Tourismuswelt

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Sunday Press Schneemangel verschärft die Tourismuskrise in der Schweiz

Keine weissen Weihnachten in Sicht — Adolf Ogi verlangt einen Krisengipfel — Bergbahnen hoffen auf private Investoren.

„Grüne Hügel, schwarze Aussichten“, „Rekordwinter: So wenig Schnee gabs noch nie“, „Warmes Wetter lässt die Reserven der Bergbahnen schmelzen“, „Schnee verzweifelt gesucht“. Angesichts der anhaltend frühlingshaften Temperaturen wenige Tage vor Weihnachten ist der Schneemangel in den Bergen in allen grossen Sonntagsmedien ein zentrales Thema. Auf drei Seiten zeigt der „SonntagsBlick“ Luftaufnahmen der wichtigsten Winterkurorte der Schweiz, die unter dem ausbleibenden Schnee leiden. Besonders hart trifft es den Kanton Graubünden, schreibt die „SonntagsZeitung“, „aussergewöhnlich ist die Situation vor allem im Oberengadin.“ Alarmstimmung verbreitet die „Schweiz am Sonntag“, da nicht nur im Flachland, sondern auch in den meisten Bergtälern weisse Weihnachten „ein Traum bleibt“.

Für Adolf Ogi, früherer Bundesrat und langjähriger Direktor des Skiverbandes, ist der Rückgang der Gästezahlen „dramatisch“. Man habe „den Ernst der Lage noch nicht erkannt“, sagt er im Interview mit der „Schweiz am Sonntag“. Deshalb schlägt er einen „nationalen Schulterschluss“ vor. «Alle Akteure sollen jetzt gemeinsam Ideen sammeln, wie wir aus der Krise kommen – die Bergbahnen, die SBB, Privatbahnen, Hoteliers, die Sportartikelbranche, Schneesportschulen, Verbände, Magglingen, Gemeinden, Kantone und Bund», fordert er. Laut der Zeitung wird in den Bergregionen das zu Ende gehende Jahr als „rabenschwarzes in die Geschichte eingehen“. In den ersten zehn Monaten 2015 sei die Zahl der Logiernächte in Graubünden gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent gesunken, seit 2010 sei fast jede fünfte Übernachtung verloren gegangen. „Nur der guten Entwicklung der Städte Zürich und Luzern ist es zu verdanken, dass die nationale Gesamtbilanz ein kleineres Minus vorweist.“

Die „NZZ am Sonntag“ legt den Fokus auf die Bergbahnen, die unter „Ertragsausfällen, Verschuldung und teuren Investitionen leiden“ und nun auf private Geldgeber hoffen. Ein Vergleich mit dem Vorjahr, als der Schnee auch erst am Jahresende gefallen sei, würde den wahren Zustand der Bergbahnbranche verschleiern. Drei Viertel des Umsatzes von über einer Milliarde Franken resultierten im Winterhalbjahr. „Rund die Hälfte der Bahnen weist eine ungenügende Betriebsgewinnmarge aus“, schreibt das Blatt. Schneearme Winter liessen die „traditionell dünne Eigenkapitaldecke der Bahnen“ schmelzen lassen und gefährden Investitionen in die Zukunft. Deshalb erhoffen sich verschiedene Regionen Hilfe von privaten Geldgebern. „Wir müssen uns wohl alternative Finanzierungsformen für neue Infrastrukturen anschauen“, sagt Bruno Fläcklin, der Tourismusdirektor der Lenzerheide, „ich denke etwa an das Mäzenatentum.“

Abkommen mit China lässt Zentralschweiz aufatmen

Mit einer positiven Nachricht wartet die „Zentralschweiz am Sonntag“ auf. Dank eines vergangene Woche unterzeichneten Migrationsabkommens mit China sei damit zu rechnen, dass die Schweiz bald zusätzliche Visastellen im Riesenreich eröffnen kann. Neue Schengen-Richtlinien erschweren die Einreise für chinesische Gäste, da sie seit Mitte Oktober ein biometrisches Visum einholen müssen. Bisher war dies nur auf der Schweizer Botschaft bzw. auf den drei Konsulaten möglich, was teure Zusatzreisen nötig machten. Gemäss der Zeitung sind chinesische Touristen für die Zentralschweiz immer wichtiger. Allein bis Ende Oktober seien es 100'000 Besucher mehr gewesen gegenüber den 380'000 Übernachtungen in der Vorjahresperiode.

Im Jahre 2015 wird der Flughafen Zürich erstmals die Grenze von 26 Millionen Passagieren überschreiten. Dies sagt der neue Flughafenchef Stephan Widrig im „SonntagsBlick“. Damit könne der Einbruch im Kommerzgeschäft als Folge des Frankenschocks vom letzten Januar teilweise kompensiert werden. Reisen ins Ausland sei für Schweizer billiger geworden, „deshalb fliegen die Leute mehr“, so Widrig. Ein Ende der bilateralen Verträge hätte für den Flughafen negative Folgen, da ein Grossteil der heutigen Verkehrsrechte neu verhandelt werden müssten. Auf die Frage, ob es weniger Flüge geben werde, sagt Widrig: „Im Übergang sicher. Einzelne Flüge würden wohl ganz wegfallen. Das wäre schlecht für den Tourismus und die Swiss.“ Schliesslich berichtet die „SonntagsZeitung“ über Anwerbungsveranstaltungen der Swiss für neues Kabinenpersonal in Deutschland. Mit einem Einstiegslohn von 3400 Franken stehe die Fluggesellschaft im Schweizer Arbeitsmarkt schlecht da, deshalb müsse sie über „Casting Events“ Personal im Ausland rekrutieren. Ein Swiss-Sprecher begründet den Schritt mit einem „aussergewöhnlichen Personalbedarf“.

(HPB)