Tourismuswelt

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Sunday Press Walter Kunz: «Frauenquote würde uns guttun»

Der Vorstand des Schweizer-Reise-Verbandes besteht nur aus Männern. Das soll sich jetzt ändern. – Der Flughafen Zürich überholt das Glattzentrum als grösstes Warenhaus der Schweiz. – Wegen dem Ceneri-Tunnel steht der Flughafen Lugano-Agno unter Druck.

Das dürfte noch zu reden geben. Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reise-Verbandes, ist nicht unbedingt ein Freund von Quoten, wie er im Interview mit NZZexekutive, der Beilage der «NZZ am Sonntag», selber sagt. Doch wenn er den Vorstand des SRV betrachte, der nur aus Männern zusammengesetzt ist … «und dies bei einem Frauenanteil von 70 Prozent in unserer Branche, dann würde uns eine Quote guttun», betont er und fügt an: «Aber wir arbeiten daran und werden das in Kürze ändern.»

Im Interview sagt Kunz im Weiteren, dass er lieber persönlich und direkt kommuniziert als über soziale Netzwerke: «Ich muss dieser Welt nicht zeigen, wo ich gerade bin, was ich gerade unternehme und was ich esse.» Und was die eigenen Schwächen angeht, sagt er: «Als Chef zu seinen Schwächen zu stehen, ist – meines Erachtens – auch eine Form der Stärke. Man muss sie ja nicht gleich öffentlich zur Schau stellen.»

Flughafen Zürich als Shoppingparadies

Themenwechsel: Als 1948 die ersten Flieger am Zürcher Flughafen abhoben, waren sie eine Sensation. Rund 70 Jahre später zieht es Tausende nicht in erster Linie wegen den Fliegern, sondern wegen der Läden an den Airport. Der Flughafen liefert sich inzwischen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Glattzentrum in zürcherischen Wallisellen um den Titel des umsatzstärksten Einkaufszentrums der Schweiz. Seit Jahren ist das Glatt die unbestrittene Nummer eins, doch nun läuft ihm der Airport den Rang ab, schreibt die «Sonntagszeitung». Der Vorsprung des Shoppingcenters ist Jahr für Jahr geschrumpft: Vor fünf Jahren hatte es noch um 77 Millionen Franken Umsatz die Nase vorn, Ende 2018 lag der Flughafen gerade noch um 3 Millionen Franken zurück.

In diesem Jahr wird es laut der «Sonntagszeitung» zum Wechsel an der Spitze kommen. Denn während sich der Flughafen Zürich im Steigflug befindet, kann das Walliseller Center seine Flughöhe kaum halten. Es kämpft seit fünf Jahren gegen kontinuierlich sinkende Zahlen.

Der Anstieg des Umsatzes am Flughafen Zürich hat einen direkten Zusammenhang mit den kontinuierlich höheren Passagierzahlen. Seit Jahren vermeldet der Flughafen Passagierrekorde und erzielte 2018 mit 31 Millionen erneut einen Höchstwert. Was bedeutet, dass auch die Retailkasse des Airports immer lauter klingeln wird. «Wenn nichts Ausserordentliches geschieht, wird dieser Trend auch in den kommenden Jahren weitergehen», ist Flughafen-Sprecherin Sonja Zöchling überzeugt.

Ceneri-Tunnel gefährdet Lugano-Agno

Um den Flughafen geht es auch im «Sonntagsblick», aber um jenen im Tessin, in Lugano-Agno. Der viertgrösste Flughafen der Schweiz musste in den vergangenen Jahren einen starken Passagierrückgang hinnehmen und steht deshalb unter Druck. Nun könnte sich die Situation mit der Eröffnung des Ceneri-Tunnels weiter verschärfen. Denn mit der Inbetriebnahme des 15,4 Kilometer langen Basistunnels rückt das Tessin nochmals näher zur Deutschschweiz.

Die Swiss, die vier Mal täglich von Zürich nach Lugano fliegt, spürte bereits die Eröffnung der Neat am Gotthard und der damit verbundenen besseren Verbindung zum Flughafen Mailand. «Wir setzen seit letztem Herbst auf der Strecke Zürich-Lugano ein kleineres Fluggerät ein», wird Swiss zitiert. Die SBB planen mit der Ceneri-Eröffnung keine Direktverbindung vom Tessin an den Flughafen Zürich. Noch nicht. «Für die Zukunft schliessen wir dies nicht aus», sagt SBB-Sprecher Reto Schärli.

Familien als Erfolgsfaktor

Die «Zentralschweiz am Sonntag» und die «Ostschweiz am Sonntag» warten mit einem Special zum Thema Familienferien auf. «Familien sind treue und von der Wertschöpfung her wertvolle Gäste», wird Albert Kruker, Tourismusdirektor Lenk-Simmental zitiert. Die Lenk setzt wie kaum eine andere Region in der Schweiz auf Familien und feiert damit Erfolge. Wichtig sei, so die Tourismusverantwortlichen, dass das ganze Dorf dahinter stehe. Mittlerweile zählt der Tourismusverein über 27 Betriebe in der Region, mit denen er eng zusammenarbeitet. Jüngst konnte Lenk-Simmental gar einen SAC-Betrieb, die Wildhornhütte, als Partnerbetrieb gewinnen.

Bei der Lenk drängte sich die Fokussierung auf Familien schon fast auf. 1974 zog die Schweizer Reisekasse (Reka), die Familien sehr beliebt ist, ausserhalb des Ortes ein Feriendorf hoch. Dieses umfasst sechs Häuser mit insgesamt 51 Wohnungen und zählt mit einer Auslastung von über 80 Prozent zu den Top drei Ferienanlagen des Unternehmens und generiert der Lenk jährlich schon mal 50’000 Übernachtungen.

Marrakesch und Reisebücher

Die «Sonntagszeitung» bringt auf ihren Reiseseiten eine Reportage über Marrakesch und stellt zwei Reisebücher vor. Zum einen Sandra Wassers Werk über die erste touristische Arktis-Expedition und zum anderen «111 Orte rund um den Säntis, die man gesehen haben muss» von Silvia Schaub und Nina Kobelt.

Abgerundet wird die Reiseberichterstattung mit einem Porträt über Yvonne Beck, die seit einem Jahr mit ihrem Reisemagazin «Bucketlist» auf dem Markt ist. Beck gibt das Heft in Eigenregie heraus und setzt dabei erst noch auf Papier und dies in einer Zeit, in der die meisten Verlage die Tourismusseiten beschneiden und die Zukunft online sehen. «Viele hielten mich für total bekloppt, aber ich musste es einfach versuchen, sonst hätte ich es ein Leben lang bereut», sagt sie. Angst vor dem Scheitern hat Beck nicht. Für Ferien würden die Leute auch immer bereit sein, Geld auszugeben.

«Bucketlist» erscheint viermal jährlich, ein Heft für jede Jahreszeit - drei Ausgaben sind bereits publiziert. Etwa die Hälfte der Geschichten betreffen Ziele im nahen Ausland, zum Beispiel im Allgäu oder Südtirol. Der Kioskverkauf läuft laut Beck gut, sogar in Deutschland, obwohl die Konkurrenz dort gross sei.

(DWB)