Tourismuswelt

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Sunday Press Flugticketabgabe: Kehrtwende bei Politikern

Nach den zahlreichen Schülerdemonstrationen sprechen bürgerliche Politiker plötzlich wieder von einer Flugticket-Abgabe. – Airlines sehen sich einer Verdoppelung entschädigungspflichtiger Verspätungen gegenüber. – Schweizer Bergbahnen kassieren dank Dynamic Pricing.

Aus Reise- und Tourismusperspektive sollte man sich beim heutigen Gang an den Kiosk für die «NZZ am Sonntag» entscheiden. Gross aufgemacht ist ein Artikel über die Flugticketabgabe. Die Forderung wurde zwar jüngst unter Federführung von SVP und FDP im Parlament vom Tisch gewischt. Nach zahlreichen Schülerdemonstrationen – und im Vorfeld der Wahlen im Herbst 2019 – dreht sich der Wind nun aber überraschend schnell bei Mitte-Rechts-Politikern. FDP-Nationalrat Philippe Nantermod bezeichnete im Dezember die Flugticketabgabe noch als «unnötiges Gadget». Einen Monat und drei Klimastreiks später sagt Nantermod, «einverstanden mit der Flugticketabgabe».

Auch seitens Bauernverband, CVP und BDP sind jetzt deutliche Bekenntnisse zu hören, eine Flugticketabgabe einzuführen. Bei der Linken ist das Instrument ohnehin unbestritten: «Die heutigen Ticketkosten sind absurd tief – da sind im Ausland alleine die Autobahngebühren teurer», sagt SP-Ständerat Roberto Zanetti.

Kritiker sagen, eine nationale Flugticketabgabe sei nicht nötig, da die Flugbranche angekündigt habe, künftig klimaneutral zu wachsen. Zu den Befürwortern einer Flugticketabgabe zählen auch zwei FDP-Kommissionsmitglieder: Damian Müller und Ruedi Noser. Ersterer hält das Instrument aber nur für wirksam, wenn der Aufpreis genügend hoch ausfällt: «Wenn ein Billigflug statt 50 neu 55 Franken kostet, reicht das nicht». Noser denkt derweil bereits über die Verwendung der Einnahmen nach: Er will das Geld in die Förderung von CO2-effizientem Fliegen investieren.

Während die Politik noch diskutiert, ergreifen mehr und mehr Bürger selbst die Initiative und kompensieren die CO2-Emissionen ihrer Flüge. Das zeigen die Zahlen der Stiftung Myclimate: Laut Sprecher Kai Landwehr wurde im Januar bei den Flug-Kompensationen ein Wachstum von 220 Prozent gegenüber Januar 2018 verzeichnet.

Keine Klassenreisen im Flugzeug

Weiter dreht die «NZZ am Sonntag» das Thema mit der jüngsten Offensive vieler Schulen, Klassenreisen nicht per Flugzeug durchzuführen. Am Freitagnachmittag sassen 280 Schülerinnen und Schüler in der Aula des Gymnasiums Rämibühl und horchten den Ausführungen des ETH-Klimaforschers Erich Fischer, Mitautor einer Studie des UNO-Weltklimarats. Gleichzeitig haben sich bei den Schülern Arbeitsgruppen gebildet. Eine davon konnte den Lehrerkonvent dazu bringen, ein Flugverbot zu beschliessen.

Bisher reisten die Klassen für ihre Arbeitswochen per Flugzeug nach Madrid, Valencia, London oder Prag. Das ist vorbei, wie Rektorin Alder bestätigt. Eine Schülerdelegation hat das Anliegen in den Konvent gebracht und dort eine Mehrheit gefunden. Damit steht das RG Rämibühl nicht alleine da. Im Basler Gymnasium Leonhard haben Schüler und Lehrer beschlossen, auf das Fliegen bei Abschlussreisen zu verzichten.

Wir wissen alle, dass wir weniger fliegen sollten

Einen Hintergrundbeitrag im «NZZaS»-Gesesllschaftsbund beleuchtet zudem die Generation Easyjet – mit dem Titel «Holt uns vom Himmel». Nachdem die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg der Welt die Leviten liest – am Klimagipfel in Polen und am WEF in Davos – und damit viele Teenager weltweit auf die Strasse brachte, spricht die Zeitung mit Jugendlichen, die mit der Vielfliegerei und Easyjet aufgewachsen sind. Wir sind 30 Jahre alt und gehören zu einer Generation, die mit einem unendlichen Gefühl der Freiheit aufgewachsen ist, heisst es da.

Easyjet hat die europäische Flugbranche revolutioniert. Es hat aus Bahnstrecken Flugrouten gemacht und den Zeithorizont so stark verkürzt, dass uns eine TGV-Fahrt nach Paris vorkommt, als würde sie nie mehr enden wollen, schreiben die Autorinnen. Der Traveller ist die Ikone des Internets. Instagram, die grösste Bilderplattform der Welt, wird täglich von Tausenden neuen Ferienbildern, Traumstränden, Selfies vor Bergkulissen geflutet. Hashtag #beachlife, gestern noch Ibiza, morgen schon Hawaii. Und unsere Freunde, in Amsterdam, in Berlin, in Brüssel, liken, was wir tun, und wenn sie ein Wochenende frei haben, dann fliegen sie uns nach.

