, befürchtet eine Zuspitzung der Lage: «Dass Schauinsland Stefan Gutknecht holt, deutet darauf hin, dass sie mehr Risiken im Einkauf von Charterflugplätzen übernehmen.» Das könnte zum Preiskrieg führen.

Megareisegruppe befeuert Overtourism-Diskussion

Zugespitzt hat sich auch die Diskussion um den Massentourismus. Auslöser ist die Gruppe von 12'000 Chinesen, die seit Donnerstag durch die Schweiz reist, vom Titlis bis zum Rheinfall. Ist dieser Massentourismus gut oder schlecht für unser Land? fragt die «NZZ am Sonntag» in ihrer aktuellen Ausgabe.

Eigentlich handelt es sich um einen Betriebsausflug. Alle 12'000 gehören nämlich zu Jeunesse Global, einem US-Kosmetikunternehmen. Incentive-Reisen nennt sich das. 376 solcher Reisen zählte man 2018 in der Schweiz, der Umsatz lag bei 25 Millionen Franken. Allein die Jeunesse-Gruppe soll nun 12 bis 14 Millionen einbringen, schätzt Schweiz Tourismus. Das ergibt nur 190 Franken pro Gast und Tag. Zum Vergleich: Freizeittouristen aus China kommen sonst auf das Doppelte. Allerdings nehmen an Incentive-Reisen gewöhnlich maximal 200 Leute teil und nicht 12'000.

Morgen Montag kommt es zum Showdown. Dann nämlich werden für einige Stunden doch alle 4000 Teilnehmer der ersten Welle in Luzern zusammentreffen. 95 Cars sind aufgeboten. Tatsächlich wird sich der morgige Grosskampftag etwa so anfühlen, wie wenn ein grosses Kreuzfahrtschiff in Luzern anlegen und seine Passagiere an Land lassen würde.

Sind Reisegruppen im XXL-Format nun gut oder schlecht? Letztlich, findet Jürg Stettler, Wirtschaftsprofessor an der Hochschule Luzern, müsse man sich der Frage stellen, welchen Tourismus die Schweiz wolle.

Crans-Montana im Clinch mit Milliardär

In der «NZZ am Sonntag» geht es noch um einen ganz anderen Konflikt, der nicht weniger zu reden gibt. Seit bald zwei Jahren liegt Crans-Montana im Clinch mit dem Milliardär Radovan Vitek, der 2014 in die Bergbahngesellschaft CMA einstieg und inzwischen fast 90 Prozent der Aktien besitzt. Es ist ein Machtkampf mit ungleich langen Spiessen, denn Vitek kontrolliert die wichtigsten Infrastrukturen im Ort: Er hat die Macht, die Lifte abzustellen, den Bergrestaurants den Wasserhahn abzudrehen oder das Parkhaus am Fuss der Pisten zu schliessen. Und dass der 47-Jährige vor Machtdemonstrationen nicht zurückschreckt, hat er schon mehrmals unter Beweis gestellt.

«Ich verstehe nicht, warum alle auf uns herumhacken», sagt Philippe Magistretti. Der 63-jährige hat Vitek ins Boot geholt, als die Bahnen vor fünf Jahren auf Geldsuche waren.«Überall sonst würde man sich freuen über einen Investor, der 200 Millionen Franken in den Tourismus investiert», sagt Magistretti. Er räumt ein, dass man Fehler gemacht habe.

Nun geht das Seilziehen in die nächste Runde. Die Gemeinde will die Hoheit über ihre Infrastrukturen zurückerlangen. Als erstes will sie das Parkhaus zurückkaufen.

Florenz, Bulgarien, Bodensee

Auf den Reiseseiten der «Sonntagszeitung» geht es um nachhaltiges Reisen und Florenz. Bei der «Zentralschweiz am Sonntag» und der «Ostschweiz am Sonntag» stehen Bulgarien und Camping am Bodensee im Fokus.

(DWB)