Auch Easyjet-Europachef Thomas Haagensen kommt zu Wort: «Die Proteste haben mich nicht erstaunt – wir als Airline müssen anerkennen, dass wir zum Klimawandel beitragen. Man müsse etwas unternehmen, in neue Technologien investieren, sonst komme der Druck irgendwann von der Politik oder der Bevölkerung, «da handeln wir lieber rechtzeitig selbst». Deshalb investiere Easyjet seit Jahren in neue Technologien. Bei einem durchschnittlichen Anstieg der Passagierzahlen um jährlich zehn Prozent seien diese Bemühungen wohl ein Nullsummenspiel, rechnen die Autorinnen vor, aber das sei ja nicht das Problem von Easyjet, man bediene eine Nachfrage, sage deren Chef.

Der Klimawandel ist eine hochkomplexe Angelegenheit, heisst es weiter, und wir scheinen vor ihm zu stehen wie die Maus vor der Schlange, lethargisch, perplex, verängstigt, regungslos, manche empören sich, und der Rest zuckt einfach mit den Schultern. Wir wissen alle, dass wir weniger fliegen sollten. Und doch machen wir weiter.

Die Pleitewelle der Airlines

Neben der umfassenden Klimadiskussion fasst die «NZZ am Sonntag» zudem das Airline-Geschehen dieser Woche zusammen und lässt nochmals das Grounding der deutschen Germania Revue passieren, nennt die Liste weiterer, jüngst gestrandeter Airlines: Monarch, Air Berlin, Azur Air, Primera, Skywork, Privatair, Cobalt und Small Planet und verweist auf die weiteren Stolperkandidaten Norwegian, Wow Air, Wizz Air und Alitalia.

Gibt es einen gemeinsamen Nenner für diese Schwierigkeiten? Alle Airlines in Europa hätten ihr Angebot besonders in den letzten 3 bis 4 Jahren stark erhöht, sagt Björn Maul, Airline-Experte beim Unternehmensberater Oliver Wymann. Das Kapital zur Finanzierung der Maschinen sei sehr günstig, die Kerosinpreise seien tief gewesen. «Es waren fast paradiesische Zustände.» Dank Effizienzverbesserungen sprudelten ab 2010 auch die Gewinne der Airlines. Und das verleitete die Branche in den letzten Jahren dazu, nochmals mehr Angebote auf den Markt zu werfen. Nun akzentuiere sich der Verdrängungskampf, beobachtet Maul. «Die schwächeren Airlines haben sich beim Aufbau ihres Netzwerkes übernommen.»

Die Branche mache für die Misere statt eigener Fehler vor allem die Treibstoffkosten verantwortlich. Diese hätten sich ab 2016 bis Oktober 2018 verdoppelt. Dazu kamen sprunghaft gestiegene Kosten, die aus dem sommerlichen Flugchaos im europäischen Luftraum entstanden seien. Tatsächlich hat die Firma Flightright allein für den deutschen Markt eine Verdoppelung der möglicherweise entschädigungspflichtigen Verspätungen für 2018 ermittelt. Die Rede ist von einem europaweiten Entschädigungspotenzial in Milliardenhöhe.

Und die Probleme dürften anhalten. Die Streikaktivitäten in ganz Europa nehmen wieder Fahrt auf.

Durchschnittsertrag um 40 Prozent gesteigert

Offensichtlich eingeschlagen in den Kassen der Schweizer Bergbahnen hat die dynamische Preisgestaltung. Wie ebenfalls die «NZZ am Sonntag» schreibt, konnte Andermatt Swiss Alps den Durchschnittsertrag durch die steigende Anzahl online verkaufter Mehrtageskarten um 40 Prozent steigern.

Ähnliches beobachten die Arosa Bergbahnen. «Vor dem Einsatz von dynamischen Preisen haben wir gut 200'000 Franken Umsatz mit unserem Online-Kanal erwirtschaftet», heisst es bei Arosas Bergbahnen. «Diesen konnten wir in der letzten Wintersaison auf fünf Millionen Franken steigern.»

Nicht nur steigen die Erträge, auch die Kosten sinken für die Bergbahnen. Wie bei der Flugbuchung, dem E-Banking oder dem Self-Checkout an der Migros- oder Coop-Kasse wird der Konsument zum Selbermacher. An den Kassen in den Stationen benötigt es deshalb tendenziell weniger Personal.

Die Bündner Destination Laax versucht seine Kunden aktiv über den Preis auf den Online-Kanal zu bugsieren. In der Hauptsaison kostet die Tageskarte bei Buchung über die App zwischen 56 und 80 Franken. An der Bergkasse beträgt der Preis immer 85 Franken. Wer nicht online buche, der werde quasi mit einem Aufpreis bestraft und der Möglichkeit beraubt, an den tieferen Preisen zu partizipieren.

Österreich verliert Schweizer Gäste

Schweizer Skitouristen wird Österreich zu teuer, schreibt die «Schweiz am Wochenende». Erstmals seit Jahren verbringen weniger Schweizer ihre Ferien in Österreich. In der Schweiz wurden Übernachtungen billiger, Österreichs Hoteliers hingegen haben die Preise erhöht.

Vor allem mit der beginnenden Wintersaison verlor Österreich offenbar an Anziehungskraft bei seinen schweizerischen Gästen. Im Dezember kamen ganze 5 Prozent weniger Schweizer Gäste, die schweizerischen Logiernächte gingen um 2,5 Prozent zurück. Die Rahmenbedingungen hätten sich «leicht angepasst», wird ÖW-Schweizchefin Carmen Breuss zitiert. Die Schweiz habe ihr eigenes Angebot verbessert, auch das Marketing sei sichtbar verstärkt worden.

Von der Schweizer Treue ist Carmen Breuss gleichwohl überzeugt. «Wir glauben, in den kommenden Jahren das hohe Niveau der Schweizer Gästezahlen behalten zu können». Im besten Falle sei ein leichter Ausbau möglich. Denn laut Umfragen würden die Schweizer Gäste unter anderem die landschaftliche Schönheit schätzen, die Qualität der österreichischen Hotellerie sowie das Verhältnis von Preis und Leistung.

Pillouds Mandat

Die ehemalige Leiterin des SBB-Personenverkehrs, Jeannine Pilloud, ist laut dem «SonntagsBlick» Verwaltungsrätin einer Firma, die auch Aufträge von den SBB erhielt. Im Juni 2018 habe sie Einsitz in den Verwaltungsrat des IT-Unternehmens Innovation Process Technology IPT genommen, das eng mit den SBB zusammenarbeite.

Ein SBB-Sprecher erklärte gegenüber der Zeitung, dass es nicht unüblich sei, dass SBB-Konzernleitungsmitglieder auch Verwaltungsratsmandate bei Drittfirmen innehätten. Pilloud erklärte zudem, dass sie in ihrer Funktion als SBB-Delegierte des öffentlichen Verkehrs keinen Einfluss auf die Beschaffungsgeschäfte von IT habe. Die strengen Compliance-Vorgaben würden rigoros eingehalten.

Sprachkurse für Stellensuchende

Für Stellensuchende bieten die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren laut dem «SonntagsBlick» Sprachkurse im Ausland an. Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco habe einen Auftrag über rund 1,7 Millionen Franken an eine Berliner Sprachschule gegeben. Die Kosten lägen pro Absolvent aus der Schweiz bei 5900 Franken, wobei die Teilnehmer 1600 Franken aus der eigenen Tasche zahlen müssten.

Die Massnahme richte sich an gut ausgebildete Personen, die bereits über deutsche Sprachkenntnisse verfügten und für drei Monate ins Ausland gehen könnten, sagte ein Seco-Sprecher gegenüber der Zeitung. Der Vorteil von diesen Sprachkursen bestünde darin, dass die Teilnehmenden Intensivkurse belegten und auch im Alltag mit der Sprache konfrontiert würden. Das Erlernte könne so in der Schule, in Gastfamilien sowie in Alltagssituationen direkt angewandt werden.

Invasion der Eisbären

Die Behörden haben auf der russischen Arktisinsel Nowaja Semlja wegen einer Invasion von Eisbären den Notstand ausgerufen, schreibt die «NZZ am Sonntag». Dutzende Bären seien in Wohnhäuser und öffentliche Gebäude eingedrungen. Die Tiere würden sich nicht mehr durch Licht und Geräusche verscheuchen lassen, hiess es in einer Mitteilung des Oblast Archangelsk.

Auf der 900 Kilometer langen Insel im äussersten Nordosten Europas leben nur rund 2000 Menschen. Die beschleunigte Eisschmelze in der Arktis führt dazu, dass Eisbären sich länger an Land aufhalten. Dort liefern sie sich einen Wettstreit um Nahrung.

Von Elounda bis Kerala

Auf den Reiseseiten der Sonntagspresse sind zahlreiche schöne Reiseinspirationen zu finden. Beschrieben wird etwa in der «Sonntagszeitung» ein schöner Aufenthalt im Resort Blue Palace in Elounda auf Kreta. Ein weiterer Beitrag dreht sich um Las Vegas und wie das Eldorado für Glücksspieler mit neuen Stadien immer mehr die sportliche Seite entdeckt.

Die «Zentralschweiz am Sonntag» hat sich im südindischen Kerala umgesehen und beschreibt sanften Tourismus, den sich Naturschützer und Reiseveranstalter zusehends auf die Fahne geschrieben haben. Das Elbsandgebirge in der Sächsischen Schweiz wird zudem beleuchtet.

Und eine Ode über Skitouren ist im Stilbund der «NZZ am Sonntag» zu lesen: Was lange absurd erschien, ist heute in Mode – den verdammten Berg einfach selbst raufzulaufen.

(GWA)